Archiv für Oktober 2008

Rechtsextremen Strukturen im Vogtland entgegentreten am 08.11.08 in Reichenbach

Wie man auf der Internetpräsenz der Antifaschistischen Gruppen des Vogtlandes lesen kann, rufen NPD und Freie Kräfte der Region für den 08.11.08 zu einer Demonstration in Reichenbach/Vogtland auf. Im Anschluss an die Demonstration wird es noch einen Liederabend mit Torstein geben. Dies ist als Geschlossene Veranstaltung im „Drei Mädle Haus“ an der B92 zwischen Elsterberg und Plauen geplant. Hier fanden schon öfters Liederabende und interne Naziveranstaltungen statt. Da das „Drei Mädle Haus“ strategisch günstig liegt, im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Thüringen, können die Nazis hier fast ungestört agieren!

Für den 08.11.08 ruft das Antifaschistische Forum Vogtland/Ostthüringen zu einer Kundgebung unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts – Für ein buntes Vogtland“ am Neuberinhaus in Reichenbach auf. Beginn der Veranstaltung wird 14.00 Uhr sein. Wir rufen alle Antifaschisten aus dem Vogtland, Thüringen und Sachsen dazu auf, sich an dieser Kundgebung zu beteiligen! Unterstützt wird diese Aktion von den Antifaschtischen Gruppen des Vogtlandes (agv), sowie der Antifaschistischen Arbeit Greiz (AfA).

Als weitere Reaktion auf den geplanten Naziaufmarsch, ruft die Stadt Reichenbach ihre Bürger dazu auf, sich am 09.11.08 um 17.00 Uhr an einer Gedenkveranstaltung unter dem Motto „70 Jahre Pogromnacht – nie wieder Diktatur und Gewaltherrschaft“ zu beteiligen.
Nach einem Friedensgebet auf dem Reichenbacher Kirchplatz sollen Kerzen entzündet werden, die dann schweigend zum Reichenbacher Markt getragen werden. Hier wird dann Reichenbachs Oberbürgermeister noch einige Worte des
Gedenkens sprechen.

Keinen Fußbreit den Faschisten, Rechtsextremen Strukturen im Vogtland entgegentreten!

Antifa Plauen / AGV : Hände weg vom besetzten Haus in Erfurt!

Besetzte Häuser sind bundesweit mittlerweile so selten geworden, dass mensch sie an einer Hand abzählen kann. Auch legale selbstverwaltete Hausprojekte sind meist latent von der Schließung bedroht. Im April 2001 wurde ein Teil des ehemaligen Topf & Söhne- Geländes in Erfurt besetzt. Seit Oktober diesen Jahres ist das Gelände vom Abriss bedroht. Das Grundstück wurde bis zum Beginn des Jahres 2007 notverwaltet und dann an die Domicil Hausbau GmbH und Co KG aus Mühlhausen verkauft. Nachdem der Notverwalter die Besetzung geduldet hatte, kündigte der neue Besitzer Herr Golla nach einer kurzen Zeit der Duldung nun an, dass er alle Gebäude auf dem besetzten Areal so schnell wie möglich abreißen will. Geplant ist an ihrer Stelle ein Gewerbe- und Wohngebiet anzusiedeln.

Das Gelände – J. A. Topf & Söhne
Auch alle restlichen Gebäude auf dem Gelände sollen abgerissen werden, mit Ausnahme des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Firma Topf & Söhne. Hier soll ein Geschichtsort entstehen, der schon seit Ende der 90er von verschiedenen Gruppen in Erfurt – und seit 2001 auch von den Besetzer_innen – gefordert wird. Die Firma hatte im Nationalsozialismus Krematorien für Konzentrations- und Vernichtungslager wie Buchenwald und Auschwitz produziert und ist damit eines der bedeutendsten Beispiele für die Beteiligung der zivilen Industrie am Holocaust. Mit der Besetzung eines Teils des ehemaligen Firmengeländes war der Beschluss verknüpft, sich mit deren Geschichte kritisch auseinanderzusetzen und die Bemühungen um einen Geschichtsort zu unterstützen.

