Vom 9. auf den 10. November 1938 im Vogtland!

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereignete sich in Deutschland etwas Unvorstellbares.

Auf Anweisung des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels inszenierte die SA und weitere NSDAP – Trupps ein Pogrom gegen Juden.

Die Pogrome waren der schleichende Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung bis hin zum Völkermord durch die Nationalsozialisten.

Fast alle Synagogen wurden zerstört, 7500 Geschäfte wurden demoliert und rund 30.000 Menschen wurden in Konzentrationslagern inhaftiert. Alle zusammen mussten eine Sondersteuer zahlen die sich auf 1 Milliarde Reichsmark belief.
Ein Schicksalstag der deutschen Geschichte, die Pogromnacht. Beschönigend bezeichnet, aber vermutlich im Hinblick auf die vielen zertrümmerten Fenster auch Kristallnacht genannt.

An diesem Tag wurden auch in unserer Region viele Opfer dieser unvorstellbaren Tat.

Der Thüringer Hof, eine Gaststätte in Netzschkau, gehörte seit 1921 dem Juden Ignaz Gutfreund, der schon seit 1893 in Deutschland lebte. Seit 1933 hatte auch er wie viele andere unter ständigen Repressalien zu leiden. Er durfte zum Beispiel keine Veranstaltungen in seinem Saal durchführen. Und selbst die Nutzung des Saales durch Vereine wurde verboten.

In der Pogromnacht wurden sämtliche Fenster des Gebäudes eingeschlagen, Bierfässer im Keller wurden geleert und umgeworfen. Die gesamte Einrichtung wurde zerstört.

Durch fehlende Einnahmen wurde das Haus 1939 zwangsversteigert und Herr Gutfreund musste samt seiner Familie das Anwesen verlassen.

1942 kam die Familie in das Konzentrationslager Theresienstadt und entgingen nur knapp dem Todeslager Auschwitz.

Ab 1945 versuchte er nach seiner Rückkehr nach Netzschkau, wieder seinen Gasthof zu betreiben. Jedoch der neue Eigentümer bestand auf sein Recht.

Ignaz Gutfreund erhielt bis zu seinem Tod 1948 sein Eigentum nicht zurück.

Auch Plauen kann eine Geschichte über diese schreckliche Nacht erzählen.
Die Gemeinde lies 1928-1930 für Ihre große jüdische Gemeinde eine Synagoge errichten.

Dieses bedeutende Bauwerk wurde von dem Architekten Fritz Landauer errichtet. Er galt vor dem zweiten Weltkrieg als Spezialist auf dem Gebiet des Synagogenbaus.

Die Synagoge in Plauen zählt zu den Hauptwerken des Sakralbaus in der Weimarer Republik.

Wie viele andere wurde auch diese Opfer der Flammen. Selbst ein herbei eilender Feuerwehrmann konnte nur einen Gebetsschal in einer Vitrine retten.

Den zur Hilfe kommenden Feuerwehrmännern wurde das löschen des Brandes verboten. Sie durften lediglich die anliegenden Wohnhäuser vor dem Feuer schützen.

Die jüdische Gemeinde musste die Ruine vollständig abtragen. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Synagoge.

Von der ehemals großen jüdischen Gemeinde sollen 9 Mitglieder dem Tod durch die Nazis entgangen sein.


1 Antwort auf “Vom 9. auf den 10. November 1938 im Vogtland!”


  1. 1 [Gruppe ISKRA] ::: Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Losung. Trackback am 08. November 2008 um 18:29 Uhr
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