Archiv für Oktober 2009

Totgesagte leben länger

Seit einigen Tagen schwirren unzählige wilde Gerüchte über Jürgen Riegers (Berufsneonazi) vorzeitiges Ableben durchs WorldWideWeb. Erst ist er Tod ganz ohne Story, dann wird dementiert, nun hat er einen Schlaganfall erlitten und ringt mit dem Tod um sein Leben

Jürgen Rieger starb schneller als dieser Artikel fertig sein konnte.

Der Tod Riegers wurde mittlerweile auch auf seiner Homepage offiziell bekannt gegeben. Kein geringerer als „Back to the 30iger“ Thomas Wulff gab die Nachricht vom Hinscheiden Riegers bekannt

Hier bleibt Raum für Spekulationen.

Bevor wir spekulieren, erst mal ein kleiner Abriss über Jürgen Rieger.

Herr Rieger wurde 1946 im Norddeutschen Raum geboren, erlebte hier sicherlich eine typisch deutsche Kindheit. Später studierte er Jura, hier begann die politische Karriere des unverbesserlichen Holocaustleugners und Nazis.
Rieger war Mitglied oder Gründer diverser rechtsextremer Parteien und Vereinen. Vor allen Dingen die Vereine hatten unglaubliche Namen wie „Artengemeinschaft“ oder auch „Heide Heim e.V.“. Letzteres klingt eher nach einer Firma, die sich hinter einem Verein verbirgt und Lehmhäuser in der Heide anbietet. In der Tat, Immobilen waren Riegers großes Hobby, auch wenn er keine Lehmhäuser verkaufte. Seine Idee war es Gebärstadtionen für die „Arische Rasse“ zu schaffen. Verrückt, klingt irgendwie nach einem Bösewicht aus einem James Bond Film, nur leider ist es nicht so lustig.
Über Jahre hinweg schaffte es Jürgen Rieger Millionen Euro und Immobilien für die Neonaziszene in Deutschland einzusammeln, mal mit juristischem Geschick andermal mit kapitalistischem Schick. Naja wie auch immer. Für die noch lebenden Nazis gibt es Weihnachten ne „Fette Henne“ zu schlachten und der Rest von uns sollte nicht traurig sein, dass einen Nazi, das Zeitliche gesegnet hat.

Zurück zu den Spekulationen,

zu spekulieren gibt es da nicht viel, Jürgen Rieger starb eines natürlichen Todes. Weder der verhasste Feind – all jene die nicht für Rassismus und Nationalismus stehen, noch eine Naturkatastrophe warer für Riegers Tod verantwortlich. Ach ja, Märtyrer sehen auch anders aus.

Gute Nacht armer alter Mann, der du ein lebenlang für eine unmenschliche Sache einstandest.

Fußball und Gewalt

Am Samstag dem 24.10.2009 kam es in Greiz während eines Kreisklassespiels zwischen dem Hainberger SV und Blau-Weiß zur Schlägerei.

Was ist passiert?

Wenige Minuten vor Ende des Derbys erhielt ein Spieler der Hainberger Mannschaft wegen unsauberen Zweikampfes die Rote Karte. Daraufhin schlug der Abgestrafte dem Schiedsrichter ins Gesicht. Sicherlich keine schöne Aktion des Hainberger Spielers, auch wenn es vorher schon zu Provokationen gegen den aus dem Kosovo Stammenden kam. Hier pfiff der Schiedsrichter nicht ab.
Die Situation eskalierte.

In die Schlägerei auf dem Spielfeld, mischten sich einige Zuschauer ein, als die Situation sich bereits beruhigte, aber nicht um Erste Hilfe zu leisten oder deeskalierend zu wirken. Mehrere als Neonazis erkannte Personen, zum Teil anderen Greizer Fußballvereinen zugehörig, griffen gezielt den Kosovaren an.

Selbstjustiz für Deutschland.

