Kein normales Wochenende im Vogtland

Fangen wir gleich mal mit dem Schluss an, ohne großartig drum herum zu reden. Das Wochenende in Reichenbach im Vogtland war für die Antifaschisten ein Erfolg. Natürlich nehmen dies auch die Nazis für sich in Anspruch, wie man auf der Internetpräsenz der Rechten Aktions-Front nachlesen kann.

Kommen wir nun zu ein paar Einzelheiten.

Kundgebung, Gemeinsam gegen Rechts – für ein buntes Vogtland

Ab ca. 14.00 Uhr versammelten sich auf dem Platz vor dem Neuberinhaus etwas mehr als 100 Antifaschisten. Nach Redebeiträgen von Vertretern der IG Metall, dem VVN – BdA sowie dem Jugendparlament Plauen wurde die Kundgebung aufgelöst. Der aktivere Teil der Antifaschisten löste sich von den vornehmlich Älteren, um eine Sitzblockade auf der Bahnhofstraße, auf der die Rechtsextremisten zum Kundgebungsplatz marschieren wollten, zu bilden. Mit dem Appell „Rechtsextreme Polemik entzaubern“ setzten sich ca. 70 meist jüngere Antifaschisten auf die Bahnhofstraße. Die Polizei rechnete nicht mit einer Sitzblockade und wirkte leicht überfordert, so dass geraume Zeit nichts passierte.

1:0 für die Antifaschisten, denn so konnte der Aufzug der Rechtsextremisten für längere Zeit verzögert werden und den leider nur schaulustigen Bürgern wurde bewusst, dass die Forderung „Kein Fußbreit den Faschisten, Rechtsextremen Strukturen im Vogtland entgegentreten“ unter dem die vogtländischen Antifa – Gruppen mobilisiert haben, nicht nur Schall und Rauch war. Nach Verhandlungen zwischen Antifaschisten und Polizei wurde die Sitzblockade friedlich aufgelöst. Hätten sich mehr Bürger dazu entschlossen den Protest zu unterstützen, wären die Nazis nicht auf den Markt gelangt. Das zeigt auch, dass viele Bürger Angst haben, Angst vor Nazis die ihre Stadt terrorisieren. Da es nicht genügend Polizeikräfte gab, gelang es nicht die Demo und die Kundgebung der Nazis weiträumig abzusperren und anwesende Antifaschisten konnten ihren Protest, nur durch Einsatzfahrzeuge von den Extremisten getrennt, weiterhin kundtun. Das wichtigste Ziel, die Nazikundgebung zu verhindern wurde nicht erreicht, dafür wurde sie friedlich behindert – ein vielleicht genauso wichtiger Erfolg.

„Schluss mit der Steuergeldverschwendung – Stoppt Antirechtsprogramme“ – der braune Mob marschiert.

Etwa 100 Nazis, viele von ihnen im so genannten „Autonomenlook“, marschierten mit der Forderung „Nationaler Sozialismus jetzt“ durch Reichenbachs Innenstadt, immer wieder kam es zu vereinzelten Versuchen von Nazis, die am Rand stehenden Antifaschisten anzugreifen.
Auch während der Kundgebung auf dem Markt versuchten Rechtsextremisten immer wieder den bis hierher getragenen Protest der Antifaschisten anzugreifen.

Gerade die Aggressivität der meist jungen Extremisten, angestachelt von den Hetzreden der braunen Brandstifter, zeigt wie wichtig Anti-Rechts-Programme sind, nicht nur im Vogtland.
Genauso wichtig ist, dass Politiker endlich erkennen, dass Links und Rechts nicht gleichgesetzt werden dürfen auch nicht über den Extremismusbegriff. Gerade diese Gleichsetzung bewirkt eine Verharmlosung rechter Straftaten.

Der Samstag ist noch nicht zu Ende, das Wochenende auch nicht.

Auf ihrem Mobilisierungs-Flyer machten NPD und Freie Kräfte Werbung für den „Liedermacher“ „Torstein“ der am Samstagabend im „Drei Mädel Haus“ an der B92 zwischen Elsterberg und Plauen auftreten sollte.
Diese recht ominöse Veranstaltung wurde im Laufe des Abends von starken Kräften der Thüringer Bereitschaftspolizei besucht, außer zwei traurigen Nazis gab es nichts weiter zu sehen.

Der 09.11. 08 in Reichenbach – Brennende Kerzen gegen Brandreden

Am Sonntag gedachten etwa 200 Reichenbacher der verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger in Reichenbach und ganz Deutschland. Fast still mit brennenden Kerzen zogen die Menschen vom Kirchplatz zum Rathaus auf dem Markt. Hier hielt der Oberbürgermeister seine eindringliche Rede, in der er auch an die Ausschreitungen in Reichenbach erinnerte.

Erschreckend war, dass es während der Rede immer wieder zu Buh-Rufen aus dem Hintergrund und zu versuchten Provokationen durch mit dem Auto vorbeifahrende Nazis kam.

Dieses Wochenende im Vogtland sollte uns alle mahnen, dass wir den Kampf gegen die Rechtsextremisten nicht nur mit reden gewinnen können, sondern uns auch auf der Straße dem braunen Mob entgegenstellen müssen.