Archiv für Juli 2008

Kein ruhiges Vogtland für Nazis

Eigentlich wollte ich vor längerer Zeit aus der aktiven Antifaschistischen – Arbeit aussteigen. Neben persönlichen Gründen, wurde es mir auch langsam bei Demos zu Krawall orientiert und irgendwie gingen mir die Inhalte verloren. Doch heute stecke ich tiefer in der Arbeit drin als es mir lieb ist, schuld sind die Nazis. Wären die nicht, könnte ich in Ruhe mein Feierabend – Bier genießen. So ist es halt zum Ausstieg aus dem Ausstieg gekommen.

In wenigen Tagen ist es wieder soweit, zum zweiten Mal veranstalten die Nazis unter dem Banner der NPD in Greiz ein „Fest“. Wie immer tut unsere Stadt nichts, es herrscht großes Schweigen. Am liebsten würde man vergessen was am 02.08.08 in Greiz stattfindet. Offizielle Stimmen dazu gibt es nicht, der Bürgermeister verweigert die Aussage, er eröffnet auch lieber das „Greizer Jazzwerk“ (da kann man sich auch besser feiern lassen). Nur sollte er nicht vergessen, dass es eines Tages kein Jazzwerk mehr geben könnte und Ihn auch nicht, wenn die Nazis immer stärker werden und eines Tages den Bürgermeister unserer Stadt stellen.
Man könnte sagen es herrscht die Ruhe vor dem Sturm und diese Ruhe der anständigen Demokraten wehrt schon mehrere Jahre im schönen Greiz – der Aufstand der Anständigen den Gerhard Schröder gefordert hat, ist leider ausgeblieben.

Dafür haben sich die Strukturen der Nazis gefestigt und ihre Aktionen werden immer dreister.
So zum Beispiel Ende letzten Jahres marschierten ca. 30 Nasen (steht Regional für Nazis) nach einer Wintersonnenwend-Feier, laut brüllend und Fackel schwingend durch Greiz, wurde zwar von der Polizei gestoppt was aber auf ihre eigene Blödheit zurück zu führen ist. Anfang diesen Jahres gab es dann noch mal so nen Lauf der Nasen durch Greiz, nur diesmal nahm keiner mehr Notiz davon. Diverse Angriffe und Drohungen gegen Antifaschisten möchte ich nicht näher ausführen (dauert zu lange).

Ende Mai gab es dann wieder eine größere Aktion der Nazis, so wollten sich im Thüringischen Schönbach, das an der B92 zwischen Plauen und Elsterberg liegt, mehrere dutzend Nasen zu einer nicht angemeldeten Veranstaltung im „Drei Mädel Haus“ treffen. Diesmal konnte die Polizei das Treffen mit starken Kräften verhindern. Uns liegen Informationen vor das es dort schon öfters zu Treffen der rechten Szene kam. Unser größtes Problem hier im Dreiländereck (Sachsen, Thüringen, Bayern) ist das es keine klaren Grenzverläufe zwischen den Bundesländern gibt. Somit gibt es hier auch keine bzw. nur undetaillierte Informationsweitergaben zwischen den Behörden der einzelnen Bundesländer. Dieses wissen die Nazis gut für sich zu nutzen, deutliche Verbindungen zwischen den Faschisten in Gera, Greiz, Plauen, Reichenbach, Mylau und bis nach Hof sind nicht zu übersehen. Dem Naziladen Ragnarök in Mylau kann hier eine besondere Bedeutung zugesprochen werden, er kann als Schnittpunkt der regionalen Naziszene gesehen werden und gilt als Treffpunkt in der Region. So gab es auch in Mylau vor über einem Jahr einen Brandanschlag auf das Haus einer Familie, die nicht in das Weltbild der Nationalisten passte. Die lokale Presse nimmt von solchen Vorgängen hier kaum Notiz, es ist schon fast zur Normalität geworden, im schönen Vogtland. Auch die kleine Stadt Elsterberg rückt immer wieder in den Fokus der Nazis, denn hier lässt es sich wunderbar leben ohne mit ernsthaftem Widerstand von Nazigegnern rechnen zu müssen. Mittlerweile kommt es immer öfter zu größeren Naziveranstaltungen, die offiziell unter dem Deckmantel der NPD angemeldet werden, so sind es mit der Veranstaltung in Greiz am 02.08.08 schon drei größere Konzerte / Veranstaltungen innerhalb von sechs Wochen in unserer Region.

Da es von der öffentlichen Seite kaum Widerstand gibt, ist es umso wichtiger, dass wir den Druck erhöhen und uns den Nazis in den Weg stellen! Auch in der „Provinz“.
Darum finde ich es wichtig wenn Antifaschisten aus dem Umland und größeren Städten den Aufrufen lokaler Gruppen folgen, denn nur mit Zusammenhalt und Solidarität können wir verhindern, dass die eher ländlichen Gebiete Ostthüringens, Westsachsens und Nordbayerns zur No Go Area’s für Andersdenkende und ausländische Mitbürger werden. Deshalb lokale Strukturen stärken und für eine alternative Jugendkultur kämpfen. Nur wer seine Stimme erhebt, wird auch gehört!

