Archiv für März 2010

Reichenbach: Strafanzeige gegen Hausbesetzer

Die Deutsche Bahn AG hat Strafanzeige gegen die Freiraumaktivist_innen gestellt. Daher scheint eine gütliche Einigung zwischen Besetzern und Besitzern gescheitert. Wie die DB weiter mitteilte würde das betroffene Haus am alten Güterbahnhof rund um die Uhr von der Bundespolizei bewacht. Die Schlösser am Gebäude wurden auch bereits ausgetauscht. Mit der Anzeige verschärft die Deutsche Bahn AG die Lage der jungen Reichenbacher weiter.

Wie bei uns berichtet, wollten die jungen Leute auf den Leerstand und Verfall von Häusern in Reichenbach hinweisen. Ebenfalls versuchte man so zu zeigen, dass es an alternativen kulturellen Angeboten in der Stadt mangelt.

Einen Lichtblick gibt es?

Die Stadt Reichenbach bietet einige Gebäude nach dem Wächterhausmodell*, auf das sich die Hausbesetzer auch bezogen, an. Wer Interesse hat solle sich in der Stadtverwaltung melden, so die Pressesprecherin der Stadt. Inwiefern dies ein ernstgemeintes Angebot für die Reichenbacher Besetzer ist, bleibt noch zu prüfen. Ob sich so ein unabhängiges alternatives Kultur- und Wohnprojekt ins Leben rufen lässt, steht in den Sternen.
Auch Reichenbachs Neonaziszene meldete sich bereit zu Wort: „Man werde verhindern, dass die Zecken ein Haus von der Stadt bekommen.“

Wir werden euch weiterhin über die Situation in Reichenbach auf dem Laufenden halten. Solidarität ist eine Waffe. In diesem Sinne: Dieses Haus kann leben – überall im Vogtland!

* Wächterhäuser

Wächterhäuser sind leer stehende Gebäude, die Interessenten für eine vorübergehende Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Diese zahlen nur die Nebenkosten, übernehmen aber Reparaturen zur Instandsetzung. Bei den Nutzern handelt es sich oft um kulturelle und soziale Initiativen sowie Künstler. Das Grundprinzip der Wächterhäuser lautet: Hauserhalt durch Nutzung. Sie allein verhindert Vandalismus und grenzt Witterungsschäden ein, da sie von den Nutzern schnell entdeckt und behoben werden.

Zur Erinnerung an Antifaschisten

Das vermutlich bekannteste Wahrzeichen des Vogtlandes ist die Göltzschtalbrücke bei Mylau. Sie gilt als größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Erbaut mit dem Schweiß der Arbeiterklasse. 31 Menschen kamen beim Bau des Monuments der „Industriellen Revolution“ ums Leben.

Von der Fertigstellung 1851 bis zur Eroberung der Brücke durch das antifaschistische Proletariat dauerte es 81 Jahre.

In der Nacht vom 12.03. auf den 13.03.1932 wurde sie zum vielleicht größten gemauerten Sinnbild antifaschistischen Kampfes im Vogtland. Bekannt ist jenes Geschehen an der Göltzschtalbrücke kaum noch – warum auch, denn es würde bedeuten, dass wir uns einmal mehr mit jüngerer deutscher Geschichte auseinandersetzen müssten.
Seit 2008 erinnert der Abguss einer 1974, anlässlich des 25. Jahrestages der DDR, angebrachten und 1990 verschwundenen Gedenktafel, unauffällig und abseits der Brücke, an jene Ereignisse im März 1932.

„Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler und wer Hitler wählt, wählt den Krieg – Wählt Thälmann!“

So lautete der Wahlslogan der KPD zur Reichspräsidentenwahl 1932. Sicherlich war Ernst Thälmann nicht der unumstrittene Arbeiterführer in Deutschland, wie er in der DDR dargestellt wurde. Aber er war die einzige wählbare Alternative für Antifaschisten zu Hindenburg 1932.

