Alltäglichkeiten

Wer mittags nach der Schule in Greiz auf den Bus wartet und nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist, kann so manches aufschnappen. Hier und Da stehen Schülergruppen, es wird laut erzählt, gelacht und sich gegenseitig geneckt. Eigentlich normal.
Doch mittendrin Schüler mit Rudolf Hess-, Anti-Antifa-, Landser- und anderen Buttons mit rechtem Gedankengut. Ein Thor Steinar Schriftzug an der Mütze hier, ein nicht leicht zu erkennendes Symbol an der Jacke da. So kommt der Nazinachwuchs von heute daher.

Kleider machen Leute, nicht immer – Doch manchmal schon.

Kurz zurück zur Bushaltestelle. „Halt die Schnauze“ hallte es einem „nicht ganz arischen“ Schüler entgegen, als er einen der Älteren bat endlich einzusteigen.
Jaja kleine Alltäglichkeiten, nichts worüber man sich all zu große Gedanken machen bräuchte, wenn den Älteren nicht Buttons mit dem Konterfei von Rudolf Hess und anderem Nazischrott geziert hätten. Mit 15-16 Jahren ist man oftmals noch nicht gefestigt in seinen politischen Aussagen, so kann man sich beruhigen. Doch so betrügen wir uns schon lange.

Nazis gibt es nur dann, wenn es Gewalt gibt. So könnte man denken, wenn man die Alltäglichkeiten nicht näher betrachtet.

Fetzige Rockmusik, Szenecodes und Zusammengehörigkeitsgefühl. Alles was man als Jugendlicher für ein bisschen geträumte Revolution braucht. Interessant wird es dann, wenn der Hintergrund, der diese Subkultur ausmacht, durch eine Menschenverachtende, nationalistische Ideologie gestützt wird.
Rudolf Hess – Kriegsverbrecher in der Schule, Ermordeter für Verschwörer, Held und „Friedensaktivist“ für die Braune Kultur. Im Vogtland gibt es schon seit Jahren ihm zu Ehren ein Fußballturnier. Ein alter Hut – ich weiß.

Immer noch Bushaltestelle.

„Die ärgern uns öfters“ hörte man den jüngeren Schüler zu einer Frau sagen, welche die Situation beobachtete und ihn unterstützen wollte. In diesem Moment war die Alltäglichkeit bereits vorüber – Ein Augenblick, einer von vielen.