Archiv für August 2008

Schlimme Nachrichten

Schlimme Nachrichten die aus Leipzig kommen. Die Achtjährige Michelle ist tot, ermordet. Noch gibt es keine heiße Spur die zum Täter führen könnte, laut offiziellen Angaben hat die Polizei eine Nachrichtensperre verhängt, sodass keine Informationen über den eventuellen Täter an die Öffentlichkeit gelangen. Mich gruselt es wenn ich Nachrichten schaue und die Demonstrationen in Leipzig sehe, mit der Forderung „Todesstrafe für Kinderschänder“ liefen mehrere Hundert Leipziger zusammen mit den Nazis durch die Stadt. Der Mob ist wütend, wehe dem, der Kritik übt an diesen Bildern. Fairerweise muss man sagen, dass nicht alle Bürger damit einverstanden waren bzw. sind, dass die Nazis den Tod der kleinen Michelle für ihre populistischen Forderungen missbrauchen. Was die Lage noch explosiver macht ist, dass der Onkel Michelle’s ein bekannter Leipziger Nazi ist.

So haben die Nazis wieder eine Möglichkeit ganz offen zu agieren und man kann so ganz einfach die Sympathie der ach so verbitterten und von Kriminalität gebeutelten Leipziger für sich gewinnen. Wie krank muss eine Gesellschaft sein, wenn Menschen laut skandierend mit der Forderung„Todesstrafe für Kinderschänder“ durch Leipzig ziehen. Nein es wird nicht darüber nachgedacht was dies eigentlich bedeutet, warum es in Deutschland keine Todesstrafe mehr gibt, all die Unzufriedenheit der Menschen entlädt sich an dieser schlimmen Tat. Sind die Demonstranten alle hirnlose Zombies, da sie so widerspruchslos die Parolen der Nazis brüllen, ich hoffe nicht!

Wird ein Mord besser wenn man den Täter hinrichtet?
Ich glaube nicht. Die Buße einer solchen Tat sollte ein Leben lang andauern, hinter Gittern, dieser Mensch sollte sein ganzes Leben nicht vergessen was er getan hat und immer wieder mit der Gewissheit konfrontiert werden „Ich habe getötet“. Ich finde die Todesstrafe zu fordern erfüllt nicht den Zweck des „Buße tun“ sondern eher den Zweck des „entfernen“ eines Menschen der Schlimmes getan hat. Man könnte es als eine Art Selektion von Menschen bezeichnen, die nicht so funktionieren wie sie sollten und das sollte man nicht wieder wollen!

Bei aller Traurigkeit, darf man nicht zulassen, dass Nazis solche Taten instrumentalisieren und für ihre politischen Zwecke missbrauchen. Ich glaube nicht, dass viele von den Nazis wirklich der ermordeten Michelle gedenken, nein hier geht es darum mit aller Macht Menschen für eine Ideologie einzuspannen. Heute fordert man die Todesstrafe für Kinderschänder, morgen die Todesstrafe für die, die nicht in ihr Weltbild passen usw.
An sich unpolitische Straftaten werden politisiert, ohne wirklich zu wissen was in Leipzig passiert ist, thematisiert die NPD den Tot des Mädchens. Sie gehen auf Wählerfang und nutzen dabei die Ohnmacht und die Verzweifelung der Bürger aus, denn alle wissen, es hätte auch mein Kind treffen können. Bisher gibt es noch keine offiziellen Aussagen ob es sich um eine Sexualstraftat handelt.

Alles im Lot auf‘m Boot… Alles in Butter auf‘m Kutter

Wenn ich so auf den Kalender schaue fällt mir auf, dass der Sommer langsam zu Ende geht. Es ist schon schade und ich werde ein bisschen wehmütig…

Endlich mal abschalten, war diesen Sommer die Devise für die Elsterpiraten, Urlaub ja, Langeweile nein. Was machen solche Süßwasserpiraten wie wir von der weißen Elster – logisch wir haben uns in unsere Nussschale gesetzt und sind ans Meer geschippert, na ja eigentlich sind wir ca. 700 Kilometer mit dem Auto durch Deutschland und die Niederlande geirrt, um endlich an Land gehen zu können. Gestrandet sind wir in einer kleinen Stadt mit Hafen, wie es sich für echte Piraten gehört. Mir nichts dir nichts waren die Piratenunterkünfte (in unserem Fall Zelte) bezogen. Dann ging es erst mal zum Strand, Dünen, Möwen und die stürmische Nordsee. Als Flusspirat kann man sich nichts Schöneres vorstellen, als so ne steife Brise Meeresluft zu nehmen (inklusive Sand), die Möwen bei ihren Flugmanövern zu beobachten und mit den Füßen in der Nordsee zu stehen (zum Baden war es zu kalt und stürmisch).
Später sind wir dann noch mal in die Stadt gefahren, um diese zu erkunden und eventuell zu Brandschatzen (gehört sich für richtige Piraten auf ihren Raubzügen), die Stadt haben wir erkundet, gebrandschatzt nicht.
Geschafft vom Stadtrundgang setzten wir uns in einen so genannten Coffeeshop um, wie der Name schon sagt, in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Außer Kaffee gab es hier auch noch weitere Holländische Spezialitäten, die wir fälschlicher Weise für einen besonderen importierten Tabak hielten. Da es hier gut roch und alle diesen „Tabak“ rauchten kauften wir uns auch so eine konische vorgedrehte (wie praktisch) Zigarette. Was dann passierte könnt ihr euch ja denken. Erst im Nachhinein erfuhren wir dass diese „Zigarette“ ein Joint war. Am ende des Tages ging uns das Lied von den alten Seemannskollegen Käpt´n Blaubär und Hein Blöd – Alles im Lot auf´m Boot, nicht mehr aus dem Kopf.

