Archiv für Oktober 2009

Es lebe die Weltrevolution!*

Vor wenigen Tagen jährte sich der Geburtstag von Max Hölz zum 120. Male.
Wer war dieser Max Hölz werden sich jetzt einige fragen.

Max Hölz wurde am 14.10.1889 in der Nähe von Riesa als Sohn eines Landarbeiters geboren. Nach Abschluss der Volkschule, schlug er sich als Tagelöhner durch. 1906 wanderte er nach Großbritannien aus. Hier studierte er Geometrie, eignete sich Grundkenntnisse im Eisenbahnbau und der Vermessungstechnik an. Bereits im Jahr 1909 kehrte er nach Deutschland zurück. Nur wenige Jahre später zog er aus gesundheitlichen Gründen nach Falkenstein im Vogtland. Hier arbeitete er als Landvermesser und Filmerklärer. Mit Beginn des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zur kaiserlichen Armee.
Der grausame Kriegsalltag verändert seine Einstellung zum Krieg und seinen Sinn. Durch die Oktoberrevolution in Russland 1917 und dem Kommunisten
Georg Schumann kommt Max Hölz mit kommunistischen Ideen in Berührung.
Nach Ende des Krieges kehrt Max Hölz nach Falkenstein zurück. Hier schließt er sich erst der USPD an und tritt nur wenige Monate später zur KPD über. Anfänglich agiert Hölz bei der Plauener Ortsgruppe. Als neugewählter Vorsitzender des Falkensteiner Arbeitslosenrates machte er sich schnell einen Namen.
Energisch setzte sich der Rat für Erwerbslose, Kriegswitwen und all Jene ein, die der Krieg nicht zu Gewinnern hat werden lassen. Mehrmals besetze die Reichswehr Falkenstein um die Arbeiteraufstände niederzuschlagen. Vorübergehend muss Max Hölz Falkenstein und das Vogtland verlassen.

Während des Kapp Putsches, im März 1920 gelangte Max Hölz wieder ins Vogtland. Er organisierte den Widerstand der revolutionären Arbeiterschaft gegen die Konterrevolution. Mittlerweile nannte man ihn den „Roten Robin Hood“ des Vogtlandes.
Mit Gewalt und Gewaltandrohung wurde den Reichen genommen was den Armen zustand. Nur wenige Wochen nach Beginn des anarchistisch geprägten Aufstandes im Vogtland, sah sich die „Rote Garde“ einer Übermacht aus Reichswehr und Polizei gegenüber und zog sich nach heftigen Kämpfen in die nahe Tschechoslowakei zurück. Im November desselben Jahres kehrt Hölz nach Deutschland zurück, wo er Steckbrieflich gesucht wurde.

Im März 1921 war der Anarchist Max Hölz maßgeblich an den bewaffneten Aufständen im Bergbaugebiet Mansfeld-Eisleben beteiligt. Kurze Zeit später wird er in Berlin verhaftet. Im Juni 1921 wird er von einem Sondergericht in Berlin-Moabit zu lebenslanger Haft verurteilt. Ausschlaggebend für das Urteil, war der Totschlag an einem Gutsbesitzer. Max Hölz war aber in keiner Weise an jener Tat beteiligt. Auf Umstände die zu seiner Entlastung beitrugen, nahm das Gericht keine Rücksicht. Max Hölz der immer für seine Ideale – für eine andere Welt einstand sollte gebrochen werden. Die kommenden Jahre verbrachte er in verschiedenen deutschen Zuchthäusern. Einzelhaft, Krankheiten und Misshandlungen durch Aufseher gehörten zum Alltag. Immer wieder wurden Forderungen laut Max Hölz freizulassen. 1927 fordert ein „Neutrales Komitee für Max Hölz“ die Überprüfung des Urteils von 1921 und seine Freilassung, unter anderen auch Albert Einstein, Thomas Mann, Heinrich Zille und Heinrich George.
Reichspräsident Ebert und die deutsche Justiz stellten sich quer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Täter, der für den Tod des Gutsbesitzers verantwortlich war bereits gestellt.

Im Zuge einer Amnestie für politische Gefangene 1928, erlangte auch der von der deutschen Klassenjustiz im entscheidenden Punkt zu Unrecht verurteilte Max Hölz seine Freiheit wieder.
Hölz engagierte sich weiter politisch und trat bei diversen Versammlungen und Demonstrationen als Redner auf.
Bei Arbeitern und Demokraten, z.T. auch Liberalen war Hölz hoch angesehen. Die Reaktionären Kräfte hassten ihn.
Bei einer KPD Wahlveranstaltung im Jahr 1930 in Bad Elster wurde er von Nazis zusammengeschlagen und schwer verletzt, nachdem die SA eine Saalschlacht angezettelt hatte. Nach mehreren Morddrohungen emigriert er noch im selben Jahr in die damalige Sowjetunion.
Hier arbeitet er bis zu seinem Tod in verschiedenen Bergwerken, Fabriken und Landwirtschaftlichen Betrieben. Auch in der Sowjetunion blieb er Arbeiter und Idealist gleichermaßen. Er kritisierte Arbeitsbedingungen, Bürokratie und andere Unzulänglichkeiten im Staat der Arbeiter und Bauern. Unter ungeklärten Umständen ertrank Max Hölz in der Nacht vom 15. auf den 16. September 1933 bei dem Versuch einen Fluss per Boot zu überqueren. Auch wenn es keine schriftlichen Beweise gibt, so gibt es doch Indizien dafür, dass sowjetische Sicherheitsorgane für den Tod von Max Hölz verantwortlich waren.

In Erinnerung an einen Idealisten und Kämpfer für eine andere, vielleicht bessere Welt.

*Aus Hölz‘ Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft
Gehalten vor dem Moabiter Sondergericht am 22. Juni 1921 in Berlin

Freiräume für Alle / Presseerklärung Kultur-Zombies

Kultur sollte für jeden Menschen erlebbar und erschwinglich sein. Gerade in einer Region wie dem Vogtland fehlen solche Angebote besonders für alternative Menschen. Anlaufpunkte gibt es wenige, daher Freiräume schaffen.

Presseerklärung Kultur-Zombies

Den Bürgern der Stadt Reichenbach und ihren Gästen bot sich am Mittag des 18.10.2009 ein schauderhaftes Bild.

An diesem Tag wurde die 5. Landesgartenschau Sachsens mit einer auch prominent besuchten Abschlussveranstaltung beendet.

Ab ca 12.00 Uhr machten sich das knappe Dutzend Kultur-Zombies, einen offenen Sarg tragend und begleitet durch eine passende Geräuschkulisse, vom Bahnhof aus auf den Weg in die Innenstadt. Vor dem Neuberinhaus wurde die kommerzielle Kultur durch das Abstellen des Sarges symbolisch zu Grabe getragen. An die am Eingang wartenden Gäste wurden Flugblätter verteilt um über die Ziele und Absichten der Kultur-Zombies zu informieren. Sie wollen mit dieser Aktion auf das Fehlen unkommerzieller und selbstverwalteter Projekte in Reichenbach aufmerksam machen.

Das erklärte Ziel der Kultur-Zombies ist es, einen alternativen Freiraum für unsere Stadt zu schaffen.

elsterpiraten@gmx.de

Für Alle die uns anrufen wollen.