Archiv für Februar 2009

Vogtland: Notizen aus der Provinz

Nachdem Ende Dezember 2008 über den Kauf einer Gaststätte im Greizer Ortsteil Irchwitz berichtet wurde, haben sich damalige Befürchtungen über eine baldige „Eröffnung“ bestätigt.
So konnte man am 27.01.09 auf der Internetpräsenz der NPD Greiz einen „netten“ Artikel über eine Mitgliederversammlung am 24.01.09 lesen. Natürlich ohne Angabe des Ortes…
Zu dieser Veranstaltung war auch Patrick Wieschke eingeladen und dieser erschien dann letztendlich leicht lädiert, nach einem für Ihn unangenehm endenden Treffen mit „Fans“ auf dem Jenaer Westbahnhof.
Angekommen in Greiz wurde der liebe Patrick dann stilsicher in einem aus kommunistischer Produktion stammenden PKW Trabant am Bahnhof abgeholt.
Soweit so gut.

Schauen wir ins sächsische Vogtland

Auch erste Gerüchte das Thomas Meisser, Vorsitzender NPD KV Greiz, unter die Geschäftsleute gegangen ist, haben sich bestätigt. Der Naziladen „Ragnarök“ in Mylau, der bis dato von Olaf Martin geführt wurde, heißt jetzt „Nordlicht“(ein echt beschissener Name). Neuer Betreiber Thomas Meisser.
Auch hier verdichten sich die Anzeichen, dass die Nazis das Gebäude in der Mylauer Hainstraße ersteigern wollen. Am 26.03.09 gibt es einen Termin zur Zwangsversteigerung am Zwickauer Amtsgericht. Der jetzige Eigentümer des Hauses in Mylau, ein Herr Lange aus Greiz, bestreitet jegliche Kenntnis von den Vorgängen in seinem Haus zu haben.

Ganz warm und noch druckfrisch ist die Meldung aus dem „Drei Mädle Haus“, dass hier im Vogtland das „Freies Nationales Bündnis e. V.“ gegründet wurde. Eingetragen ist es im Vereinsregister des Amtsgerichtes Plauen. Wie kann es auch anders sein Vorsitzende des Vereins ist die umtriebige „BDM – Püppi“ Nicole Fortak, vormals Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Vogtland. Wenn wir gerade dabei sind, im „Drei Mädle Haus“ wird zurzeit kräftig umgebaut, auch Thomas Meisser wurde hier im Hof, sich am Lagerfeuer wärmend, gesehen. Vermutlich unterstützt er die „Kameraden“ von den Freien Kräften um Olaf Martin und Nicole Fortak bei den Umbaumaßnahmen am „Braunen Wirtshaus“, das zwischenzeitlich fast abgebrannt wäre, dies ist aber eine andere Geschichte.

Aber auch bei den Guten tut sich was.

So hat sich der Greizer „Runde Tisch gegen Rechtsextremismus“ bis Juni diesen Jahres in die Winterpause verabschiedet, gerade jetzt wo alle möglichen Wahlen anstehen und in Greiz die „Sportlerklause“, siehe erster Abschnitt, „eröffnet“ hat.
Kein Verlust für die Antifaschisten vor Ort, denn Thüringens einziger nichtöffentlich zugänglicher Runder Tisch gegen Rechtsextremismus, der bisher eher durch seine öffentliche Abwesenheit glänzte, scheint an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit Greizer Antifaschisten nicht interessiert zu sein.

Währenddessen scheint im Mylauer Rathaus und bei einigen Bürgern ein Umdenken erkennbar zu sein, so wurde ein Arbeitskreis „Rechtsextremismus“ gebildet, dieser hat auch schon die Arbeit aufgenommen, erste Ergebnisse wird man wahrscheinlich im Frühjahr verzeichnen können. Überlegungen bei der Zwangsversteigerung des Gebäudes in der Hainstraße mitzubieten wurden aus verschiedenen Gründen erst mal auf Eis gelegt.
Erfreulich das man in Mylau ausgeschlafen hat, mal sehen wann Greiz nachzieht.

In eigener Sache! NPD Landesparteitag

Leider sind wir mit dem Aufruf zum NPD Landesparteitag in Pößneck einem Ablenkungsmanöver der Nazis aufgesessen. Die angemeldete Gegenkundgebung in Pößneck wird trotzdem stattfinden.

