Kein ruhiges Vogtland für Nazis

Eigentlich wollte ich vor längerer Zeit aus der aktiven Antifaschistischen – Arbeit aussteigen. Neben persönlichen Gründen, wurde es mir auch langsam bei Demos zu Krawall orientiert und irgendwie gingen mir die Inhalte verloren. Doch heute stecke ich tiefer in der Arbeit drin als es mir lieb ist, schuld sind die Nazis. Wären die nicht, könnte ich in Ruhe mein Feierabend – Bier genießen. So ist es halt zum Ausstieg aus dem Ausstieg gekommen.

In wenigen Tagen ist es wieder soweit, zum zweiten Mal veranstalten die Nazis unter dem Banner der NPD in Greiz ein „Fest“. Wie immer tut unsere Stadt nichts, es herrscht großes Schweigen. Am liebsten würde man vergessen was am 02.08.08 in Greiz stattfindet. Offizielle Stimmen dazu gibt es nicht, der Bürgermeister verweigert die Aussage, er eröffnet auch lieber das „Greizer Jazzwerk“ (da kann man sich auch besser feiern lassen). Nur sollte er nicht vergessen, dass es eines Tages kein Jazzwerk mehr geben könnte und Ihn auch nicht, wenn die Nazis immer stärker werden und eines Tages den Bürgermeister unserer Stadt stellen.
Man könnte sagen es herrscht die Ruhe vor dem Sturm und diese Ruhe der anständigen Demokraten wehrt schon mehrere Jahre im schönen Greiz – der Aufstand der Anständigen den Gerhard Schröder gefordert hat, ist leider ausgeblieben.

Dafür haben sich die Strukturen der Nazis gefestigt und ihre Aktionen werden immer dreister.
So zum Beispiel Ende letzten Jahres marschierten ca. 30 Nasen (steht Regional für Nazis) nach einer Wintersonnenwend-Feier, laut brüllend und Fackel schwingend durch Greiz, wurde zwar von der Polizei gestoppt was aber auf ihre eigene Blödheit zurück zu führen ist. Anfang diesen Jahres gab es dann noch mal so nen Lauf der Nasen durch Greiz, nur diesmal nahm keiner mehr Notiz davon. Diverse Angriffe und Drohungen gegen Antifaschisten möchte ich nicht näher ausführen (dauert zu lange).

Ende Mai gab es dann wieder eine größere Aktion der Nazis, so wollten sich im Thüringischen Schönbach, das an der B92 zwischen Plauen und Elsterberg liegt, mehrere dutzend Nasen zu einer nicht angemeldeten Veranstaltung im „Drei Mädel Haus“ treffen. Diesmal konnte die Polizei das Treffen mit starken Kräften verhindern. Uns liegen Informationen vor das es dort schon öfters zu Treffen der rechten Szene kam. Unser größtes Problem hier im Dreiländereck (Sachsen, Thüringen, Bayern) ist das es keine klaren Grenzverläufe zwischen den Bundesländern gibt. Somit gibt es hier auch keine bzw. nur undetaillierte Informationsweitergaben zwischen den Behörden der einzelnen Bundesländer. Dieses wissen die Nazis gut für sich zu nutzen, deutliche Verbindungen zwischen den Faschisten in Gera, Greiz, Plauen, Reichenbach, Mylau und bis nach Hof sind nicht zu übersehen. Dem Naziladen Ragnarök in Mylau kann hier eine besondere Bedeutung zugesprochen werden, er kann als Schnittpunkt der regionalen Naziszene gesehen werden und gilt als Treffpunkt in der Region. So gab es auch in Mylau vor über einem Jahr einen Brandanschlag auf das Haus einer Familie, die nicht in das Weltbild der Nationalisten passte. Die lokale Presse nimmt von solchen Vorgängen hier kaum Notiz, es ist schon fast zur Normalität geworden, im schönen Vogtland. Auch die kleine Stadt Elsterberg rückt immer wieder in den Fokus der Nazis, denn hier lässt es sich wunderbar leben ohne mit ernsthaftem Widerstand von Nazigegnern rechnen zu müssen. Mittlerweile kommt es immer öfter zu größeren Naziveranstaltungen, die offiziell unter dem Deckmantel der NPD angemeldet werden, so sind es mit der Veranstaltung in Greiz am 02.08.08 schon drei größere Konzerte / Veranstaltungen innerhalb von sechs Wochen in unserer Region.

Da es von der öffentlichen Seite kaum Widerstand gibt, ist es umso wichtiger, dass wir den Druck erhöhen und uns den Nazis in den Weg stellen! Auch in der „Provinz“.
Darum finde ich es wichtig wenn Antifaschisten aus dem Umland und größeren Städten den Aufrufen lokaler Gruppen folgen, denn nur mit Zusammenhalt und Solidarität können wir verhindern, dass die eher ländlichen Gebiete Ostthüringens, Westsachsens und Nordbayerns zur No Go Area’s für Andersdenkende und ausländische Mitbürger werden. Deshalb lokale Strukturen stärken und für eine alternative Jugendkultur kämpfen. Nur wer seine Stimme erhebt, wird auch gehört!