Karl-Marx-Stadt: Naziaufmarsch am 05.03.2010

An diesem Tag plant die NPD in Chemnitz, ähnlich wie in Dresden und in anderen Städten, einen „Trauermarsch“ anlässlich eines Bombenangriffes durch die Alliierten, kurz vor Kriegsende.

IG Stadtgeschichte – klingt historisch – ist trotzdem „Brauner Müll“

Im Aufruf der Nazis, der ja nachzulesen ist, werden zwei Drittel vom Zweiten Weltkrieg ausgeblendet. Geschichtlich kann man nichts Neues bieten. Kein Problem die Geschichte wird einfach umgedeutet – Deutschland ein Trauermeer, 65 Jahre nach Kriegsende.

Alte Nazis, Neue Nazis – scheißegal.

Propagandistisch stehen die Neuen ihren Vorbildern in nichts nach. Videobotschaft fürs Handy, Aufkleber für die Bushaltestelle, Text zum Vorlesen im nationalen Lesezirkel usw. Oberflächlich vom braunen Mief der deutschen Vergangenheit entstaubt, versucht man sich in ein kollektives Gedenken einzubringen

Die Nazis versuchen überregional zu mobilisieren, es gibt sogar eine Schlafplatzbörse. Zurzeit werden etwa 200 Nazis erwartet.

Seit einigen Tagen ist bekannt, dass die Chemnitzer Ordnungsbehörden den braunen Mummenschanz verboten haben. In einer Gefahrenprognose können Ausschreitungen im Zusammenhang mit dem rechten Trauerzug nicht ausgeschlossen werden. Sicherlich wurden die Ordnungsbehörden durch die Vorfälle in Dresden und in anderen Städten, bei denen von Nazis immer wieder Gewalt ausging, hellhörig. Bei einer ähnlichen Veranstaltung in Cottbus am 15.02.10 waren 50 Nazis angemeldet, 200 kamen. Auch hier kam es zu gewalttätigen Aktionen von Nazis.
Es bleibt abzuwarten inwiefern die Nazidemonstration verboten bleibt.

Eine eigene Art des Gedenkens praktiziert die Stadt Chemnitz seit fünf Jahren – den „Chemnitzer Friedenstag“.

Mit diversen Veranstaltungen in Chemnitz vor, während und nach dem 05.03.10, will man den Opfern der Bombenangriffe gedenken. Ob so viel Effekthascherei und Eventgedenken von Nöten sind, ist eine Frage die es hier nicht zu klären gilt. Eines bleibt aber noch zu sagen, so macht man es den Nazis auf jeden Fall nicht ideologisch schwerer, weil es doch auch beim städtischen Gedenken zu einer Relativierung der deutschen Kriegsschuld kommt – eine Bestärkung des deutschen Opfermythos.

„Das Tränenmeer trockenlegen – Wider den Chemnitzer Totenkult!“

Unter diesem Motto ruft die Antifaschistische Aktion Chemnitz (AAK) zu einer Demo am 05.03.2010 auf. Mit dieser Demonstration, die 16.00 Uhr am Hauptbahnhof in Chemnitz beginnt, will die AAK ihre Kritik am Chemnitzer Gedenken zum Ausdruck bringen.

Die ausführliche Kritik und den kompletten Aufruf lest ihr hier: AAK