Archiv für Februar 2009

Am 18. Februar 1943

In Berlin erklärt Goebbels der Welt den „Totalen Krieg“. Für Rassenwahn und Nationalismus.
Dass der Krieg für die Nazis längst verloren war, wusste Joseph Goebbels sicherlich zu diesem Zeitpunkt.

Hunderte Kilometer südlich werfen an diesem Tag, die Studenten Hans und Sophie Scholl, beide Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Flugblätter in den „Lichthof“ der Universität München.
Sie werden vom Hausmeister beobachtet, von ihm an die Gestapo verraten und verhaftet.
Nur einige Tage später, am 22. Februar 1943, werden die Geschwister Scholl und Christian Probst, ein weiteres Mitglied der Widerstandsgruppe „Weise Rose“, zum Tode verurteilt und wenige Stunden später von den Nazis ermordet.

Zwei Tage vor ihrer Verhaftung sagt Sophie Scholl zu einem Bekannten: “Es fallen so viele Menschen für dieses Regime, es wird Zeit, dass einer dagegen fällt“.

Die übrigen Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ werden ebenfalls verhaftet und später hingerichtet.

Alexander Schmorell und Prof. Kurt Huber werden am 13.07.1943 enthauptet.
Willi Graf wird nach monatelanger Folterung durch die Nazis am 12.10.1943 ermordet.

Der Weg in den Widerstand begann 1941 mit dem Abhören „feindlicher“ Radiosender und gemeinsamen Lese – und Diskussionsabenden. Hier spielten auch die bisher gesammelten Erfahrungen, allesamt negativ, mit dem NS – Regime eine große Rolle.

Im Sommer 1942 wurde aus der Theorie, die Praxis. Selbstgefertigte Flugblätter wurden per Post an Studenten, Lehrer und Ärzte verschickt und in Münchener Briefkästen verteilt. Insgesamt wurden sechs verschiedene Flugblätter zwischen 1942 und 1943 verfasst, wobei die letzten beiden am politischsten waren und alle Bevölkerungsschichten ansprachen.

Auszug aus dem letzten Flugblatt vom Februar 1943:

„Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!

Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volke erduldet hat. Im Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen.“

Letztendlich muss man sagen, dass weder Hans noch Sophie Scholl oder auch die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ von Anbeginn der Nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland, aktiv im Widerstand waren. Sie kamen zumeist aus christlich geprägten, konservativen Elternhäusern. Erst die schrecklichen Erfahrungen die sie im Nationalsozialistischen Deutschland machten, ließ sie zu Widerstandskämpfern werden.

Im Gedenken an alle Widerstandskämpfer, die für unsere Freiheit im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen.

Indymedia: Menschenrechtsverletzung in Dresden

Unter einem der vielen Indymedia Artikel zu Dresden fand sich dieser interessante Artikel als Ergänzung. Wir, als vor Ort gewesene, hätten es nicht besser darstellen können. Daher haben wir uns entschlossen, diesen Artikel bei uns zu veröffentlichen. Der Artikel wurde von uns im Original übernommen. Danke dem Autor.

Autor: Antifa Thüringen

Notstand der Republik
Die Demokratie wurde am 14.02.2009 in Dresden außer Kraft gesetzt. Wir wurden Zeugen eines schockierenden Umgangs mit den Grundrechten.

Es begann schon zum Auftakt der Demo „No Pasaran“. „Spontane“ Auflagen der Polizei schikanierten die ca. 2500 Teilnehmer und sollten der Demo den Wind aus den Segeln nehmen.
Ein Bekannter bekam bei einem kurzem Gerangel durch die Berliner Polizei eine blutige, angeschwollene Nase.
Die Menschen sollten ihre Wasserflaschen bis zur Hälfte austrinken. So wurde sichergestellt, dass sie später nach Flüssigkeit suchen müssen und weniger Kraft haben. Teekannen durften nicht reingebracht werden. Als Vermummung galt die Abdeckung des Kinnbereichs.
Außerdem trugen die Polizisten, ihre „Beinpanzer“ über der Kleidung. Es gab doch da auch Mal Einschränkungen was diese Bepanzerung angeht…

Nachdem wir in der Altstadt angekommen waren, mittlerweile mindestens 4000 Teilnehmer, wurde die Demo ins Stocken gebracht. Minutenlanges, dicht gedrängtes Stehen sorgte für ein Stimmungstief. Die Polizeiarmada zog mit Wasserwerfern auf und begann Leute rauszuziehen, die wohl zu vermummt waren.

Dann kam die Nachricht, dass die Faschos wieder zum Hauptbahnhof zurück müssen. Die Jubelschreie verhallten allerdings schnell als es plötzlich zu Knüppeleinsätzen der Polizei kam. Einige Militante Nazigegner gingen auf die Provokationen ein. Bemerkenswert ist allerdings der „Spaß“ den einige Polizisten hatten. Lachend und mit schwingenden Knüppel gingen sie auf alte und junge Menschen los.

Besonders eine grau gekleidete Polizeieinheit, mit Holzstöcken bewaffnet, ging wieder tretend und schlagend vor. Es kam zum Einsatz von Reizgas als die Situation eigentlich geklärt war, die Einheit aber wieder einen Riegel zwischen die Demonstranten zog! Ein Landtagsabgeordneter verkündete, dass dieses Vorgehen ein Nachspiel im Landtag haben wird.