Der NPD Landesparteitag wird nun in Kirchheim zwischen Erfurt und Arnstadt stattfinden. Ort des Geschehens wird ein Hotel in der Arnstädter Straße 46 sein.
Man kann nur hoffen, dass es trotzdem Antifaschistischen Widerstand geben wird!

Update 08.02.09: Auf der Internetpräsenz der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen gibt es einen informativen Artikel zum NPD Parteitag.
Klick: AGST

Harz IV oder der Freifahrtschein für Arbeitgeber

Immer häufiger lautet die Antwort auf die Frage „hast du schon Arbeit gefunden?“, „Ich wurde auf 165 € Basis eingestellt“.

Klingt ja für den Anfang gar nicht so schlecht, oder? Ich meine 165 € zusätzlich zum Arbeitslosengeld II.
Na ja so einfach ist das natürlich nicht, denn von diesem Verdienst werden die 65 € verrechnet. D.h. 20 % von dem was über den Hundert liegt, darf man behalten. Also in diesem Fall wären es 13 € die zu den 100 € dazukommen.

Und jetzt geht es um die geleistete Arbeitszeit bei einem Verdienst von 113 €. Laut Arbeitsamt bzw. Agentur für Arbeit darf man bis zu 14,9 h in der Woche arbeiten.

Klingt ja auch nicht so schlecht das wären bei zwei Tagen Arbeit 7,45 h. Also rechnen wir mal durch.

Bei 165 € und 56,9 h im Monat ist das ein Stundenlohn von 2,89 €. Als Zubrot ist das doch ganz ok. So denkt mancher.

Bleiben wir aber mal bei der Realität. Man darf natürlich nicht vergessen, dass man nicht alles behalten darf.
Also nochmal rechnen, aber jetzt mit 113 € und da wären wir bei einem Stundenlohn von 1,98 €. Das sieht schon anders aus.

Die 100 € die man Abzugsfrei dazu verdienen kann sind zusammen gefasst aus verschiedenen Kosten, die damit abgedeckt werden sollen.

Diese bestehen aus:

15 € Werbungskostenpauschale
30 € Pauschalbetrag für Riesterrente
Wie auch eine Fahrkostenpauschale deren Höhe nicht bekannt ist.

Ist aber doch irgendwie komisch oder?

Also doch kein zusätzliches Geld sondern eine Abdeckung der Kosten die anfallen, wenn man einen Job auf geringfügiger Basis hat.
Wenn man aber davon ausgeht, dass die anfallenden Fahrkosten vielleicht 60 € sind und man das von den 100 € abdecken soll, was hat man dann davon? Man legt dann letzten Endes noch drauf.

Glücklich schätzen kann sich jetzt der, der seinen Arbeitsplatz vor Ort hat. Denn die die erst zur Arbeit fahren müssen, bezahlen natürlich die Anfahrt selbst.

Mal anders betrachtet…

Natürlich ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet einem auch 165 € zu zahlen, nein es kann auch weniger sein. In dem Fall kann jeder selbst nachrechnen und sich ein eigenes Bild davon machen.

Freifahrtschein für Arbeitgeber ist doch ein schöner Satz. Was kann man sich darunter vorstellen. Nun ja, geht man von einem gewieften Arbeitgeber aus, läge es doch Nahe, dass er das Angebot des Staates ausnutzt und seine Festangestellten durch geringfügig Beschäftigte ersetzt.

Denn wenn er drei 100 € Jobber einstellt bringen diese die vollen Wochenstunden eines Festangestellten – Die Guten.

Und wenn man davon ausginge, dass ein Festangestellter ihn Brutto 1200 € im Monat an Gehalt kostet, spart er im Monat 900 €. Das rechne man aufs Jahr hoch und der Chef hat ein neues Auto.

Aber der Chef ist nicht dumm und hält seine geringfügig Beschäftigten möglichst lange bei der Stange, indem er ihnen einfach eine Festanstellung verspricht. Aber natürlich nur wenn die Auftragslage besser ist. Und je länger ihm die 100 € Jobber das abkaufen, desto besser!

Und das Allerbeste ist, das ist alles legal. Denn es gibt kein Gesetz gegen das Ausbeuten geringfügig Beschäftigter.

Man braucht aber keine Angst zu haben und sofort seinen geringfügigen Job kündigen und denken, mein Chef nutzt mich aus.

Das war ein Beispiel das es gibt, aber „hoffentlich“ nicht die Regel ist.