Häuserkampf vor der Besetzung
In Erfurt hatte es vor dieser Besetzung drei Jahre lang kein linkes selbstverwaltetes Zentrum gegeben. Nachdem das legale Hausprojekt “Korax” von der Stadt geschlossen wurde, hatte es von der Stadt zwar Versprechungen für ein neues Projekt gegeben, jedoch wurde kein geeignetes Objekt vorgeschlagen. Deshalb beschlossen die Leute, sich nicht mehr auf die Stadt zu verlassen und besetzten leerstehende Häuser. Nach mehreren gescheiterten Versuchen glückte dann die Besetzung eines Teils des ehemaligen Topf & Söhne- Geländes.

Besetztes Haus Erfurt – ein soziokulturelles und politisches Projekt
Im Laufe der Jahre entstanden hier jede Menge Wohnraum, ein Bauwagenplatz, Konzert- und Partyräume, Bandproberäume, ein Infoladen/Lesecafe, ein Kino, ein Umsonstladen, Werkstätten, ein Sportraum und eine “Küche für alle”. Weiterhin bietet das Besetzte Haus Raum für politische Gruppen und wird selbst politisch aktiv. Vor dem Hintergrund, dass sich das Projekt auf einem Ort befindet, an dem die Täter des Holocaust aktiv waren, wird sich mit der Geschichte der Firma Topf & Söhne auseinandergesetzt. Auf den öffentlichen Veranstaltungen und Rundgängen über das Gelände wird besonders die freiwillige engagierte Beteiligung der normalen deutschen Bevölkerung an der technischen Umsetzung der massenhaften Menschenvernichtung herausgearbeitet. Ebenso wird aufgezeigt, dass Antisemitismus, Rassismus, Lohnarbeit als Lebensmittelpunkt und einziger anerkannter Lebensunterhalt sowie das Abdelegieren von Verantwortung nach “Oben” ausschlaggebend für die Beteiligung der Mitarbeiter_innen von Topf & Söhne waren. Das Besetzte Haus versucht durch Unterstützung der Kritik an den oben genannten gesellschaftlichen Mechanismen in der heutigen Gesellschaft rechte Tendenzen zurück zu drängen. Davon unabhängig versuchen die Besetzer_innen Kritik an gesellschaftlichen Strukturen wie Sexismus, Homophobie und Kapitalismus an die Öffentlichkeit zu bringen. Im Projekt wird versucht diese Kritik bestmöglich praktisch umzusetzen, wobei diesem Vorhaben durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen Grenzen gesetzt sind. Wichtig ist uns deshalb eine Veränderung der Gesellschaft anzustreben und nicht nur eine widerspruchsfreie “Nische im System” zu schaffen. Nichtsdestotrotz ist das Besetzte Haus für viele Leute ein wichtiger Rückzugsort weil hier Nazis nicht geduldet und Menschen unterstützt werden, die von sexistischen oder rassistischen Übergriffen bedroht sind. Auch Leute die sich kulturelle Veranstaltungen oder Konzerte oft nicht leisten können, werden hier weitaus weniger ausgeschlossen. Projekte dieser Art besitzen in Thüringen Seltenheitswert. Diesen linken, selbstverwalteten Raum zu erhalten ist umso wichtiger, weil es auch in Thüringen ein Erstarken rechter Tendenzen gibt.

Stadtentwicklung – Dem Kapitalismus den Weg bereiten
Hierzu gehört neben der stärker werdenden Organisierung der rechten Szene die Verdrängung von Subkulturen und Minderheiten aus dem öffentlichen Raum und die stetigen Kürzungen im Bereich der alternativen Kultur. So wurde im Sommer 2008 das Trinken von Alkohol in der Erfurter Innenstadt verboten. Diese Maßnahme richtet sich vor allem gegen einen langjährigen Treffpunkt der Alternativen- und Punkszene hinter der Krämerbrücke, einem beliebten Tourist_innenziel. Auch die Streichung der Fördergelder für das Erfurter Kunsthaus und andere Orte für zeitgenössische Kunst, wie das Cafe Togo, das Grüne Haus und der Kinoclub Hirschlachufer, ist symptomatisch für eine Kulturpolitik, die allein die Rentabilität in den Mittelpunkt stellt. Diese Politik ist Teil einer neoliberalen Ideologie die mittlerweile auch in Erfurt angekommen ist. Das Ziel dieser Ideologie besteht darin, bestmögliche Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen und möglichst viele gesellschaftliche Teilbereiche unter das Dekret kapitalistischer Konkurrenz zu stellen. Voraussetzung dafür ist die Annahme, die Wirtschaft regele alle Belange am besten. Zur Durchsetzung gehört dann eine ordentliche und saubere Stadt, ohne herumlungernde Subkulturen die beim Konsumieren stören und die Verringerung oder gar Einstellung von Förderungszahlungen an Kunst und Kultur, die sich nicht zu lohnen scheint. Es gilt alles zu kontrollieren und für den freien Markt nutzbar zu machen.

