Zur Erinnerung an Antifaschisten

Das vermutlich bekannteste Wahrzeichen des Vogtlandes ist die Göltzschtalbrücke bei Mylau. Sie gilt als größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Erbaut mit dem Schweiß der Arbeiterklasse. 31 Menschen kamen beim Bau des Monuments der „Industriellen Revolution“ ums Leben.

Von der Fertigstellung 1851 bis zur Eroberung der Brücke durch das antifaschistische Proletariat dauerte es 81 Jahre.

In der Nacht vom 12.03. auf den 13.03.1932 wurde sie zum vielleicht größten gemauerten Sinnbild antifaschistischen Kampfes im Vogtland. Bekannt ist jenes Geschehen an der Göltzschtalbrücke kaum noch – warum auch, denn es würde bedeuten, dass wir uns einmal mehr mit jüngerer deutscher Geschichte auseinandersetzen müssten.
Seit 2008 erinnert der Abguss einer 1974, anlässlich des 25. Jahrestages der DDR, angebrachten und 1990 verschwundenen Gedenktafel, unauffällig und abseits der Brücke, an jene Ereignisse im März 1932.

„Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler und wer Hitler wählt, wählt den Krieg – Wählt Thälmann!“

So lautete der Wahlslogan der KPD zur Reichspräsidentenwahl 1932. Sicherlich war Ernst Thälmann nicht der unumstrittene Arbeiterführer in Deutschland, wie er in der DDR dargestellt wurde. Aber er war die einzige wählbare Alternative für Antifaschisten zu Hindenburg 1932.

„Wählt Thälmann“ auf 574 Meter Länge und in 48 Meter Höhe.“

Abends um Neun trafen sich die acht Antifaschisten an der Arbeiterturnhalle in Mylau. Geplant war die Aktion schon seit einigen Tagen. Ihre Idee war es so die Wähler auf den Kandidaten der Kommunistischen Partei Deutschlands zur Reichspräsidentenwahl aufmerksam zu machen.

„Wir waren stolz darauf, dass Genosse Ernst Thälmann als Vertreter der Arbeiterklasse auf der Wahlliste stand.“

Sechs Stunden dauerte die Arbeit der Brückenmaler. Mit vor Ort angerührter Leimspezialfarbe, einer Leiter und Streichbürste bewaffnet, machten sich drei Mann von der Gruppe auf den Weg zur zweiten Brückenterrasse. Die restlichen Fünf standen im Tal „schmiere“.

„Von Pfeiler zu Pfeiler schafften die beiden anderen Genossen Farbeimer und Leiter, während ich auf dem nur Meter breiten Sims mit der Streichbürste hantierte.“

Zwei Mal drei Meter groß waren die Buchstaben, die an der Göltzschtalbrücke angebracht wurden. Heikel und gefährlich war die Arbeit im Schutz der Dunkelheit. Da es einen Pfeiler zu wenig für den Schriftzug gab, wurden die Buchstaben T H an eine Säule gemalt. Um Vier Uhr morgens am Wahltag war die Arbeit beendet.

„Noch am Wahlsonntag kamen viele Menschen nach Mylau, um sich dieses Meisterstück der Brückenmalerei anzuschauen.“

Reichspräsident ist Ernst Thälmann nicht geworden, doch die Stimmen die er bekam reichten aus, um die Wiederwahl von Hindenburg im ersten Wahlgang zu verhindern. Den Lauf der Geschichte vermochten jene jungen Kommunisten nicht aufhalten.

Zur Erinnerung an:

Fritz Bühring , Willy Dick
Hans Potzel, Sepp Prager
Franz Schmidt, Willy Schroth
Kurt Steinbach, Alfred Thom


2 Antworten auf “Zur Erinnerung an Antifaschisten”


  1. 1 Peter Giersich 20. März 2010 um 18:35 Uhr

    Liebe Elsterpiraten,
    Euer Beitrag über die mutige Tat der Mylauer Genossen in der Kampagne zur Reichspräsidentenwahl 1932 ist gut. Er würde noch etwas reicher, hättet Ihr erwähnt, dass die VVN-BdA Plauen im September 2008 die während der so genannten Wende „verschwundene“ Erinnerungstafel für diese Aktion durch eine Stele ersetzt hat.
    Und wenn Ihr ein oder mehrere Fotos zum Thema braucht – sie sind bei mir gespeichert, zum Beispiel ein Originalfoto von der Brücke mit Inschrift, ein Foto der entfernten Tafel oder auch ein Foto von der Einweihung der Stele.

    So viel

    Beste Grüße

    Peter

  2. 2 Unbekannt 30. Oktober 2010 um 12:19 Uhr

    Hallo Elsterpiraten,
    da ich ein Nachfahre von einem der Männer bin, die an dieser Tat beteiligt waren, möchte ich klarstellen, dass die Bezeichnung „Antifaschisten“ im geschichtlichen Zusammenhang stimmt.
    Die Bezeichnung „Kommunist“ trifft für meinen Großvater jedoch in keinster Weise zu, wesshalb die Inschrift der Stele bzw. Erinnerungstafel nicht zu 100% der Richtigkeit entspricht.

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