Als Pirat kann man sich nicht lange an einem Ort aufhalten, also fuhren wir nach Amsterdam, mit einem richtigen Schiff(!). Dieses ist überhaupt nicht mit unseren, auf der „Weißen Elster“ gebräuchlichen, Ruderbooten oder Flößen vergleichbar.
Und weil wir gerade bei Amsterdam sind, wenn ihr mal aufs Klo müsst nutzt die öffentliche Toilette im Hauptbahnhof. Eigentlich kostet die Nutzung 50 Cent doch wer mit Fünf Euro Scheinen bezahlt bekommt 6,50 Euro wieder. Vielleicht liegt das an der typischen Preis Auf- und Abrunderei oder es war ein Zufall. Mehr will ich gar nicht über Amsterdam verraten diese Stadt muss man schon mal selbst erleben.
Ihr kennt bestimmt auch die Geschichte vom fliegenden Holländer und diese fiel mir immer ein, wenn die Menschen auf ihren Fahrrädern an mir vorbei gefahren, man könnte fast sagen vorbei geflogen, sind. Das musste ich auch probieren und überzeugte erst mal alle Elsterpiraten davon, dass man sich den Geflogenheiten des Gastgeberlandes anpassen muss. Also wurden diese berühmt, berüchtigten „Holland – Bikes“ versorgt um sich mit den Fahrrad fahrenden Niederländern zu messen. Ich musste feststellen, dass wir nicht mithalten konnten. Ständig klingelte es von hinten und wieder zog ein Holländer an uns vorbei.
Es ist einfach phänomenal wie gut die Fahrradwege in den Niederlanden ausgebaut sind, da können wir uns eine Scheibe abschneiden.
Auf einer ausgedehnten Fahrradtour konnten wir Land und Leute besser kennen lernen.

Leider geht jeder Urlaub zu Ende und unser Urlaub hatte sogar ein Happy End. Nicht nur, dass wir und die Zelte einen Sturm (nein kein laues Lüftchen wie zuhause) überstanden haben, am letzten Tag zeigte sich das Nordseewetter noch einmal von seiner sonnigen Seite, was wir gut zu nutzen wussten.

Kommen wir zu den praktischen „Überlebenstipps“ für Hollandreisende:
1. Passt auf bei der Benutzung von Straßen, Bürgersteigen und Radwegen, Fahrräder und Roller haben immer Vorfahrt.
2. In Fußgängerzonen müsst ihr ausweichen, um Kollisionen mit anderen Fußgängern zu vermeiden.
3. Fragt die Holländer nie nach dem Wetter, denn die ständige Antwort auf diese Frage lautet „Es wird besser“.
4. Englischkenntnisse sind von großem Vorteil, obwohl die meisten Niederländer am Ende eines Gespräches darauf hinweisen, dass Sie auch deutsch sprechen, nett diese Holländer.
5. Holländische Brötchen sind unheimlich fluffig und schmecken wie Milchbrötchen. Wenn ihr richtige Brötchen essen wollt müsst ihr ein paar Cent mehr drauf legen. Euer Verdauungstrakt wird es euch danken.

Der Inhalt des Textes besteht zu 80% aus wahren Begebenheiten und zu 20% aus Seemannsgarn.

Gewidmet Rudi Carrell, geboren am 19.12.1934 in Alkmaar, gestorben am 07.07.2006 in Bremen.

Einer von vielen Antifaschisten

Als ich auf den Bus wartete, der mich nach Hause bringen sollte wurde ich auf den Straßennamen aufmerksam, der gegenüber der Bushaltestelle an eine Hauswand angebracht war. Dieser Name war mir absolut kein Begriff. Aber ich dachte wenn diesem Menschen eine Straße gewidmet wird, muss er doch etwas geleistet haben.

Also machte ich mich daran etwas, über diesen mysteriösen Herren, Namens Bruno Bergner, herauszufinden. Keine leichte Aufgabe, denn wie sich später herausstellte war er eher regional tätig.

Er war der Sohn einer Weberfamilie und wurde 1881 in Greiz geboren. Er hatte sich zur Aufgabe gemacht bei Gewerkschaftsversammlungen ab 1914 über die Hintergründe des Krieges aufzuklären.

Er gründete 1919 zusammen mit anderen die Ortsgruppe der KPD und war selbst viele Jahre Vorsitzender dieser.

Auch beteiligte er sich am Generalstreik gegen den Kapp-Putsch.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die KPD verboten, dennoch gab er nicht auf und vertrat die Widerstandsgruppe Kapp – Bergner.

Nach seiner ersten Inhaftierung im Konzentrationslager Bad Sulza wurde er nur ein Jahr später vom Oberlandgericht Jena „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 4 ½ Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Zuerst verbüßte er seine Strafe im Zuchthaus Untermaßfeld, von wo er aber im August 1939 ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt wurde.

2 Jahre später kam er nach Dachau. Er sei angeblich laut Angaben eines Lagerkommandanten am 10. Februar 1942 an Darmkatarrh verstorben.

Jedoch aus dem Archiv der Gedenkstätte Dachau geht hervor, dass Bruno Bergner bereits am 15. Januar mit einem „Invalidenstransport“ in die Vergasungsanstalt Schloss Hartheim (Österreich) gebracht wurde.

Einer von vielen Antifaschisten, deren aktiver Widerstand gegen die Nazis schon zu lange in Vergessenheit geraten ist.