Verein als Bedingung für ein Alternativobjekt
Dem gegenüber steht das Besetzte Haus, ein Projekt, das sich nicht kontrollieren lässt und sich auch nicht an bürokratische Spielregeln hält. Die Stadt fordert von uns, dass ein Verein gegründet wird, um ein Ersatzobjekt zu erhalten. Mit solch einer Vereinsstruktur würden sich aber unweigerlich Hierarchien unter den Nutzer_innen herausbilden und die Einschränkungen durch Behörden wären nicht absehbar. Wir sehen darin einen großen Nachteil und fürchten um das Projekt in seiner jetzigen Form – selbstverwaltet, hierarchiearm und an den Bedürfnissen der Nutzer_innen orientiert.

Wir bleiben alle!
Die nahezu perfekte Lage des Projektes und die jahrelange Kraft und Hoffnung, die wir in den Aufbau der Räumlichkeiten gesteckt haben sind wichtige Gründe für uns, an dem Verbleib des Projektes auf dem ehemaligen Topf & Söhne- Gelände festzuhalten. In einer Zeit von mehr als sieben Jahren ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Geländes zu einem wesentlichen Bezugspunkt für uns geworden. Über sieben Jahre haben wir unsere Kraft, Phantasie und Träume in diesen Ort gesteckt und ein soziokulturelles Zentrum mit breiter Ausstrahlung geschaffen – das werden wir nicht einfach aufgeben.

Unterstützt uns im Kampf um den Erhalt des Besetzten Haus Erfurt!
Kommt zur Demonstration am 22. November 2008 um 13.00 Uhr auf den Bahnhofsvorplatz Erfurt!

Offener Brief der Antifaschistischen Aktion Gera: Augen zu und Ring frei zur nächsten Runde

Für die kommenden Samstage werben Kampfsportvereine und Sponsoren wieder
für „Free Fight“ Veranstaltungen. Dass sich dahinter weiterhin Neonazis
verbergen, stört scheinbar niemanden. Die Antifaschistische Aktion Gera
fordert Kündigung der Mietverträge.

GERA, 22. Oktober. Neonazis als Sportler bei Kampfsportvereinen und
Türsteher von Sicherheitsfirmen sind seit Langem Normalität. Seit 2005
drängen Vereine und Sponsoren mit „Free Fight“ Veranstaltungen in die
Öffentlichkeit. Dabei traten Neonazis bisweilen als Kämpfer, Sponsoren
oder Organisatoren ungeniert in Erscheinung. Nachdem der letzte „Free
Fight“ nach Protesten von AntifaschistInnen vor einem Jahr verhindert
werden konnte, versuchen sie nun jede Aufregung zu vermeiden. Verbindungen
zu Neonazis finden sich erst auf den zweiten Blick. In einem ehemaligen
„Lokschuppen“ der Deutschen Bahn will der „Fightsport Gera e.V.“ und im
städtischen „Kultur und Kongresszentrum“ der „Eastfight e.V.“ jeweils
einen Kampfsportabend veranstalten. Die Antifaschistische Aktion Gera
[AAG] fordert die sofortige Kündigung der Mietverträge und ein klare
Positionierung gegen Neonazis im Sport, bei Sicherheitsfirmen und
anderswo.

In großen Lettern wirbt der Schriftzug „Käfigkampf“ auf Flugblättern für
den Kampfsportabend des Fightsport Gera e.V. und SUP am 25. Oktober in
Gera. Vor einem Jahr musste dieser Verein seine Veranstaltung unter genau
demselben Titel nach öffentlichem Druck absagen. Die AAG deckte damals ein
Geflecht von rechten Schlägern und NPD-Aktivisten bei dem Verein und dem
Hauptsponsor und Mitorganisator „SUP Sicherheits- und Servicedienste GmbH“
auf. Der jetzige Kampfsportabend ist allem Anschein nach der Nachholtermin
und die Organisatoren setzen alles daran, ungestört zu bleiben. Dass sich
Vereinstrainer Jörg Rauschning nach der Absage letzten Dezember von
Rechtsextremen distanzierte und auf der aktuellen Internetseite der
Veranstaltung „www.mma-gera.de“ der Banner „“Mut gegen rechte Gewalt“ von
der Zeitschrift Stern prangt, erscheint in diesem Zusammenhang völlig
aberwitzig.

