Archiv für April 2009

Vogtland: Das Maß ist voll

In den letzten Monaten und Wochen gab es eine stetig ansteigende Zahl rechtsextemer Aktivitäten im Vogtland.
In Thüringen stehen wichtige Wahlen bevor, die rechtsextreme NPD versucht die Parlamente zu erobern.
Neben den Landtagswahlen, hat es die NPD besonders auf Stadt– und Kreispalarmente abgesehen. So auch im Landkreis Greiz. In Sachsen versuch die NPD zu retten, was zu retten ist, jegliche Hüllen werden fallen gelassen.

Egal ob in den Parlamenten oder nicht, rechte Schläger und NPD sind nicht zu unterschätzen. Nach außen hin distanziert sich die NPD von diesen „Freien Kameradschaften“ um sich in der Öffentlichkeit Bürgernah zu geben. Aber ohne jene gewaltbereiten Neonazis wäre ein effektiver Wahlkampf nicht möglich.

In Reichenbach werden linke und alternative Jugendliche von Nazis regelrecht verfolgt und angegriffen. So gab es in letzter Zeit wiederholt Überfälle, teilweise wurden Jugendliche brutal zusammengeschlagen, andere wurden bedroht. Aus Angst vor Racheakten wenden sich die Opfer nicht an Polizei und Öffentlichkeit. Nur die Spitze des Eisberges ragt aus dem braunen Sumpf heraus. So wurde Anfang April bekannt, dass ein 38-jähriger Mann, der nicht ins völkische Weltbild passt, von Nazis zuhause brutal zusammengeschlagen wurde. Die Täter stiegen über den Balkon ein und überraschten den wehrlosen Mann im Schlaf. Dies ist bisher der einzige öffentlich bekannt gewordene Vorfall. Die Freie Presse berichtete darüber am 08.04.09 in ihrer Reichenbacher Regionalausgabe.
Einen Hausbesuch der besonderen Art erlebte Anfang März der Betreiber der rechten Internetseite „Recht und Ordnung“. Nachdem Aufkleber mit dem Konterfei einer vermeintlichen Antifaschistin und dem Spruch „Den Feind erkennen auch in Annaberg“ und der darunter stehenden Internetadresse der „Recht und Ordnung“ Seite aufgetaucht sind, erstattete die auf dem Bild zu erkennende Frau Anzeige. Inwiefern die aufgetauchte Propaganda mit den Überfällen in Verbindung gebracht werden kann ist nicht klar.

Wenige Kilometer weiter in Greiz üben sich die Nazis im Wahlkampf.
Für Propaganda sorgen unteranderen die sogenannten „Freien Kräfte“ in Greiz. Seit Februar tauchen immer wieder schlecht gemachte Nazigraffitis auf, hierzu gab es auch einen kurzen Artikel in der Lokalausgabe der Ostthüringer Zeitung, auch von versuchten Übergriffen auf Antifaschisten und Sachbeschädigungen kann man berichten. Im März wurden die Reifen eines PKW so beschädigt, dass die Luft nur langsam
entweichen konnte. Damit nahmen die Täter auch den Tod oder zu mindestens einen Unfall des Fahrzeugeigentümers in Kauf. Glücklicherweise entdeckte der Geschädigte rechtzeitig die feige Tat.
Mitte März stellte die NPD ihre Kandidaten für die Stadtrats– und Kreistagswahl vor. Darunter auch bekannte Gewalttäter. Der eine oder andere posiert auch gerne mal vor der Hakenkreuzfahne, so ist halt bei uns die NPD.
Am letzten Märzwochenende gab es einen Infotisch des „NPD – Wahlteams“ in der Greizer Innenstadt. Der Propaganda Erfolg blieb aus. Wenige Tage später versuchten NPD’ler, unterstützt von Nazischlägern, Greizer Bürger davon zu überzeugen „Unterstützer“ Unterschriften für die NPD zu leisten. Leider hat die NPD genügend
Unterschriften erhalten um bei den Regionalwahlen anzutreten.

Deshalb wählen gehen – Deine Stimme gegen Nazis

Naziübergriffe in Arnstadt und Jena

Bereits am 03.04 09 störten ca. 40 Nazis eine Infoveranstaltung über die mittlerweile verbotene „Heimat Treue Jugend“ in Arnstadt. Einen ausführlichen Artikel gibt es bei der Antifaschistischen Gruppe Südthüringen (AGST).

Erst letzes Wochenende, am 10.04.09, ereignete sich ein brutaler Überfall von etwa 40 Nazis auf eine Gruppe alternative Menschen im Jenaer Paradiespark. Hier berichtete Jena.Antifa.Net.

Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Mahnung

1943 werden die Magdeburger Junkerswerke ins sächsische Lengenfeld verlegt um die für Nazideutschland kriegswichtige Produktion von Einspritzdüsen für Flugzeugmotoren vor Alliierten Luftangriffen zu schützen.
Unter dem Decknamen „Leng Werke“ wurde hier am Rande der Stadt in einer ehemaligen Baumwollspinnerei weiter für Kriegsmaschinerie der Nazis produziert. Anfänglich wurden hier Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zur Arbeit gezwungen.
Ab Oktober 1944 werden auch KZ Häftlinge als Arbeitssklaven in Lengenfeld eingesetzt.

Hier beginnt unsere Geschichte des Josef Jokl einem tschechischen Antifaschisten, der 1943 von der Gestapo verhaftetet wurde und ins KZ Flossenbürg bei Weiden in der Oberpfalz verschleppt wurde.

Im Herbst 1944 kommt Josef Jokl, damals 33 Jahre alt, zusammen mit ca. 800 anderen Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg ins Vogtland, nach Lengenfeld.
In dem bereits seit 1943 bestehenden Barackenlager für die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter am Walkmühlenweg, wurde der hintere Teil mit mehreren Baracken, Quellen sprechen von 6 bis 12 Baracken, zum Konzentrationslager umfunktioniert. Separiert von den Anderen begann für die KZ Häftlinge ein Martyrium das die Überlebenden bis heute nicht vergessen können.

Josef Jokl musste täglich zusammen mit den anderen Häftlingen untergehackt in Fünferreihen unter Schlägen der SS Wachmannschaften die ca. 2 Kilometer von der Unterkunft zur ehemaligen Baumwollspinnerei laufen. In zwei Schichten, 12 Stunden lang mussten die Männer unter unmenschlichen Bedingungen für Nazideutschland schuften. Essen gab es kaum, wer nicht mehr arbeiten konnte wurde von den Nazis ermordet. Bis zur Auflösung des Lagers am 13. April 1945 starben von den ca. 1.000 KZ Häftlingen 246.

Mit dem Näherrücken der Front und der nahenden Befreiung durch die Alliierten wurde das KZ Lengenfeld am 13.April1945 von der SS aufgelöst und der Todesmarsch der überlebenden 744 Häftlinge nach Süden zum KZ Flossenbürg beginnt.
Im schnellen Tempo ging es nach Rodewisch, hier wurden nur wenige Kilometer weiter die ersten erschöpften Häftlinge von der SS erschossen. Über Auerbach ging es weiter nach Schönheide und Eibenstock. Es gab kaum ein Ort an dem gehalten wurde und es kein Morden der Deutschen Wachmannschaft gab.
In Eibenstock wurde auf einer großen Wiese Rast gemacht. Ein zweiter Elendszug mit KZ Häftlingen aus Schloss Osterstein bei Zwickau wankte heran, weithin hörbar durch das Klappern der schweren Holzschuhe die sie trugen. Mittlerweile wuchs die Kolonne auf ca. 1.600 zum Teil bis zur Unkenntlichkeit abgemagerte Menschen an. Fünfzig Häftlinge die nicht mehr antreten konnten blieben von der SS ermordet auf der Wiese zurück. An diesem 15. April geht es immer weiter, in fieberhafter Eile werden die Häftlinge von den Wachmannschaften in Richtung Johanngeorgenstadt getrieben.

Josef Jokl der bisher die Tage an einem Kalender abstrich fand keine Zeit mehr dazu, auch ihn verließen langsam die letzten Kräfte.
Mittlerweile, in der heutigen Tschechischen Republik angekommen, wird der Treck der nationalsozialistischen Arbeitssklaven von Jagdflugzeugen der Alliierten Luftstreitkräfte angegriffen. Elf Tage dauert nun der Todesmarsch. Josef Jokl und Sechzehn andere Häftlinge nutzen einen Angriff der Alliierten und stellen sich tot. Von der SS unentdeckt blieben sie als vermeintlich Tote liegen. Die Wachmannschaften nehmen sich nun nicht mehr die Zeit um zu überprüfen ob die Häftlinge auch wirklich tot sind.
Josef Jokl überlebte das Naziregime, Millionen anderer Menschen nicht.

Der Todesmarsch der Häftlinge aus dem KZ Außenlager Lengenfeld endete am 26. April, etwa 25 Kilometer vom Stammlager Flossenbürg entfernt, mit der Erschießung der letzen noch nicht ermordeten oder geflohenen Häftlinge.

Das Außenlager in Lengenfeld wurde bereits am 15. April von zurückeilenden SS Leuten in Brand gesteckt, um so die Spuren des Grauens zu verwischen. Im Lager zurückgebliebene kranke Häftlinge starben in den Flammen.

Die Spuren der Gräueltaten wurden nicht verwischt, heute erinnern noch die Aufzeichnung Überlebender und eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen KZ Außenlagers daran.

Josef Jokl kam 1965 noch einmal an den Ort des Unrechts zurück. In seinem Beisein wurde das Ehrenmal für die Opfer des KZ Außenlagers Lengenfeld an historischer Stätte eingeweiht.