Archiv für November 2008

[Reichenbach] Rechtsextreme Polemik enttarnen

Anti-Rechts-Programme sind für das Vogtland wichtig, in einer so strukturschwachen Region brauchen nicht nur die Kommunen Unterstützung im Kampf gegen Rechts. Oftmals sind die Übergänge zwischen rechtsorientiert und rechtsextrem sehr fließend. Das typische Bild vom „rechtsextremen Skinhead“ verschwindet immer mehr, auch hier im Vogtland. Die Nazis bedienen sich immer öfter anderer Stiles, darum ist es wichtig, dass an Schulen, in Jugendeinrichtungen aber auch in Städtischen Behörden und in der Bevölkerung sachkundig aufgeklärt wird.

Für junge Menschen ist es heute leichter denn je in die „Rechte Szene“ zu rutschen, die rechtsextreme Ideologie verschwindet hinter einem Deckmantel aus gesellschaftsfähiger Kleidung an der Szenecodes nur schwer erkennbar sind, Geschichtsverdrehung und scheinbar oberflächliche, manchmal an die Linke Szene erinnernde Parolen.

Alternative und Linke, aber auch der „Ottonormalverbraucher“ sehen sich oftmals einer meist rechtsoffenen Jugend gegenüber deren Geschichts- und Gesellschaftskenntnisse das Widerspiegeln, was ihnen ältere Kameraden erzählt haben oder über Internet und Nazizeitungen vermittelt wird.

Mag das Motto „Schluss mit der Steuergeldverschwendung – Stoppt Antirechtsprogramme“ der NPD für den 08.11.08 oberflächlich betrachtet recht albern und unüberlegt klingen, so ist es doch bewusst gewählt. Da die NPD nicht in der Lage ist, wirtschaftskritische Politik zu betreiben (es sind selber Kapitalisten) versucht man den Staat bzw. in Reichenbach, Land und Gemeinde für die wirtschaftliche Lage allein verantwortlich zu machen.
Ein auf der Internetpräsenz der NPD Vogtland veröffentlichter Text bestätigt dieses.
Hier spricht man von Millionen Euro die gegen „Volksbewußte Deutsche“ verwendet werden, während das „Volk“ unter Sozialraub, Steuererhöhungen und Zukunftsängsten leidet. Auch werden laut NPD mit diesen Millionen Euro die „gewalttätigen Linksfaschisten“ subventioniert. Kein Wort davon, dass die eingesetzten Steuermittel zur Unterstützung von Projekten gegen Rechts im Landeshaushalt verschwindend gering sind.
So werden die wenigen Fördermittel die Projekte wie Mobit, Exit und andere zur Verfügung haben, zu den fehlenden finanziellen Mitteln umdeklariert die den Deutschen zum „glücklich“ sein fehlen – Wieder ein gutes Beispiel für die Verdrehung von Tatsachen, die eigentlichen Täter werden zu Opfern gemacht.
Als Empfänger dieser Botschaften sucht man sich die Enttäuschten und derer gibt es viele im Vogtland.

Darum, sich rechtsextremer Polemik entgegenstellen im Vogtland und anderswo!

[REICHENBACH] Vogtland Reloaded!

Heute gilt unser besonderes Augenmerk der kleinen Stadt Reichenbach. Hier gibt wie auch in anderen Städten eine Rechte Szene. Das Spektrum reicht von rechtsorientiert bis rechtsextremistisch.

Reichenbach liegt im sächsischen Teil des Vogtlandes. Hier hat für den 08.11.08 die NPD Vogtland eine Demonstration angemeldet.
Unterstützt wird die NPD Vogtland von der NPD Greiz und Freien Kräften: dem „Schwarzen Orden Vogtland“ (klingt irgendwie nach SS), der „Rechten Aktionsfront Reichenbach“ auch bekannt unter dem Kürzel RAF (eigentlich sollten die sich schämen) und dem bayrischen Kameradschaftsbund Hochfranken (sind auch ewig Gestrige).
Unter dem einfallslosen Motto „Schluss mit Steuergeldverschwendung – Antirechtsprogramme stoppen“, will der „angestaubte“ Haufen vom Alten Busbahnhof in die Innenstadt ziehen, hier werden Tony Gensch (Nationalist aus freien Stücken), Jürgen Gansel (Landtagsabgeordneter NPD Sachsen) sowie Nicole Fortak (arische Vorzeigelady und NPD Vogtland Kreis Chefin) was auch immer zum Besten geben. Ein auf der Internetpräsenz der NPD Vogtland ausgestrahltes Mobilisierungs-Video lässt erahnen was da kommen soll.