„Wählt Thälmann“ auf 574 Meter Länge und in 48 Meter Höhe.“

Abends um Neun trafen sich die acht Antifaschisten an der Arbeiterturnhalle in Mylau. Geplant war die Aktion schon seit einigen Tagen. Ihre Idee war es so die Wähler auf den Kandidaten der Kommunistischen Partei Deutschlands zur Reichspräsidentenwahl aufmerksam zu machen.

„Wir waren stolz darauf, dass Genosse Ernst Thälmann als Vertreter der Arbeiterklasse auf der Wahlliste stand.“

Sechs Stunden dauerte die Arbeit der Brückenmaler. Mit vor Ort angerührter Leimspezialfarbe, einer Leiter und Streichbürste bewaffnet, machten sich drei Mann von der Gruppe auf den Weg zur zweiten Brückenterrasse. Die restlichen Fünf standen im Tal „schmiere“.

„Von Pfeiler zu Pfeiler schafften die beiden anderen Genossen Farbeimer und Leiter, während ich auf dem nur Meter breiten Sims mit der Streichbürste hantierte.“

Zwei Mal drei Meter groß waren die Buchstaben, die an der Göltzschtalbrücke angebracht wurden. Heikel und gefährlich war die Arbeit im Schutz der Dunkelheit. Da es einen Pfeiler zu wenig für den Schriftzug gab, wurden die Buchstaben T H an eine Säule gemalt. Um Vier Uhr morgens am Wahltag war die Arbeit beendet.

„Noch am Wahlsonntag kamen viele Menschen nach Mylau, um sich dieses Meisterstück der Brückenmalerei anzuschauen.“

Reichspräsident ist Ernst Thälmann nicht geworden, doch die Stimmen die er bekam reichten aus, um die Wiederwahl von Hindenburg im ersten Wahlgang zu verhindern. Den Lauf der Geschichte vermochten jene jungen Kommunisten nicht aufhalten.

Zur Erinnerung an:

Fritz Bühring , Willy Dick
Hans Potzel, Sepp Prager
Franz Schmidt, Willy Schroth
Kurt Steinbach, Alfred Thom

Saalfeld: Kundgebung zur menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen

Im Zuge des internationalen Antirassismustages findet am Freitag den 19.03.10 eine Kundgebung unter dem Motto „Für dezentrale Unterbringung aller Flüchtlinge“ in Saalfeld statt.

Die Kundgebung des Bündnisses für Dialog und Integration beginnt 14.00 Uhr.

Katzhütte, im Kreis Saalfeld – Rudolstadt, ist Thüringens bekanntestes Internierungslager für Flüchtlinge. Laut offiziellen Verlautbarungen wird es in absehbarer Zeit geschlossen. Unhaltbare Zustände herrschen hier – Menschenunwürdig.

Seit Jahren engagieren sich Menschenrechtsgruppen, Bürgerinitiativen, Antifaschistische Gruppen und Parteien für die Schließung solcher Lager und Gemeinschaftsunterkünften überall in Deutschland.

Auch in Greiz gibt es solche Gemeinschaftsunterkünfte für Menschen die Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Vertreibung suchen. Ein neuer Anfang – ganz woanders. Manchmal nur Zwischenstation auf dem Weg durch die Fremde.

Willkommen sind Flüchtlinge in Greiz nicht wirklich, aufgeteilt in zwei Einrichtungen, von außen schön bunt angestrichen, fristen sie unter teils miserablen Zuständen ihr Dasein.

12 Quadratmeter für eine Familie – Zwei Erwachsene, zwei Kinder. Gekocht wird woanders.

Kontakte zu Einheimischen sind rar, ein schüchterner Blickkontakt, ein zügiges Vorbeigehen. Wahrgenommen werden die Menschen aus der Fremde kaum, zu groß sind Ängste und Vorurteile.

Kostenfreie Deutschkurse, Unterstützung bei amtlichen Angelegenheiten oder einfach nur Freunde in der Fremde, alles Fehlanzeige. Sogar das Busgeld für ihre Kinder, damit diese Schulen besuchen können, müssen Flüchtlingsfamilien von dem wenigen Taschengeld, welches sie erhalten, bezahlen.

Weitere Infos zur Kundgebung in Saalfeld hier: Klick