Alternative Freiräume erhalten

Am 22.11.08 findet für das besetzte Haus in Erfurt, dass sich auf dem Gelände der ehemaligen Firma Topf und Söhne befindet, eine Solidaritäts-Demonstration statt.

Die von solchen Projekten geleistete Arbeit im sozialen und kulturellen Bereich wird leider oft unterbewertet. Autonom von staatlichen Behörden setzen sich hier Menschen mit dem Leben auseinander, gehen kritischer mit Konsum und Gesellschaft um.
Man sucht einen Ausweg aus der „Mainstreamgesellschaft“, in einer Zeit in der Individualismus mehr als einmal zum Konsum-Werbeträger geworden ist. Wer kritisch sein will, braucht Freiräume.

Samstag 22.11.08, 13.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt

AufBruch „Abend in der Stadt“

Ich stehe hier alleine, von zu Hause weggerannt,
alle Ampeln sind auf Rot, in dieser Stadt,
in diesem Land.
Doch wo, wo soll ich hingeh‘n, ’ne Wohnung
hab ich nicht,
Am besten in die nächste Kneipe und dort
besauf‘ ich mich.

Zu Hause gibt’s nur Ärger, Zoff und Streit
und Zank;
Meine Alten malochen in der Fabrik,
kein dickes Konto auf der Bank.
Im Betrieb haben sie mich gekündigt,
ich hatte vor dem Mund kein Blatt,
Und jetzt steh ich hier, es ist Abend in der Stadt.

Verdammt, in dieser Straße steh‘n so viele
Häuser leer,
Und die Besitzer verdienen am Verfall noch
viel, viel mehr.
Der kalte Wind läßt mich frieren, die Jacke hält
den Wind nicht ab,
Heute muß was passieren, es ist Abend in der Stadt.

Also los zu meinen Freunden, wie immer
ins feuchte Eck,
Die Häuser müssen bewohnt sein, das ist
doch ihr Zweck.
Und wir wollen nicht länger bitten,
haben die Behörden satt,
Heute zieh‘n wir in die Häuser ein,
es ist Abend in der Stadt.

Also los ins nächste Haus, Mensch wie das
hier verfällt,
Wir haben uns‘re Träume und das ist
wichtiger als Geld.
Wir woll‘n zusammen leben und nicht im
Schließfach, das‘n Wohnklo hat,
Wir werden renovieren, es ist Abend
in der Stadt.

Doch was passiert da draußen,
Polizei marschiert,
Der Oberbulle liest ’ne Erklärung vor,
die Politiker haben das geschmiert.
Die Politiker vertreten die Spekulanten und
lügen dabei glatt,
Wenn das Recht ist und Gesetz, scheißen wir
drauf, es ist Abend in der Stadt.

Also los, Barrikaden gebaut, verteidigen
wir unser Recht.
Unser Recht, keine Stiefel im Gesicht zu haben,
die Mollis brennen nicht schlecht.
Der Staat zeigt seine Zähne, doch wir sorgen
für Zahnausfall,
Wir werden uns wehren, wir ergeben uns in
keinem Fall.

Politiker, wenn ihr den Sturm haben wollt,
dann säht nur weiter Wind,
Der Sturm kommt zu euch zurück, wenn wir
wieder ohne Wohnung sind.
Dann besetzen wir eure Villen und die
Deutsche Bank,
Und den Deutschen Reichstag und dann ist
Morgenrot im Land.