Für den musikalischen Ausklang des Tages wird der ominöse Sängerknabe „Torstein“ verantwortlich sein, dieser soll dann im „Drei Mädel Haus“ an der B92 zwischen Elsterberg und Plauen gelegen, in Form einer Geschlossenen Veranstaltung seine „Kulturell wertvollen Balladen“ vortragen. In diesem seltsamen Gasthof fanden schon öfters rechte Veranstaltungen statt, so auch im Mai und Juni diesen Jahres.

Was es sonst noch so über Reichenbach zu berichten gibt, erfahrt ihr jetzt.

Reichenbach hat fast keine alternative bzw. linke Szene mehr, neben eher desinteressierten Bürgern, gibt es hier viele junge rechtsoffene „Mainstreamer“, die nicht hinschauen oder rechte Slogans einfach ohne Reflexion übernehmen. So kann man in der einzigen Disco, am Ort schon mal erschreckende Beobachtungen machen.
Bei einem Böhse Onkelz Nachspielband-Konzert trugen überproportional viele Gäste „Bekleidung“ von Thor Steinar oder auch „nette“ T-Shirts mit der Aufschrift „Todesstrafe für Kinderschänder“.
Auch eindeutigere rechte Szenecodes, wie eine tätowierte Achtundachtzig, für jeden schön sichtbar, scheint hier niemanden zu stören.

Ist es einfach nur schick so rum zu laufen? Oder steckt mehr dahinter!

Kaufen kann man den Schund im Mylauer Naziladen „Ragnarök“. Es wurde schon öfter darüber berichtet.

Die Nazis aus Reichenbach sind nicht zu unterschätzen.

Mit ihrer Präsenz und der Vereinnahmung von öffentlich ausgerichteten Veranstaltungen schaffen sie ein Klima der Angst.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Tag der Sachsen, der letztes Jahr von Reichenbach ausgerichtet wurde. Hier versuchten die Rechtsextremisten von NPD und Rechter Aktionsfront sich am Festumzug zu beteiligen, ebenso versuchten Rechtsextremisten im Sommer 2007 die so genannte Schulhof CD am Reichenbacher Goethe Gymnasium zu verteilen.
Im April 2008 verübten vier Reichenbacher Nazis einen Brandanschlag auf eine Pizzeria, ein Beteiligter gehörte zu den Gründern der Kameradschaft „Sturm Sternburg“. Ein anderer Tatbeteiligter ist den „Autonomem Nationalisten“ zu zuordnen. Auch im alltäglichen Leben ist es schwer, für die wenigen Linken, ein normales Dasein zu führen. Verbale Attacken sind an der Tagesordnung auch kommt es zu tätlichen Übergriffen.

Ein beliebter Treffpunkt der Nazis ist das ehemalige Betriebsgelände der „VEB Renak Werke“ am Rande Reichenbachs.

Was machen die Anderen am 08.11.08?

Das Antifaschistische Forum Vogtland/Ostthüringen plant für diesen Tag eine Kundgebung in Reichenbach. Mit dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts – Für ein buntes Vogtland“ versucht man den einen oder anderen couragierten Reichenbacher bzw. Vogtländer zu erreichen.
Ebenfalls rufen andere Antifaschistische Gruppen zur Teilnahme an dieser Kundgebung auf, ein Schritt in die richtige Richtung. Politische Differenzen sollten beim Thema Rechtsextremismus außen vor bleiben.
Auch die Reichenbacher, die sich sonst nicht damit auseinandersetzen, sei es aus Angst oder anderen Beweggründen sind aufgerufen, denen die nichts Gutes verheißen am Samstag entgegenzutreten.

Umso wichtiger ist es an diesem Tag den Nazis in Reichenbach die Stirn zu bieten, sich nicht nur auf den Staat verlassen, sondern selber aktiv zu werden. Es wäre mehr als ein symbolisches Zeichen, wenn auch Bürger aus umliegenden Städten und Gemeinden diesen Tag nutzen und nicht den Nazis die Straße überlassen.

Unsere Region hat es bitter nötig.

Als Reaktion der Stadt Reichenbach auf den Naziaufmarsch am 08.11.08 gibt es am Sonntag den 09.11.08 eine öffentliche Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Progromnacht vom 09.11 auf den 10.11.1938. Laut Reichenbachs Oberbürgermeister sind er und alle Parteien im Stadtrat sich einig, dass hier ein Zeichen gegen Rechts und Extremismus gesetzt werden soll.

Keinen Fußbreit den Faschisten, Rechtsextremen Strukturen im Vogtland entgegentreten!