Ich hab da mal was zu sagen!

Das Thema Arbeitslosigkeit ist zur heutigen Zeit präsenter als je zuvor. Als ich ein Kind war stellte ich mir das Erwachsen sein unheimlich spannend vor. Ich würde einen ganz tollen Job haben, ich hätte einen Führerschein und ein ganz tolles Auto. Ich dachte die Welt würde mir offen stehen.

Die Schule war beendet und ich hatte eine Ausbildung angefangen. Eine mit Zukunft wie ich dachte. Und ich war nicht die Einzige, die mit großen Vorstellungen und Erwartungen diese Ausbildung machte. Unsere Lehrer und Dozenten erzählten uns welch große Chancen wir nach Beendigung der Ausbildung haben würden, wenn wir nur unser Bestes geben. Und ich denke wir haben alle unser Bestes gegeben.

Später stellte sich heraus, dass Sie uns das nur predigten um uns bei Laune zu halten. Denn der erste Gang nach der Zeugnisausgabe war der auf´s Arbeitsamt, und zwar geschlossen die ganze Klasse, denn niemand hatte von uns Arbeit bekommen. Das erste ernüchternde Erlebnis in der „Erwachsenen Welt“.

Meine Arbeitsvermittlerin sagte mir dass ich mit so einer Ausbildung nicht vermittelbar sei. Großes Kino, ganz großes Kino. Zwei Jahre in den Sand gesetzt.

Darauf folgten Jahre der Arbeitslosigkeit und das jobben in einer Kneipe. Ich hatte mir doch alles so schön vorgestellt. Aber man lässt sich ja nicht unterkriegen. Also immer fleißig Bewerbungen schreiben und eine Absage nach der nächsten kassieren. Dann meine erste Vermittlung durch das Arbeitsamt, ein Ein-Euro-Job. Man kann sich ja vorstellen, wie man sich da vorkommt. Aber na ja man muss halt, ob man will oder nicht, denn ablehnen darf man so ein „spitzen Angebot“ natürlich nicht.

Das hieß für mich Rasenmähen, Hecken schneiden und Müll aufsammeln. Viele aus meiner Stadt dachten ich muss Sozialstunden leisten. Ein schweres Unterfangen dieses Gerücht wieder aus der Welt zu schaffen.

Ein halbes Jahr fungierte ich in diesem unheimlich wichtigen Posten. Endlich war es vorbei, aber weit gefehlt denn der nächste Ein-Euro-Job wartete schon auf mich und zwar kein Viertel Jahr später. Und man kann es nicht anders sagen, diesmal war es meine eigene Schuld, denn ich hatte gewagt nach einer Weiterbildung oder einer Umschulung zu fragen. Dieser Ein-Euro-Job war nicht in der „Landschaftspflege“, nein, es handelte sich dabei um Bewerbungstraining. Und auch wenn ich darauf noch weniger Lust hatte, als auf´s Rasen mähen, ging ich jeden Tag hin. Ich dachte, wenn man was anfängt, bringt man es auch zu Ende. Leider stand ich mit dieser Einstellung fast alleine da. Denn von den 15 jungen Menschen blieben nach den ersten 2 Wochen nur 5 übrig. Diese wenigen aber mit viel Enthusiasmus und Hoffnung auf eine Arbeit.

Diese Maßnahme beinhaltete auch zwei Praktika. Eines wurde uns vom Bildungsträger vermittelt und eines durften wir uns selbst aussuchen. Das erste absolvierte ich in einem Altenpflegeheim, keine besonders schöne Aufgabe. Wobei ich bei dem zweiten Praktikum in einer Tierarztpraxis arbeiten konnte und meinen Traumberuf gefunden hatte.

Dieser Traum platzte jedoch auch schnell wieder, denn ich habe keinen Führerschein und das war fast immer der Grund, weshalb man mich nicht Ausbilden wollte. Ich wäre nicht flexibel genug. Also ging ich wieder auf das AA um zu fragen ob man mir den Führerschein finanzieren würde. Auf meine Frage hin wurde mir mitgeteilt, dass das möglich wäre, wenn mir der potentielle Arbeitgeber schriftlich bestätige dass er mich mit einem Führerschein einstellen würde, was natürlich keiner machte.

Die nächsten Besuche auf dem Arbeitsamt wurden genutzt um jedes Mal nach einer Umschulung zu fragen. Bis es endlich klappte.

Wieder zwei Jahre und diesmal würde ich vermittelbar sein.

Falsch gedacht. Denn jetzt wo ich meinen IHK Abschluss habe, bin ich wieder Arbeitslos. Wieder nicht vermittelbar, zumindest nicht hier. Nun schreibe ich wieder Bewerbungen und hoffe auf eine feste Anstellung.

Einen Minijob habe ich bekommen. Mein Arbeitsvermittler meint dies sei keine Dauerlösung, womit er ja nicht Unrecht hat. Doch leider steht in jeder Bewerbung die ich zurück bekomme, es sind keine Planstellen frei. Also sagt das Arbeitsamt zu mir ich solle meinen Bewerbungsumkreis erweitern, d.h. jeden Monat so um 20 km. Nur zu dumm das ich immer noch keinen Führerschein habe und ihn mir auch nicht leisten kann.

Aber für das AA kein Problem ich kann doch weg ziehen, nach München zum Beispiel. Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema.

Wenn das AA sagt du musst wegziehen, dann musst du wegziehen. Und da drängt sich mir eine Frage auf. Warum müssen die anderen die nicht weg wollen nicht weg gehen. Ich rede von denen die Ihren Arsch seit Jahren nicht drehen, denen alles egal ist, außer ob Sie heute oder erst morgen aus dem Bett kriechen wollen, oder welche Ausrede sie das nächste Mal beim AA Besuch erzählen wollen.

Warum werden nicht solche Leute angepisst? Warum kann man sich hier bemühen wie man will und kriegt trotzdem eins verpasst. Ich bin kein Mensch den es in die Ferne zieht und ich lege auch keinen großen Wert darauf, mein Leben hier für das AA aufzugeben und zurück zu lassen.

Da fällt mir doch gleich noch was ein, und zwar die Abwanderung der Jugend. Ein sehr großes Problem für die Länder und Kommunen. Aber ganz ehrlich, was soll das denn alles, das soll verstehen wer will. Auf eine Art beschweren und auf der anderen keine Alternativen sondern das Messer in den Rücken derer die Hier bleiben wollen!

Und gleich die nächste Frage die mir unter den Nägeln brennt. Wo bleibt denn der Wirtschaftsaufschwung von dem so viel berichtet wird? Er hat sich bei mir und bei vielen anderen noch nicht blicken lassen, aber vielleicht muss man weggehen um ihn auch einmal zu Gesicht zu bekommen. Oder ich frag mal die Politiker die haben ihn bestimmt schon mal gesehen.

Na ja soviel zum Leben.

Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.
(Albert Einstein)