Archiv für März 2009

Auf nach Erfurt am 26.03.09

Rassistische Zustände in Deutschland angreifen, daher gibt es nächsten Donnerstag eine Demonstration in Erfurt vor dem Landtag. Weiterhin findet im Zeitraum vom 26.03 – 28.03.09 ein Flüchtlingskongress über Lager und Isolationscamps in Erfurt statt.

Mehr Infos findet ihr hier: Antifa Saalfeld und natürlich auch da The Voice

Kundgebung am Anger 13.00 Uhr
Demo vor dem Landtag 15.00 Uhr

Ein Blick auf die Thüringer Kriminalstatistik 2008

Entgegen aller Traditionen, fange ich lieber mit den „Guten Nachrichten“ an.
Zur Zeit gibt es genug schlechte Schlagzeilen.

Thüringens Innenminister, leider habe ich den Name vergessen, stellte dieser Tage die Thüringer Kriminalstatistik für 2008 vor.
Laut Statistik, das ist unheimlich positiv, leben Thüringer Senioren oder auch Rentner genannt wirklich sicher. Und nach Kriminalstatistik waren weniger als 6 Prozent der Rentner Opfer eines Verbrechens.
Knapp 7 Prozent gehören dem illusteren Täterkreis an.

Soweit so gut. Dann gab es ja noch den Sonderteil „PKM“, ja ich habe auch gestutzt. Ausgesprochen heißt das „Politisch Motivierte Kriminalität“… der Ahh Effekt setze auch bei mir ein.

Durch Zufall bekam ich die Pressemappe der „PKM“ in die Hand. Jetzt mal zu den Fakten, im Jahr 2008 gab es 1554 Straftatbestände im politisch motivierten Bereich. Davon fielen alleine auf den Bereich „PKM-rechts“, 1163 Straftaten im Jahr 2008 oder knapp 97 Straftaten im Monat. Fairerweise muss man sagen, dass hier alle Straftaten inbegriffen sind, vom Propagandadelikt bis zur Körperverletzung.
Thüringens Innenminister ist sauer, so viele rechte Aktivitäten in seinem Bundesland und nur weil anders gezählt wird. Seit 2008 werden Straftaten, die früher in die Rubrik „Sonstige“ eingeordnet wurden, wie Hakenkreuzschmiereien ohne eindeutigen rechten Hintergrund, in die „PKM rechts“ eingeordnet. Nach alter Erfassungsweise wären es nur 799 Straftaten mit rechtem Hintergrund gewesen. Naja auch nicht wirklich wenig.

Auch MOBIT, „Mobile Beratung in Thüringen“, äußerte sich zur Statistik 2008.

Ein Zitat von Uwe Schubert,

„Was auf den ersten Blick nur als statistischer Effekt erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als bittere Erkenntnis. Die Zahl rechtsextremer Straftaten steigt stetig an. Sie zeichnen ein düsteres Bild der politischen Realität im Bundesland. Rechtsextremismus ist Alltag in Thüringen, so wie es sich auch in den Mobit Chroniken zu rechtsextremen Aktivitäten jährlich widerspiegelt. Im Wahljahr 2009 ein weiterer Hinweis vor welch schwieriger Aufgabe Zivilgesellschaft, Demokratinnen und Demokraten stehen. Auch wenn die NPD bei den kommenden Wahlen keinen Erfolg haben sollten. Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus bleibt eine Daueraufgabe über Wahltage hinaus“.

Recht hat er, der Uwe Schubert. Rechtes Gedankengut ist weit verbreitet bei uns.

Auch eine bundesweit durchgeführte Studie mit 45000 Schülerinnen und Schülern hält Besorgnis erregende Ergebnisse im Bezug auf rechtes Gedankengut bereit. Jeder 7. Jugendliche der befragt wurde gibt an ausländerfeindlich zu sein.
Kriminalitätsforscher Christian Pfeiffer gibt weiterhin zu bedenken, dass 4,9 Prozent der Jungen und 2,6 Prozent der Mädchen sich einer Rechtsextremen Gruppe zugehörig fühlen. Laut Pfeiffer sind dies mehr als die Jugendorganisationen aller demokratischen Parteien zusammen an Mitgliedern haben.

Diese Bundesweit durchgeführte Studie untermauert die Ergebnisse der Thüringer Kriminalstatistik und den damit verbundenen Anstieg rechter Straftaten in Thüringen.

„Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“

1932, die Weimarer Republik lag in ihren letzten Atemzügen, im Vogtland regte sich dennoch Widerstand gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus.
In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1932, dem Tag der Reichspräsidentenwahl, erklommen acht junge Mylauer Antifaschisten die Göltzschtalbrücke und riskierten dabei ihr Leben.
In 56 Metern Höhe schrieben sie in weißen Buchstaben an die größte Ziegelsteinbrücke der Welt „Wählt Thälmann“.
Dass Thälmann nicht Reichspräsident wurde wissen wir, nur ein knappes Jahr später wurde Hitler, vom amtierenden Reichspräsidenten Hindenburg, zum Reichskanzler ernannt.
Die Göltzschtalbrücke hat die Wirren der Zeit überstanden, die Erinnerung an die acht Antifaschisten auch.

Fritz Bühring
Hans Potzel
Franz Schmid
Kurt Steinbach
Willy Dick
Sepp Prager
Willy Schroth
Alfred Thom

Fast wäre die mutige Tat in Vergessenheit geraten, denn eine 1974 an der Göltzschtalbrücke angebrachte Gedenktafel verschwand 1990.

Auf Initiative von Mylauer Bürgern wurde 2008 eine Stele aufgestellt die an den Antifaschistischen Kampf im Vogtland erinnert.

Stele an der Göltzschtalbrücke