Ich hab da mal was zu sagen!

Das Thema Arbeitslosigkeit ist zur heutigen Zeit präsenter als je zuvor. Als ich ein Kind war stellte ich mir das Erwachsen sein unheimlich spannend vor. Ich würde einen ganz tollen Job haben, ich hätte einen Führerschein und ein ganz tolles Auto. Ich dachte die Welt würde mir offen stehen.

Die Schule war beendet und ich hatte eine Ausbildung angefangen. Eine mit Zukunft wie ich dachte. Und ich war nicht die Einzige, die mit großen Vorstellungen und Erwartungen diese Ausbildung machte. Unsere Lehrer und Dozenten erzählten uns welch große Chancen wir nach Beendigung der Ausbildung haben würden, wenn wir nur unser Bestes geben. Und ich denke wir haben alle unser Bestes gegeben.

Später stellte sich heraus, dass Sie uns das nur predigten um uns bei Laune zu halten. Denn der erste Gang nach der Zeugnisausgabe war der auf´s Arbeitsamt, und zwar geschlossen die ganze Klasse, denn niemand hatte von uns Arbeit bekommen. Das erste ernüchternde Erlebnis in der „Erwachsenen Welt“.

Meine Arbeitsvermittlerin sagte mir dass ich mit so einer Ausbildung nicht vermittelbar sei. Großes Kino, ganz großes Kino. Zwei Jahre in den Sand gesetzt.

Darauf folgten Jahre der Arbeitslosigkeit und das jobben in einer Kneipe. Ich hatte mir doch alles so schön vorgestellt. Aber man lässt sich ja nicht unterkriegen. Also immer fleißig Bewerbungen schreiben und eine Absage nach der nächsten kassieren. Dann meine erste Vermittlung durch das Arbeitsamt, ein Ein-Euro-Job. Man kann sich ja vorstellen, wie man sich da vorkommt. Aber na ja man muss halt, ob man will oder nicht, denn ablehnen darf man so ein „spitzen Angebot“ natürlich nicht.

Das hieß für mich Rasenmähen, Hecken schneiden und Müll aufsammeln. Viele aus meiner Stadt dachten ich muss Sozialstunden leisten. Ein schweres Unterfangen dieses Gerücht wieder aus der Welt zu schaffen.

Ein halbes Jahr fungierte ich in diesem unheimlich wichtigen Posten. Endlich war es vorbei, aber weit gefehlt denn der nächste Ein-Euro-Job wartete schon auf mich und zwar kein Viertel Jahr später. Und man kann es nicht anders sagen, diesmal war es meine eigene Schuld, denn ich hatte gewagt nach einer Weiterbildung oder einer Umschulung zu fragen. Dieser Ein-Euro-Job war nicht in der „Landschaftspflege“, nein, es handelte sich dabei um Bewerbungstraining. Und auch wenn ich darauf noch weniger Lust hatte, als auf´s Rasen mähen, ging ich jeden Tag hin. Ich dachte, wenn man was anfängt, bringt man es auch zu Ende. Leider stand ich mit dieser Einstellung fast alleine da. Denn von den 15 jungen Menschen blieben nach den ersten 2 Wochen nur 5 übrig. Diese wenigen aber mit viel Enthusiasmus und Hoffnung auf eine Arbeit.

Diese Maßnahme beinhaltete auch zwei Praktika. Eines wurde uns vom Bildungsträger vermittelt und eines durften wir uns selbst aussuchen. Das erste absolvierte ich in einem Altenpflegeheim, keine besonders schöne Aufgabe. Wobei ich bei dem zweiten Praktikum in einer Tierarztpraxis arbeiten konnte und meinen Traumberuf gefunden hatte.

Dieser Traum platzte jedoch auch schnell wieder, denn ich habe keinen Führerschein und das war fast immer der Grund, weshalb man mich nicht Ausbilden wollte. Ich wäre nicht flexibel genug. Also ging ich wieder auf das AA um zu fragen ob man mir den Führerschein finanzieren würde. Auf meine Frage hin wurde mir mitgeteilt, dass das möglich wäre, wenn mir der potentielle Arbeitgeber schriftlich bestätige dass er mich mit einem Führerschein einstellen würde, was natürlich keiner machte.

Die nächsten Besuche auf dem Arbeitsamt wurden genutzt um jedes Mal nach einer Umschulung zu fragen. Bis es endlich klappte.

Wieder zwei Jahre und diesmal würde ich vermittelbar sein.

Falsch gedacht. Denn jetzt wo ich meinen IHK Abschluss habe, bin ich wieder Arbeitslos. Wieder nicht vermittelbar, zumindest nicht hier. Nun schreibe ich wieder Bewerbungen und hoffe auf eine feste Anstellung.