Mittlerweile zieht jene Auseinandersetzung weite Kreise.
Es wird öffentlich über den Ausschluss des Betroffenen diskutiert, darüber, dass sein Handeln unsportlich war. Sicherlich zeugte sein Handeln von wenig Sportsgeist, aber aus welchen Gründen es zu dem Angriff auf den Schiedsrichter kam, darüber wird nicht diskutiert – der einzige Schuldige steht fest.

Nur wenige Stimmen zeigen sich besorgt über das Eingreifen der Rechten Fans.

Dieser Punkt wird kleingeredet und wegdiskutiert. Mit Aussagen wie „das sind nicht unsere Fans“ und „Wir versuchen Ausländische Mitbürger zu integrieren“, wird versucht zu Verharmlosen und die Schuld abzuweisen.
Im Forum eines der betroffenen Fußballvereine kam es zu heißen Diskussionen, so verteidigte ein User den Angriff der Neonazis damit, dass sie mit dem Schiedsrichter befreundet wären.

Schon seit Jahren gibt es immer wieder Ärger mit „Problemfans“ bei Fußballspielen in den unteren Klassen. In Fußballvereinen aktive Kinder von Migranten werden gebeten nicht als Zuschauer zu bestimmten Spielen zu erscheinen, weil die „Rechten“ bestimmt kommen, andermal verhindert die Polizei Provokationen Rechter Fangruppen – Eigentlich normal in der Provinz. Auch wenn gerade dieser Vorfall vom Samstag nicht alltäglich ist.

Wie weit rechtes Gedankengut und rassistische Ressentiments bereits in Regionalen Sportvereinen verankert sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Das Sportvereine und dabei besonders Fußballvereine von Neonazis unterwandert sind, gleicht einem offenen Geheimnis. Vor diesem Problem werden von den betroffenen Vereinen oftmals die Augen verschlossen.

Rassismus und Nationalismus gibt es bei uns nicht – nicht nur Greizer Sportvereine denken so.

Thüringen: Polizeigewerkschaft wegen NPD-Kommentar unter Druck

Todesstrafe für Kindsmörder? „Logisch“. Ein Kommentar in der Gewerkschaftszeitung der thüringischen Polizei zeichnet ein wohlwollendes Bild der NPD. Die Gewerkschaft distanziert sich, doch auch Kritiker aus den eigenen Reihen fordern Konsequenzen.

Erfurt – Thüringens Polizeigewerkschaft unter Druck: Grund ist ein NPD-freundlicher Kommentar eines Polizisten. Obwohl eine Forderung nach Todesstrafe für Kindermörder „dem modernen Deutschen wesensfremd“ geworden sei, müsse man der NPD-Forderung nach härteren Strafen „aus logischer Sicht beipflichten“, schrieb Heiko Timmer in der Oktoberausgabe des thüringischen „Polizeispiegel“, der Mitgliederzeitung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Weiter heißt es: Der NPD schade das Image, das ihr „von allen Seiten angedichtet werde“.

Das sind zwei der acht kritischen Sätze in dem zweiseitigen Kommentar, der den Ausgang der Landtagswahl in Thüringen behandelt. Der Autor untersucht darin die Programme der einzelnen Parteien auf Investitionen für Polizei und innere Sicherheit. Dabei nennt er die NPD in einer Reihe mit anderen Parteien, räumt ihr rund fünfmal mehr Raum als zum Beispiel der SPD. Der Autor pflichtet den Forderungen der rechtsextremen Partei nach mehr Präsenzpolizei zur Bekämpfung von Korruption und Gesetzesverletzungen in weiten Teilen bei und zitiert aus einer NPD-Wahlkampfzeitung.

