Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Mahnung

1943 werden die Magdeburger Junkerswerke ins sächsische Lengenfeld verlegt um die für Nazideutschland kriegswichtige Produktion von Einspritzdüsen für Flugzeugmotoren vor Alliierten Luftangriffen zu schützen.
Unter dem Decknamen „Leng Werke“ wurde hier am Rande der Stadt in einer ehemaligen Baumwollspinnerei weiter für Kriegsmaschinerie der Nazis produziert. Anfänglich wurden hier Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zur Arbeit gezwungen.
Ab Oktober 1944 werden auch KZ Häftlinge als Arbeitssklaven in Lengenfeld eingesetzt.

Hier beginnt unsere Geschichte des Josef Jokl einem tschechischen Antifaschisten, der 1943 von der Gestapo verhaftetet wurde und ins KZ Flossenbürg bei Weiden in der Oberpfalz verschleppt wurde.

Im Herbst 1944 kommt Josef Jokl, damals 33 Jahre alt, zusammen mit ca. 800 anderen Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg ins Vogtland, nach Lengenfeld.
In dem bereits seit 1943 bestehenden Barackenlager für die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter am Walkmühlenweg, wurde der hintere Teil mit mehreren Baracken, Quellen sprechen von 6 bis 12 Baracken, zum Konzentrationslager umfunktioniert. Separiert von den Anderen begann für die KZ Häftlinge ein Martyrium das die Überlebenden bis heute nicht vergessen können.

Josef Jokl musste täglich zusammen mit den anderen Häftlingen untergehackt in Fünferreihen unter Schlägen der SS Wachmannschaften die ca. 2 Kilometer von der Unterkunft zur ehemaligen Baumwollspinnerei laufen. In zwei Schichten, 12 Stunden lang mussten die Männer unter unmenschlichen Bedingungen für Nazideutschland schuften. Essen gab es kaum, wer nicht mehr arbeiten konnte wurde von den Nazis ermordet. Bis zur Auflösung des Lagers am 13. April 1945 starben von den ca. 1.000 KZ Häftlingen 246.

Mit dem Näherrücken der Front und der nahenden Befreiung durch die Alliierten wurde das KZ Lengenfeld am 13.April1945 von der SS aufgelöst und der Todesmarsch der überlebenden 744 Häftlinge nach Süden zum KZ Flossenbürg beginnt.
Im schnellen Tempo ging es nach Rodewisch, hier wurden nur wenige Kilometer weiter die ersten erschöpften Häftlinge von der SS erschossen. Über Auerbach ging es weiter nach Schönheide und Eibenstock. Es gab kaum ein Ort an dem gehalten wurde und es kein Morden der Deutschen Wachmannschaft gab.
In Eibenstock wurde auf einer großen Wiese Rast gemacht. Ein zweiter Elendszug mit KZ Häftlingen aus Schloss Osterstein bei Zwickau wankte heran, weithin hörbar durch das Klappern der schweren Holzschuhe die sie trugen. Mittlerweile wuchs die Kolonne auf ca. 1.600 zum Teil bis zur Unkenntlichkeit abgemagerte Menschen an. Fünfzig Häftlinge die nicht mehr antreten konnten blieben von der SS ermordet auf der Wiese zurück. An diesem 15. April geht es immer weiter, in fieberhafter Eile werden die Häftlinge von den Wachmannschaften in Richtung Johanngeorgenstadt getrieben.

Josef Jokl der bisher die Tage an einem Kalender abstrich fand keine Zeit mehr dazu, auch ihn verließen langsam die letzten Kräfte.
Mittlerweile, in der heutigen Tschechischen Republik angekommen, wird der Treck der nationalsozialistischen Arbeitssklaven von Jagdflugzeugen der Alliierten Luftstreitkräfte angegriffen. Elf Tage dauert nun der Todesmarsch. Josef Jokl und Sechzehn andere Häftlinge nutzen einen Angriff der Alliierten und stellen sich tot. Von der SS unentdeckt blieben sie als vermeintlich Tote liegen. Die Wachmannschaften nehmen sich nun nicht mehr die Zeit um zu überprüfen ob die Häftlinge auch wirklich tot sind.
Josef Jokl überlebte das Naziregime, Millionen anderer Menschen nicht.

Der Todesmarsch der Häftlinge aus dem KZ Außenlager Lengenfeld endete am 26. April, etwa 25 Kilometer vom Stammlager Flossenbürg entfernt, mit der Erschießung der letzen noch nicht ermordeten oder geflohenen Häftlinge.

Das Außenlager in Lengenfeld wurde bereits am 15. April von zurückeilenden SS Leuten in Brand gesteckt, um so die Spuren des Grauens zu verwischen. Im Lager zurückgebliebene kranke Häftlinge starben in den Flammen.

Die Spuren der Gräueltaten wurden nicht verwischt, heute erinnern noch die Aufzeichnung Überlebender und eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen KZ Außenlagers daran.

Josef Jokl kam 1965 noch einmal an den Ort des Unrechts zurück. In seinem Beisein wurde das Ehrenmal für die Opfer des KZ Außenlagers Lengenfeld an historischer Stätte eingeweiht.


1 Antwort auf “Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Mahnung”


  1. 1 Schweigekartell 23. April 2009 um 12:25 Uhr

    Hallo,

    am 13. September 2009 findet um 10 Uhr – wie in jedem Jahr – eine Gedenkveranstaltung der VVN am Ehrenmal für die Opfer des Faschismus statt.
    Jeder, der es mit dem Kampf gegen den Faschismus ehrlich meint, ist herzlich eingeladen.

    Stark bleiben!

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