Alltäglichkeiten: Interview mit einer Schülerin

Seit Jahren ist in Greiz eine konstant hohe Konzentration rechtsextremen Gedankenguts in der Mitte der Gesellschaft zu verzeichnen.
Anfang Februar 2010 führten wir aus diesem Grund ein Interview mit Katja, Schülerin der 10. Klasse einer Greizer Schule

Hattest du schon mal Ärger mit Nazis?

„Ja, schon öfters. Da unsere Schule keine eigene Turnhalle hat, müssen wir zum Sportunterricht an eine andere Schule. Dabei müssen wir durch die halbe Stadt laufen. Auch ein Grund warum ich nicht gerne zum Sport gehe. Aber auch sonst ist es manchmal nicht einfach wenn man offen zeigt, dass man nicht Rechts ist“

Wurdest du schon auf dem Weg zum Sportunterricht angegriffen?

„Nicht direkt. Erst vor der Schule, dort stehen früh immer Nazis rum. Die gehen größtenteils da zur Schule. Wenn wir zu den Umkleideräumen wollen, müssen wir an denen vorbei. Da werde ich dann regelmäßig belabert und beschimpft.“

Gehen die alle in eine Klasse?

„Nein. Das geht ab der 8. Klasse los und zieht sich durch bis zur Zehnten. Die stehen früh da rum, hören Rechtsrock, rauchen und warten auf den Unterrichtsbeginn. Eine Freundin hat mir erzählt, dass die hier auch schon die NPD Schulhof CD verteilt haben.“

Die Lehrer bekommen nichts mit?

„Wie schon gesagt, wir haben da nur Sport, früh gibt es da keine Aufsicht oder sowas und erkennen kann man die auch oft nicht gleich. Im Gegensatz zu mir. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es die Lehrer im Schulalltag nicht mitbekommen.“

Was heißt das?

„An Äußerlichkeiten lässt sich das nicht festmachen. Wie Skinheads sehen die wenigsten aus. Doch so wie die reden und sich geben, müssten deren Lehrer das auch merken. “

Du sagtest vorhin, dass es auch so manchmal nicht einfach ist offen zu zeigen, dass man nicht Rechts ist. Wie meintest du das?

„Naja ganz einfach. Viele Möglichkeiten hat man nicht was in seiner Freizeit zu unternehmen. Da kommt es schon mal vor, dass man die Leute die einen früh vor der Schule angreifen auch woanders wieder trifft. Mir ging es mal so auf der Eisbahn in Greiz.“

Was ist da passiert?

„Ich wollte mit einer Freundin Schlittschuhlaufen, da war aber schon eine Gruppe Nazis vor Ort. Einige kannte ich vom Sportunterricht. Wir wurden belabert. Anfänglich waren die etwa zu Zehnt. Als wir gehen wollten waren es ungefähr 30, gezählt habe ich die nicht. Da waren auch andere Nazis dabei. Beim Gehen wurden wir bedroht mit “Euch kriegen wir noch“. Andere Gäste interessierten sich nicht für unsere Situation, obwohl sie es gesehen haben müssen.“

Danke für das Interview.

Name geändert. Orte teilweise nicht genannt.


2 Antworten auf “Alltäglichkeiten: Interview mit einer Schülerin”


  1. 1 notwendig 01. April 2010 um 21:18 Uhr
  2. 2 Oi 14. April 2010 um 17:09 Uhr

    Skinheads sind rechts ? ::::::::::Wie Skinheads sehen die wenigsten aus.::::::::::

    Anmerkung: In Interviews muss man sich an das halten was der Interviewpartner einem erzählt. Natürlich wollten wir nicht assoziieren, dass Skinheads gleich Nazis sind.

    Daher nehmen wir gerne zu diesem Thema Stellung.

    Uns als Medienkollektiv ist bewusst, dass die Skinhead Subkultur keine neonazistische „Vereinigung“ von braunen Hohlköpfen ist oder jemals war. Uns ist auch bewusst, dass die Vereinnahmung dieser Subkultur durch die extreme Rechte Englands in den 70′ger Jahren geschah. Damals wurden Skinheads zu Nazis und Nazis zu Skinheads,ein Punkt den man nicht vergessen sollte.

    Leider wurde und wird immer noch einseitig und falsch über die Subkultur berichtet.

    Ja, die Szene bietet wesentlich mehr als braune Parolen und nationalistischen Stumpfsinn. Aber ganz unpolitisch kann man nicht sein als Skinhead, Rassismus und Nationalismus gehören abgelehnt!

    In diesem Sinne, stay rude, stay rebel, stay sharp!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.