An der Organisation des ersten „Käfigkampf“ war der langjährige
Neonazi-Aktivist Jörg Krautheim maßgeblich beteiligt. Er war über Jahre
bedeutender Führungskader der NPD und Kameradschaft Gera. Seit den
Neunziger Jahren baute er die Neonaziszene in Gera beispielgebend für
Thüringen auf und war stand mehrfach vor Gericht. Zudem betrieb er den
„Aufruhr Versand“, der bundesweit zu den größten Vertrieben von
Neonazipropaganda zählt. Nach einem Hackerangriff auf den Internetshop,
bei dem mehrere Tausend Kundendaten veröffentlicht wurden, kam Krautheim
gegenüber der Neonaziszene in Erklärungsnot. Er gab den Versand ab und zog
sich 2006 urplötzlich aus der NPD zurück. Es bleibt offen, ob er somit
auch einer Enttarnung als möglicher Verfassungsschutz-Informant
zuvorkommen wollte.
Seitdem macht er keine Geschäfte mehr mit Rechtsrock und
Reichskriegsflaggen sondern mit Kampfsportartikeln. Seit über einem Jahr
betreibt er die Internetshops „Attack Sports“ und „Fightsport24″, mit dem
er 2007 zum Hauptsponsor beim „Fightsport Gera e.V.“ avancierte. Krautheim
warb auf der Website, auf T-Shirts und mit Bannern bei
Kampfsportveranstaltungen des Vereins. Zwar ist der Sponsorenhinweis von
der Website verschwunden, doch ein Banner der „Kampfsport Top-100″,
ebenfalls von Jörg Krautheim betrieben, findet sich weiterhin beim
Internetauftritt des „Fightsport Gera e.V.“. Noch im Sommer dieses Jahres
präsentierte sich ein Kämpfer des Vereins bei einem „Free Fight“ mit
Kleidung von „Attack Sports“.
Da verwundert es nicht, dass sich Max Schlegel, Aushängeschild des Vereins
und von Trainer Jörg Rauschning, selbst als „Anti-Antifa“ bezeichnet. Im
Internetportal „Schüler VZ“, auf dem sich Jugendliche austauschen und in
Gruppen einschreiben können, macht der 18jährige Kampfsportler unter dem
Namen „Max ‚die Wutsau‘ Schlegel“ aus seiner Gesinnung keinen Hehl. Dort
gehört er der Gruppe „AntiAntifa Gera“ an, die sich genauer als „Anti
antifaschistische bewegung Gera’s“ (Fehler im Original) bezeichnet. Auch
das Logo „Good night left side“ („Gute Nacht ihr Linken“) findet sich auf
der Internetseite. Dazu hatte er sich in die Gruppe „Rechtsrock rockt -
auch ohne politischen Hintergrund!“ eingeschrieben und bezeichnet
Rechtsrock- und Hooliganbands wie „Sleipnir“, „Kategorie C“ und
„Vollkontakt“ als seine Lieblingsmusik“. Im Jahr 2007 beteiligte sich Max
Schlegel am europaweiten NPD-Fest „Fest der Völker“ in Jena, an dem über
1000 Neonazis teilnahmen. Auf einem Foto des Aufmarsches zeigt er sich mit
der Nazikleidung „Thor Steinar“, die sich in der Szene großer Beliebtheit
erfreut und als Erkennungszeichen dient.
Zu seiner Kampfsportmotivation schreibt er: „… Mein Ziel ist es meinen
gegner zu Deformieren“ und er verweist auf den „Fightsport Gera e.V.“
(Fehler im Original).

