Archiv für Dezember 2009

Reichenbach: Endlich mal gute Neuigkeiten

Lange Zeit gab es aus antifaschistischer Sicht nur negative Nachrichten aus Reichenbach.
Über Jahre beherrschten Neonazis das Bild der Stadt, vor einigen Jahren konnten Neonazis sogar einen städtischen Jugendclub als Proberaum nutzen.
Eine rechte Hegemonie herrschte und ist heute auch noch mehr als nur fühlbar in dieser Stadt vorhanden. Platz für alternative Freiräume gab und gibt es hier kaum. Immer wieder versuchten Neonazis auch gewalttätig eine „Nationalbefreite Zone“ zu schaffen. Darüber wurde schon öfters berichtet.

Umso erfreulicher ist, dass es in Reichenbach auch Menschen gibt denen es nicht egal ist ob „Rechte“ das Straßenbild bestimmen, die sich Gedanken machen um eine Zukunft – Ihrer, aber auch der von uns. Die anderen, vor allen Dingen jüngeren Menschen eine kulturelle Alternative bieten wollen, jenseits von Rassismus, Nationalismus und Mainstream.

Bereits letztes Jahr November machten Antifaschisten aus dem Vogtland darauf aufmerksam, dass es „rechtsextreme Polemik“ zu enttarnen gilt.
Tagtäglich konnte und kann man auf rechten Internetseiten lesen wie wichtig doch eine eigene Identität ist, was man wie zu denken hat.

Aber nicht nur bei den Rechten ist das so.

In der Provinz ist es nicht ungewöhnlich, dass man im Gleichtakt denkt und oft auch lenkt, wer abweicht ist ein Außenseiter und belächelter Träumer.

Dass das Leben mehr als nur schwarz und weiß, gut oder böse ist, versuchen junge Reichenbacher der Öffentlichkeit kreativ zu vermitteln.
Im Oktober machten bereits einige Reichenbacher bei der Abschlussveranstaltung zur Landesgartenschau darauf aufmerksam, dass alternative Kulturangebote und gemauerte Freiräume rar sind.

Vor wenigen Tagen konnte man an einem leerstehenden Gebäude in Reichenbach lesen: „Dieses Haus kann leben“

„Dieses Haus kann leben“ – Überall im Vogtland!

Pößneck: Nazis dürfen (wahrscheinlich) wieder ins Schützenhaus

Bereits Freitagabend verkündeten Nazis über Twitter die Nachricht, dass das Schützenhaus wieder in „deutscher Hand“ sei.
Laut dem Verwaltungsgericht Gera war die Versieglung der Rieger Immobilie durch die Stadt Pößneck nicht rechtens. Zurzeit prüft die Stadt Pößneck inwiefern es sich lohnt, gegen den noch nicht rechtkräftigen Beschluss des Verwaltungsgerichtes, Beschwerde einzulegen.

Ganz so leicht scheint die Stadt Pößneck die braunen Mieter des Schützenhauses nun doch nicht los zu werden. Der bekannte NPD-Funktionär Andre Kapke erhielt Freitag alle Schlüssel wieder. Laut Andeutungen aus der rechten Szene sei es nur eine Frage der Zeit wann wieder öffentliche Veranstaltungen hier durchgeführt werden.

Gera: Bundesweites Verschwörungstreffen muss umziehen

Wir dokumentieren die Presseerklärung der Antifaschistischen Aktion Gera (aag)

Hinter Tagung verstecken sich Esoterik und Antisemitismus – Gasthaus
Heinrichsbrücke ist aufgerufen „Geopolitischen Kongress“ auszuladen

GERA, 8. Dezember. Zu einem sogenannten „2. Geopolitischen Kongress“ wird
derzeit auf verschiedenen Seiten im Internet geworben. Am 20. Dezember
wollen bis zu 450 Personen in Gera tagen und an ein erstes Treffen im
August in Leipzig anschließen. Unter dem Titel „Unsere Welt – Wahrnehmung
und Realität“ lädt ein „Infonetzwerk Gera“ ein. Doch was zunächst wie ein
Psychologie-Symposium erscheint, entpuppt sich auf den zweiten Blick als
ein Treffen voller Verschwörungstheorien, Antisemitismus,
Antiamerikanismus und völkischer Ideologie. Die Überschneidungen reichen
bis zur NPD. Nun muss die Veranstaltung offenbar umziehen. Im November
wurde noch das Volkshaus in Gera-Zwötzen angekündigt, nun ist das Gasthaus
Heinrichsbrücke in der Innenstadt Tagungsort. Die BetreiberInnen sind
aufgerufen die Veranstaltung auszuladen.