Einen Minijob habe ich bekommen. Mein Arbeitsvermittler meint dies sei keine Dauerlösung, womit er ja nicht Unrecht hat. Doch leider steht in jeder Bewerbung die ich zurück bekomme, es sind keine Planstellen frei. Also sagt das Arbeitsamt zu mir ich solle meinen Bewerbungsumkreis erweitern, d.h. jeden Monat so um 20 km. Nur zu dumm das ich immer noch keinen Führerschein habe und ihn mir auch nicht leisten kann.

Aber für das AA kein Problem ich kann doch weg ziehen, nach München zum Beispiel. Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema.

Wenn das AA sagt du musst wegziehen, dann musst du wegziehen. Und da drängt sich mir eine Frage auf. Warum müssen die anderen die nicht weg wollen nicht weg gehen. Ich rede von denen die Ihren Arsch seit Jahren nicht drehen, denen alles egal ist, außer ob Sie heute oder erst morgen aus dem Bett kriechen wollen, oder welche Ausrede sie das nächste Mal beim AA Besuch erzählen wollen.

Warum werden nicht solche Leute angepisst? Warum kann man sich hier bemühen wie man will und kriegt trotzdem eins verpasst. Ich bin kein Mensch den es in die Ferne zieht und ich lege auch keinen großen Wert darauf, mein Leben hier für das AA aufzugeben und zurück zu lassen.

Da fällt mir doch gleich noch was ein, und zwar die Abwanderung der Jugend. Ein sehr großes Problem für die Länder und Kommunen. Aber ganz ehrlich, was soll das denn alles, das soll verstehen wer will. Auf eine Art beschweren und auf der anderen keine Alternativen sondern das Messer in den Rücken derer die Hier bleiben wollen!

Und gleich die nächste Frage die mir unter den Nägeln brennt. Wo bleibt denn der Wirtschaftsaufschwung von dem so viel berichtet wird? Er hat sich bei mir und bei vielen anderen noch nicht blicken lassen, aber vielleicht muss man weggehen um ihn auch einmal zu Gesicht zu bekommen. Oder ich frag mal die Politiker die haben ihn bestimmt schon mal gesehen.

Na ja soviel zum Leben.

Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.
(Albert Einstein)

The Day After Gera – Eine Zeitreise in die DDR

Schon am Treffpunkt zur Gerafahrt lief nicht alles glatt, so waren auf einmal mehr Menschen da als in den Kleinbus passten, hmm fängt ja gut. Die Situation wurde schnell geklärt in dem einfach ein PKW gekapert wurde, so konnten wir dann doch netterweise zu Neunt nach Gera fahren. Die 55 PS des Kleinbusses ließen uns nicht im Stich, frisch und munter in Gera angekommen ging es dann erst mal zum Treffpunkt der Demokraten. Doch hier wartete schon der nächste Ärger auf uns, eine Handvoll Polizisten (würde sie lieber anders bezeichnen) wollte nicht das wir uns mit dem Rest auf dem Platz vereinen. Da wurde uns erst mal nachgerufen: „Hey ihr Frösche bleibt mal stehen“ aber wir reagierten nicht drauf, da keiner von uns grün trug. Kurzum wurden wir jetzt von den Dienstgeilen Herren in Schwarzgrün umringt, nur wenige Meter vom Versammlungspunkt entfernt. Im Hintergrund konnte man den Oberbürgermeister Geras von Demokratie und anderen markigen Dingen reden hören und wir mussten unsere Ausweise abgeben. Nach den üblichen Reppressionsmaßnahmen gelang es uns doch an der Demo gegen die Nazis teilzunehmen. An der Stelle noch mal viele Grüsse an die Polizisten von denen sich mindestens zwei für die Aktion ihres „Führers“ geschämt haben.
Endlich ging es los, langsam aber schön laut und von einem seichten Sommerregen begleitet zogen wir durch Geras fast menschenleere Straßen, hier fiel mir zum ersten mal auf das sich viel in Gera getan hat, ein Großteil der Straßen war frisch geteert was das Laufen recht komfortabel machte. Und so zogen wir weiter bis zur Heinrichsbrücke vorbei an den Minigolfern, was mögen die gedacht haben als wir ihre Ruhe störten, zur Zwischenkundgebung hier gab dann ein paar gute Redebeiträge (ehrlich) sonst wären viele schon eher abgehauen. Was macht man wenn man ein paar Nasen (Nazi) sehen will – man bleibt stehen und das taten wir auch! Dieses passte nun gar nicht in das Konzept der Robocops, also Plan B: Provozieren der Demoteilnehmer. Es kam immer wieder zu kleinen Rangeleien und langsam kochte die Stimmung hoch jedoch als dann noch ein paar ganz mutige „Rocker für Deutschland“ die Demo queren mussten war die Bombe kurz vorm platzen. Zum Glück besonnen sich die Meisten und reagierten nicht mehr auf die Provokationen der staatlichen Prügelgarde. So konnte friedlich Enden was friedlich begonnen hat.

Mein Fazit: Es ist gut, dass so viele Leute nach Gera kamen, schade ist, dass so wenige Geraer Bürger sich daran beteiligten. Wir haben unseren Standpunkt klargemacht und auch den staatlichen Organen gezeigt, dass man nicht mit uns umspringen kann wie man will!