Der Verein ist Partner der „SUP Sicherheits- und Servicedienste GmbH“.
Deren ehemaliger Geschäftsführer ist Dominique Stetefeld. Er ist wegen
Falschaussage vorbestraft und war Inhaber der Vorgängerfirma „Pollux
Security“. Diese beschäftigte ausschließlich Neonazis und war für brutale
Angriffe auf linke Jugendliche berüchtigt.
Stetefeld ist Anmelder der Internetpräsenz des „Fightsport Gera e.V.“ und
der Internetseite für die jetzige Veranstaltung. Im letzten Jahr war er
neben Jörg Krautheim Hauptorganisator des „Käfigkampfes“. Neben ihm
trainieren auch andere Mitarbeiter der SUP bei dem Verein. Darunter der
Türsteher Steffen Rösel, der bereits als rechter Schläger auffiel.
Der langjährige NPD-Aktivist Nico Hüfner arbeitet ebenfalls für die SUP.
Gemeinsam mit Jörg Krautheim war er treibende Kraft beim Aufbau der
Neonaziszene in Gera. Zeitweise trat er als Betreiber des „Aufruhr
Versand“ in Erscheinung und verkaufte über seinen eigenen Internetshop
„Ultima Tex“ Neonazipropaganda. Wie Jörg Krautheim zog er sich 2006 aus
der NPD zurück und versucht sich nun als Sicherheitsdienst bei
Oberligaspielen des 1. FC Gera 03, bei Fußballübertragungen in der
Innenstadt oder in Plattenbaugebieten der Wohnungsbaugesellschaft GWB
Elstertal.
Zur Berufsbekleidung der Mitarbeiter von SUP gehört, als wäre es
selbstverständlich, Nazikleidung von „Thor Steinar“. Während diese Marke
in Fußballstadien von Carls Zeiss Jena oder Borussia Dortmund verboten
ist, tragen SUP-Mitarbeiter diese bei Oberligaspielen des 1.FC Gera 03.
Auch bei der Feuerwerks-Weltmeisterschaft „Flammende Sterne“ im September
war dies der Fall.
Weiterer Sponsor ist der „Fan Sport Shop Winkler“ im Einkaufszentrum
Elsterforum. Noch 2005 verkaufte dieser nationalistische und rassistische
Aufnäher und Fanschals. Mit Aufschriften wie „deutsche Frauen, deutsches
Bier, Schwarz-Weiß-Rot ich steh zu Dir“, „Ohne Türken fahren wir zur EM.
Türken bleibt zu Hause“, Reichskriegsflaggen usw. fanden Neonazi-Hooligans
genug Propaganda. Erst nach Protesten wurden diese Artikel aus dem
Sortiment genommen.

Bisher konnte der „Fightsport Gera e.V.“ unbehelligt vom hiesigen Sportamt
in der städtischen Sporthalle Vollersdorfer Straße trainieren und samt den
Sponsoren dort „Fight Nights“ veranstalten. Nach der erzwungenen Absage
des ersten „Käfigkampfes“ vor einem Jahr weichen sie nun in den
Lokschuppen, ein ehemaliges Gebäude der Deutschen Bahn, aus. Einer der
Betreiber ist der Inhaber des Restaurant Mexico in der Innenstadt und
gleichzeitig Sponsor des Vereins.

Noch weniger Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Ort hat der
„Eastfight e.V.“. Dieser hat am 1. November das städtische Kultur- und
Kongresszentrum für seine Kampfsportveranstaltung angemietet. Nachdem er
sich 2005 in die nach dem ermordeten Antifaschisten benannten Pandorfhalle
einmieten konnte, musste er aufgrund von Protesten im Februar 2007 nach
Ronneburg ausweichen. Nach dem Eklat 2005 hat die Stadt offenbar wieder
nicht erkannt, wer sich hinter dem „Eastfight e.V.“ verbirgt.