Die angekündigten Referenten bilden bundesweit die Spitze der
Verschwörungstheorie. Jürgen Elsässer, einer der bekanntesten
Protagonisten, rief Anfang des Jahres eine „Volksinitiative“ aus, die eine
„Volksfront“ gegen das „anglo-amerikanische Finanzkapital“ bilden solle.
Im Publikum der Gründungsveranstaltung waren auch bekennende Neonazis und
Holocaustleugner zugegen. Öffentlich fordert er eine „Re-Nationalsierung“
der Wirtschaft. Auf die Frage, ob er damit nicht einen Schulterschluss mit
Nationalisten eingehe, habe er „Querfront – na und?“ geantwortet.(1) Die
Reaktion der NPD lies nicht lang auf sich warten. Nachdem schließlich auch
die Tageszeitung Neues Deutschland den langjährigen Autor wegen dessen
Äußerungen im Januar dieses Jahres entließ, lud ihn der NPD-Fraktionschef
im Landtag von Sachsen Holger Apfel ein, in der Parteizeitung Deutsche
Stimme zu publizieren.(2) Auf seinem Weblog gratulierte Elsässer diesen
Juni dem iranischen Präsidenten und Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedschad
zu dessen Wiederwahl und bezeichnet die Protestierenden im Iran als
„Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des
Finanzkapitals“ die eine „Party feiern“ wollten.(3) Zuletzt demonstrierte
Elsässers „Volksinitiative“ am 30. November mit der islamistischen „Quds
AG“ in Berlin gegen eine Delegation aus Israel. Diese Organisation
initiiert auch die jährlichen antizionistischen und antisemitischen
„Al-Quds“ Demonstrationen.(4)

Außerdem soll der Vorsitzende der Stiftung „Autarkes Leben“ Andreas Clauss
sprechen. Er hat das Buch „Das Deutschland-Protokoll“ publiziert, auf
dessen Einband eine Landkarte des Deutschen Reichs prangt. Sein Verein
trägt außerdem den Zusatz „Vereinigung der unter Selbstverwaltung lebenden
Deutschen“. Dieser Teil wurde zensiert. Herr Thomas Immanuel Steinberg hat eine Beschwerde wegen übler Nachrede eingelegt. Letztere ist
Mitinitiator des „Geopolitischen Kongresses“. In einem Vortrag mit dem
Titel „Crashkurs Geld und Recht“ spricht Clauss von der Herrschaft der USA
und Großbritanniens über die BRD und indirekt von einer jüdischen
Weltverschwörung.(5)
Die weiteren Gäste des Kongresses zeichnen ein ähnliches Bild. Hans Tolzin
ist Anhänger der Organisation „Neue Impulse Treff“, über die
Scientology-Anhänger Kontakte zur Neonaziszene unterhalten. Außerdem ist
er Verfechter der pseudomedizinischen „Germanisch Neuen Medizin“, die sich
aus Antisemitismus speist und bei NPD-SympathisantInnen Anklang
findet.(6,7,8)
Christoph Hörstel geht in seiner Verschwörungstheorie davon aus, dass
US-Geheimdienste wie der CIA in die Anschläge des 11. September 2001
involviert seien.9 Die für den Abend angekündigte Band „Die Bandbreite“
propagiert dies in ihren Songs ebenfalls. Auch der Angriff von Japan auf
Pearl Harbour 1941 sei eine Inszenierung der USA gewesen.(10)
Auf der Website des Gastgebers „Infonetzwerk Gera“, finden sich
antisemitische Reden von Mahmud Ahmadinedschad und ein Link zu “ Infokrieg
TV – ein Volk stirbt“. Unter dem Namen „Infonetzwerk Thüringen“ trifft
sich diese Gruppe mit anderen „Stammtischen“ aus Erfurt und Jena.(11) Dort
nimmt der Neonazi Nico Schneider teil. Er ist Mitglied der
NPD-Jugendorganisation JN, wohnte im sogenannten „Braunen Haus“ und
unterhält mit dem NPD-Kreisverbandsvorsitzenden Ralf Wohlleben mehrere
Neonaziwebsites.(12)

„Die Hintergründe legen eines offen. Bei dem angekündigten Kongress
handelt es sich mitnichten um kritisches Treffen, sondern um
Pseudowissenschaft. Das Propagierte ist eine Mischung aus esoterischen
Phantasien, Antisemitismus und Antiamerikanismus gepaart mit völkischem
Nationalismus. Untermauert wird dies stets mit Literatur, die als
objektiver Beleg diene und dem Hinweis nichts mit Neonazis gleich zu
haben. Trotz abstruser Inhalte wird das Gesagte, angesichts der 500
Angereisten in Leipzig, diskutabler. Wir rufen die BetreiberInnen des
Gasthaus Heinrichsbrücke daher auf die Veranstaltung auszuladen und das
Treffen damit zu verhindern. Bieten Sie Verschwörungstheorien und Neonazis
keinen Raum!“, so Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen
Aktion Gera (AAG), eindringlich.

Mit freundlichen Grüßen

Anna Schneider, Pressesprecherin