Gegen 16:15 Uhr zogen schließlich viele Antifas spontan zur SYNAGOGE, da angeblich Neonazis dort hin wollen. Diese spontane Versammlung wurde allerdings nach einer Viertelstunde von einem Herr der Polizei frontal umstellt (3 Wasserwerfer). Es erging die Aufforderung diesen Platz zu verlassen, da es eine unangemeldete Versammlung wäre. Wenn die Leute nicht sofort über die Brücke in die Neustadt gehen würden, käme es zum massiven Einsatz zur Gewalt. Daraufhin zogen tatsächlich die meisten Leute ab.

Der Polizei ging es wohl nicht schnell genug und so begannen sie ca. 300-400 junge Antifaschisten über die Brücke zu jagen. Viele stolperten in dem steinlosen Gleisbett über Eisenstangen. Zeugen auf der parallel verlaufenden Brücke berichteten später, dass sie sehr verwundert waren, was da passierte.

Auf der anderen Seite der Brücke war der Verkehr schon abgeriegelt und eine Polizeikette versuchte die Menschen am verlassen der Brücke zu hindern! Die Leute sollten offensichtlich eingekesselt werden. Es gelang die Kette zu durchbrechen. Einige Personen sind übers Brückengeländer gesprungen.
Eine Person hing nur noch am Geländer, ein „Bulle“ schlug mit dem Knüppel auf seine Finger. Immer wieder kamen Einheiten, vor allem BFE, die die Leute verjagten und schlugen.

Es war schockierend! Das ganze Vorgehen zielte darauf ab uns antifaschistischen Demonstranten massiv zu kriminalisieren und einzuschüchtern. Außerdem sollen die BürgerInnen in „Böse“ und „Gute“ eingeteilt werden.
Alleine schon der Fakt, wie mit der Anmeldung der „No Pasaran“-Demo umgegangen wurde, ist höchst undemokratisch.

Dagegen müssen wir Bündnisstärke setzen! Geh Denken und No Pasaran hätten sich symbolisch vereinigen müssen, um dann im besten Falle ein wirkliche Blockadekonzept durchzuziehen.
Leider lassen sich viel zu viele Antifas zu schnell aus der Reserve locken und reagieren auf die Provokationen. Die Ketten müssen fest geschlossen sein. Konsequente Blockadepolitik heißt nicht „riot um jeden Preis“!

Was wir am Samstag erlebt haben, erinnerte uns an ein Regime, dass auf Abschreckung setzt und Angst vor der eigenen Bevölkerung hat. Die antifaschistische Bewegung hat mit 4000 Teilnehmern eine vollen Mobilisierungserfolg gehabt. Das will der Staat offenbar nicht dulden. Dabei müssten sie froh sein über jeden einzelnen Demonstranten. Schließlich stehen die Antidemokraten schon immer rechts, nicht links!

Der Staat züchtet sich den Neonazismus. Warum? Sie lassen sie unbeirrt laufen und schlagen die Gegner zu Brei. Liebe Leute lasst euch das nicht gefallen!

„Ob friedlich oder militant,
wichtig ist der Widerstand!“

Erste Infos Dresden 14.02.09

17:16 Uhr

Nazidemo konnte nicht verhindert werden. Polizei nimmt klar Stellung für die Nazis. Bei Nazidemo max. 500 Polizisten. Nazis können zum Teil vermummt und mit eindeutigen verfassungsfeindlichen Parolen marschieren. Die Abschlusskundgebung der Nazis ist seit 16:49 Uhr beendet. Etwa 6500 Nazis in Dresden.

Wir: Polizei geht äußerst brutal gegen die Demonstranten vor, nach Beendigung der offiziellen Demo. Polizei provoziert. Menschen werden wahllos geknüppelt, viele Verletzte und Festnahmen. Einsatz von Tränengas! Polizei räumt gnadenlos am Rathenauplatz und Carolabrücke, es muß regelrechte Jagdszenen geben. Recht viel Chaos. Teilnehmer bei No Pasaran ca. 4000 Menschen, ist aber nur Schätzung. Geh Denken ca. 11000 Menschen auch Schätzung.
Angehörige von Verletzten werden ebenfalls festgenommen. In diesem Sinne ACAB

Update 18:00 Uhr: Menschen sammeln sich in Dresdner Neustadt. Laut Anwälten will die Polizei viele in Gewahrsam genommene Menschen heute nicht mehr frei lassen. Nazibusse verlassen unbehelligt und individuell die Stadt. Nazigruppen sollen in der Stadt unterwegs sein. Laut EA etwa 60 Ingewahrsamnahmen.

Update 19:00 Uhr: Polizei geht weiterhin brutal gegen Nazigegner vor. Der Pressesprecher der Polizei ist nicht zu einer Stellungnahme zu den Vorfällen in Dresden bereit. Zur Zeit keine Informationen über Nazis in der Stadt.

Sicherlich gibt es demnächst hier umfassende Informationen: Indymedia

Quelle: Ticker, ColoRadio Dresden