„Keinen Zweifel an unserer Distanz lassen“

Die Entrüstung über den Artikel ist groß. „Ich bin völlig empört über die fehlende Distanz zu Rechtsradikalen“, sagte Reiner Wendt, Bundesvorsitzender der DPolG, SPIEGEL ONLINE. „Die Redakteure sind zwar ehrenamtlich tätige Gewerkschafter, aber das entschuldigt kein unprofessionelles Vorgehen.“ Die Polizisten würden extra geschult und weitergebildet. „Gerade bei der Polizei müssen wir sensibel mit solchen Themen umgehen und dürfen keinen Zweifel an unserer Distanz zu rechtsradikalen Parteien lassen“, sagte Wendt. Er betonte, dass die Polizeigewerkschaft für Weltoffenheit stehe, unabhängig von Parteipolitik und das Gespräch mit allen politischen und demokratischen Parteien in der Mitte der Gesellschaft suche.

Die presserechtliche Verantwortung jedoch trägt der Vorsitzende der Thüringer Polizeigewerkschaft, Jürgen Hoffmann, wenn auch nicht für die Meinungen einzelner Autoren. Denn die Zeitung der Polizeigewerkschaft setzt sich aus einem Mantel zusammen, der bundesweit einheitlich ist und einem Teil, der in den einzelnen Bundesländern geschrieben wird. Im Thüringer Teil ist der Kommentar von Timmer erschienen.

Rücktritt des Thüringer Landesvorsitzenden gefordert

Deshalb hat der Bundesvorsitzende Wendt den Thüringer Vorsitzenden auch ermahnt, künftig jeden Artikel zu prüfen. „Tippfehler können vorkommen, aber keine Fehler in einem politisch so sensiblen Bereich. Das habe ich dem Landesvorsitzenden so in aller Deutlichkeit gesagt“, sagte Wendt.

Thüringens Innenminister Manfred Scherer (CDU) sagte, die Ausführungen des Polizisten seien „in keiner Weise akzeptabel“. Der thüringische SPD-Landtagsabgeordneter Heiko Gentzel fordert gar den Rücktritt Hoffmanns. Die Distanzierung und das „Bauernopfer“ – der Rücktritt des Verfassers aus der Redaktion- reichten nicht aus.

Die Gewerkschaft wollte den Polizisten ebenfalls loswerden. Timmer kam ihr zuvor, indem er an diesem Donnerstag austrat. Hoffmann fordert zudem berufliche Konsequenzen. Dafür wolle er sich bei dem Polizeichef einsetzen. Die Möglichkeit einer Anklage wegen Dienstvergehens werde geprüft. „Wir können so ein Mitglied nicht in der Gewerkschaft und in der Polizei dulden“, sagte Hoffmann. „Auch die Polizei hat sich rechtsstaatlich zu benehmen, rechtsradikales Gedankengut gehört nicht in unsere Reihen.“

Autor zeigt kein Verständnis für Kritik

Sich selbst sieht Hoffmann nicht in der Schuld. „Timmer hat mich hintergangen, ich habe den Artikel vorher nicht gesehen“, erklärt Hoffmann. „Es ist bedauerlich und erschreckend, was passiert ist.“ Er werde nun in Zukunft jeden Artikel vor der Veröffentlichung prüfen, auch wenn es nur ein Einzelbeispiel gewesen sei. „Wir waren im Vorstand völlig überrascht über seinen plötzlichen Auffassungswechsel.“

Der Autor des umstrittenen Kommentars übernimmt zwar die Verantwortung für sein Schreiben, zeigt aber kein Verständnis für die Kritik. Am Donnerstag hat er einen Brief an viele seiner Kollegen geschickt, in dem er sich nicht von seinen Aussagen distanziert und jeden der insgesamt acht kritischen Sätze einzeln prüft und für richtig befindet.

Darin heißt es unter anderem: Dass der NPD ihr Image schade, was der Partei von allen Seiten angedichtet werde, solle nicht heißen, dass die NPD dieses Image zu Unrecht verdiene. Er habe lediglich versucht, neutral zu formulieren, um möglichen Beschwerden vorzubeugen.

Er empfinde nicht den Beitrag als Skandal, sondern die Reaktion von Politik und Medien. In dem Schreiben heißt es weiter, er sehe keinen Anlass zu weiteren Debatten und bittet, von weiteren Anfragen abzusehen.

Quelle: Spiegel Online