Wir sind gekommen um zu bleiben

Seit ca. 2,5 Jahren gibt es in Greiz eine Antifaschistische Gruppe, die Antifaschistische Arbeit Greiz (AFA), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem Problem Rechtsextremismus im Vogtland offensiv entgegenzutreten. Neben kleineren Aktionen war die AFA – Greiz maßgeblich an der Organisation von zwei Demos, anlässlich von Veranstaltungen der NPD, beteiligt. Zusammen mit den Greizer Jusos wurden für die hier vorherrschenden Verhältnisse akzeptable Gegenveranstaltungen, sprich Demonstrationen durchgeführt.

In einer Region wie dem Vogtland, in der Antifaschismus weder von öffentlicher noch privater Hand wirklich geschätzt und unterstützt wird, muss etwas passieren. Ansonsten übernehmen hier die Rechtsextremisten nicht nur Kreistagsmandate wie es im benachbarten Vogtlandkreis schon geschehen ist.

Fehlende aufklärende Jugendarbeit rechts und links der „Weißen Elster“ sowie kein offener Umgang mit dem Problem des Rechtsextremismus, wirtschaftliche Probleme in der Region und auch die Abwanderung junger Menschen, erleichtern den Nazis das Werben um neue „Schäfchen“ in der Herde der Enttäuschten und sich allein gelassen Fühlenden.

Warum lädt man die AFA – Greiz nicht einmal zum existierenden „Runden Tisch gegen Rechtsextremismus“ in Greiz ein?

Will man nicht war haben, dass es hier noch Menschen gibt die den Nazis nicht ihre Stadt, ihre Region überlassen wollen?
Lieber verschließen die politisch Verantwortlichen weiter die Augen vor der Realität. Auch scheint der Runde Tisch gegen Rechtsextremismus mehr eine Farce zu sein, als ein funktionierendes Instrument demokratischer Parteien und Gruppen. Bisher kam der Runde Tisch zu noch keinem gemeinsamen Statement gegenüber dem Problem Rechtsextremismus, schade. Ganz zu schweigen von einem Programm gegen Rechtsextremismus, bis hin zur Präventivarbeit.

Eigentlich sollten doch alle Engagierten im Kampf gegen die Nazis zusammenarbeiten.

Was in anderen Städten funktioniert, fairer weise muss man auch sagen, dass dazu ein Lernprozess gehört, findet in Greiz keine Ansätze von Seiten des Runden Tisches. So gab es doch schon einmal(!) einen Annäherungsversuch. Hier durfte dann ein Mitglied der AFA für ca. 5 Minuten die heiligen Hallen des Runden Tisches betreten und kurz etwas über den Verlauf der Demo am 02.08.08 erzählen. Bisher gab es keinen weiteren Kontakt zum Runden Tisch.

Eine kritische Jugend braucht Freiräume

Doch in Greiz und Umgebung gibt es nur wenige Freiräume für kritische junge Menschen, öffentliche „Jugendclubs“ sind eher kommerziell ausgerichtet und alternative Einrichtungen sind praktisch nicht vorhanden. Erwähnenswert wäre das „Selbstverwaltete Projekt Schuldenberg“ in Plauen, ca. 25 Kilometer von Greiz entfernt. Viel Arbeit steckt darin, leider viel zu wenig beachtet. Wer sich informieren möchte sollte einfach mal die Homepage des „Schuldenbergs“ aufrufen oder mal in Plauen vorbei schauen.

Klar könnte man jetzt einfach sagen, warum machen dies die Leute in Greiz nicht auch so und gründen ein unabhängiges Jugendprojekt?
Ganz einfach, in Zeiten wie diesen fehlen finanzielle Mittel aber auch die Unterstützung von der Stadt und vor allem engagierte Menschen, die diesen Schritt gehen wollen und können.

Aber solche Projekte wachsen nicht über Nacht und noch ist alles möglich.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre doch, der AFA oder auch anderen Gruppen eine Stimme am „Runden Tisch gegen Rechtsextremismus“ zu geben.
Die Vertreter der verschiedenen Parteien von Kirche und Gewerkschaften wären gut beraten ihre Vorurteile und parteilichen Befindlichkeiten hinten anzustellen und sollten wenigstens den Versuch eines Gespräches mit nicht vertretenen Gruppen zu wagen.

Die Leute von der AFA – Greiz sind junge engagierte Antifaschisten mit kreativen Ideen.

Aber ganz ohne Unterstützung, sei es von anderen Antifa – Gruppen oder auch Menschen aus dem öffentlichen Leben der Stadt Greiz, ist es sehr schwer in unserer Region sinnvolle und ausdauernde Antifaschistische Arbeit zu leisten.

Wo Schatten ist, da ist auch Licht.

Vor wenigen Wochen gab es in Reichenbach (stand auch was bei Indy) einen Naziaufmarsch, hier schafften es die Antifaschisten aus Greiz und Plauen zusammen mit Reichenbacher Antifaschisten einen gemeinsamen Protest auf die Straße zu bringen und konnten mit Erfolg die Nazidemo behindern. Mit einer friedlichen Sitzblockade wurden die Nazis längere Zeit aufgehalten, auch weiterhin versuchte man den Naziaufmarsch zu behindern, was den Nazis gezeigt hat, dass ihnen das Vogtland noch nicht gehört. Auch die zwei in Greiz durchgeführten Demos verliefen friedlich aber energisch. – Kein Grund um die existierenden Antifaschistischen Gruppen in Greiz und im Vogtland ernst zunehmen?