Vom Leben und Sterben- dem Kommen und Gehen

Morgen jährt sich die Reichspogromnacht von 1938.

Vor 71 Jahren fand etwas bis dahin unvorstellbares in Deutschland statt – der Auftakt zur Shoa. In ganz Deutschland wurden Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser von jüdischen Mitbürgern geplündert und zerstört, Menschen ermordet.
Der Leidensweg vieler Juden, der schon 1933 begann wurde zum Inferno ohne Wiederkehr.

Auch in Greiz lebten Jüdische Bürger. Seit dem 18.Jahrundert gibt es erste Hinweise auf jüdische Einwohner. 1933 lebten 44 Menschen jüdischen Glaubens in Greiz, 1939 fast keiner mehr.
Heute sind die Spuren die an jüdisches Leben in Greiz erinnern, fast verwischt und vergessen. Was bleibt sind die noch frischen Narben, die Deutschlands dunkelstes Kapitel mahnen.

Sie hießen Schwarz, Wiesenthal, Kramer, Recher, Cohen und Lippmann, waren Arbeiter, Ärzte, Geschäftsleute und Handwerker.
Nach der Machtübernahme durch die Nazis änderte sich auch in Greiz das Leben für jüdische Bürger grundlegend.

Am 01.04.1933 zogen vor dem Kaufhaus Tietz, später HO-Kaufhaus zum Schluss Kaufhaus Storg und anderen jüdischen Geschäften SA Wachen auf, um den Boykott jüdischer Geschäfte Nachdruck zu verleihen. Greizer die sich mit ihren jüdischen Mitbürgern solidarisch zeigten und weiterhin einkauften, wurden fotografiert. Das alltägliche Leben wurde zum Existenzkampf, die Geschäfte in denen Juden einkaufen durften, lagen in der ganzen Stadt verstreut, Lebensmittel gab es in der Friedhofsstraße, Fleisch in der Bahnhofsstraße und Brot in Aubachtal. Die jüdischen Bürger wurden immer weiter isoliert, ausgegrenzt aus der Gesellschaft.
Wer konnte, ging in den Jahren vor der Reichspogromnacht weg aus Deutschland. Verkaufte sein Hab und Gut weit unter Wert. Wer blieb, der bezahlte es später oftmals mit dem Leben.
So kam was kommen musste.
In der Nacht vom 09.11. auf den 10.11.1938 wurden auch in Greiz jüdische Geschäfte geplündert, Menschen misshandelt und von SS und Gestapo verschleppt.

Einige der verfolgten Greizer Bürger überlebten den Nationalsozialismus, andere kamen nie zurück.

Mahngang gegen das Vergessen – Morgen, den 09.11.09 in Greiz. Treffpunkt: 17.30 Uhr, am Von-Westernhagen-Platz