Der Vorsitzende des Vereins Lars Weber verlor im Juni dieses Jahres eine
Unterlassungsklage. Mit dieser wollte er verhindern, als „Nazi“ bezeichnet
zu werden. Das Gericht lehnte ab und gestattete damit indirekt ihn so zu
nennen. Selbst von der Polizei wurde ihm eine Nähe zur Neonaziszene
attestiert. Gegen Weber liefen bisher mehrere Ermittlungen wegen
Körperverletzungen. In den Neunziger Jahren soll er an Angriffen auf linke
Jugendliche und 2005 an einer Diskothekenschlägerei in Gera beteiligt
gewesen sein. Ihm werden außerdem Kontakte zur „Free Fight“ Szene in
Chemnitz nachgesagt, zu der überwiegend Neonazi-Hooligans gehören.
Die anderen Mitglieder stehen dem in nichts nach. Bereits 2005 trugen sie
Schriftzüge wie „Opa war kein Verbrecher“ oder Nazikleidung von
„Consdaple“ und „Thor Steinar“. Ebenso war Nazisymbolik wie die „Schwarze
Sonne“ und eine Hinrichtung durch einen Wehrmachtssoldaten auf T-Shirts zu
sehen. Einer der Kampfsportler hat sogar einen Wehrmachtssoldaten
tätowiert.
Bei der Kampfsportveranstaltung 2005 in der Pandorfhalle trugen
Vereinsmitglieder und Besucher ebenfalls die Nazikleidung „Thor Steinar“.
Im Publikum waren auch die Schriftzüge „Landser“ und „Hauptkampflinie“
auszumachen. Unter ihnen befanden sich organisierte Neonazis der
Rechtsrockbands „Moshpit“ und „Eternal Bleeding“ aus Altenburg. Sie
gehören auch dem Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz“ an. Ebenso waren
Neonazi-Hooligans von der Rechtsrockband Blitzkrieg aus Chemnitz und
Aktivisten aus dem in Deutschland verbotenen „Blood & Honour“ Spektrum
angereist.
Lars Weber betreibt neben dem Verein die Sicherheitsfirma „Alpha DSD“, die
sich aus Mitgliedern des „Eastfight e.V.“ rekrutiert. Einer der
Mitarbeiter soll den Schriftzug „Braune Teufel Gera“ am Hals tätowiert
haben. 2005 wurde wegen eines Angriffs auf alternative Jugendliche und
antisemitischen Beschimpfungen gegen einen Türsteher ermittelt.
Als Sponsoren traten bei der ersten Kampfsportveranstaltung 2005 neben
„Alpha DSD“ auch die Naziläden „Youngland“ in Gera, „Objekt 90″ in
Ronneburg und „The Last Resort Shop“ in Zwickau auf, bei dem
Eintrittskarten verkauft wurden. Um am 1. November möglichst ungestört zu
sein, tauchen diese aktuell nicht auf. Doch Peter Bäumler, das
Aushängeschild des Vereins, der auch als Kämpfer antreten soll, wird
weiterhin von „Objekt 90″ gesponsort. Dieser verkauft die in der Szene
beliebten Marken „Lonsdale“, „Fred Perry“ und „Everlast“ und die
Nazikleidung „Thor Steinar“. Der Verein kündigte zudem an, dass Max
Schlegel vom „Fightsport Gera e.V.“ als Kämpfer antreten würde. Wohl wegen
Rivalitäten beider Vereine und dazugehöriger Sicherheitsfirmen um die
Vorherrschaft in der Stadt lehnte der „Fightsport Gera e.V.“ die
Beteiligung ab.

Nachdem diese „Free Fight“ Veranstaltung 2007 aus der Stadt gedrängt und
die Zweite verhindert werden konnte, gilt es dem Beispiel zu folgen.
Sollte sich ein Eklat wie im Jahr 2005 wiederholen, wäre das ein fatales
Zeichen der Normalität, mit der Neonazis in Sport und bei
Sicherheitsfirmen walten können. Deshalb ist es völlig unverständlich,
dass die Stadt Gera bzw. die Betreiber des „Lokschuppens“ erneut
Veranstaltungsorte vermieteten. Wenn städtische Initiativen gegen
Rechtsextremismus nicht zur Standortprofilierung verkommen wollen, müssen
sie die Augen öffnen und handeln. Im Juni dieses Jahres gegen einen
Aufmarsch der NPD zu demonstrieren und wenige Monate später anderen
unscheinbaren Neonazis am genau gleichen Ort einen Raum zu bieten, ist
eine Farce. Ebenso wie die Vermietung von Trainingsräumen an Sportvereine
und die Vergabe von Aufträgen an Sicherheitsfirmen, in denen Neonazis
involviert sind.
Die Antifaschistische Aktion Gera [AAG] ruft den Oberbürgermeister Norbert
Vornehm, die Stadtratsfraktionen, das Sportamt, das Kultur- und
Veranstaltungsmanagement der Stadt, wie auch die Betreiber des
„Lokschuppens“ auf, die Mietverträge für die „Free Fight“ Veranstaltungen
zu kündigen. Außerdem fordern wir Stadt, Sportvereine und private
Veranstalter auf, endlich keine Neonazis mehr in Sportvereinen und
Sicherheitsfirmen zu akzeptieren und an sie keine Räume zu vermieten oder
Aufträge zu vergeben. Folgen sie den positiven Beispielen aus anderen
Städten und verbannen sie Neonazikleidung aus dem „Stadion der
Freundschaft“ und allen anderen Sportstätten. Möchten die Stadt und
private Veranstalter den Neonazis nicht länger Raum bieten, müssen sie
hinschauen und Konsequenzen ziehen.