Archiv für Juni 2010

Thüringen: Kurz notiert

Kaum eine Woche vergeht ohne Naziaktivitäten im „Freistaat“ die nicht erwähnenswert sind.

Anfang der Woche wurde bekannt, dass Thomas „Steiner“ Wulff (er könnte auch als schlechtes Ernst Thälmann Double durchgehen) neuer Chef vom Pößnecker Schützenhaus ist. Das „Gute“ an der Sache, für Pößneck ändert sich erst mal nichts. Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Genauso schnell verbreitete sich die Kunde, dass laut Thüringenmonitor die Anzahl rechtsextrem eingestellter Menschen in Thüringen zurückgeht. Noch mal Glück gehabt oder doch nicht?

Wie auch immer. Wir dokumentieren weiterhin fleißig.

In der Nähe von Saalfeld fanden sich am Samstag etwa 150 Neonazis und Hooligans zu einem Konzert der rechten Hooliganband „Kategorie C“ zusammen. Erst Ende letzen Jahres fand in Saalfeld und Umgebung ein Konzert von „Kategorie C“ statt. Vor wenigen Wochen fanden „Noie Werte“ den Weg in die Gegend.

Ganz wo anders fanden sich am Samstag, also gestern, ziemlich weit im Norden unseres schönen Bundeslandes, in der Nähe von Nordhausen mehrere Hundert alte und neue Nazis zu einer Sonnenwendfeier zusammen.

In Eisenberg gab es nur einige Hakenkreuzschmierereien laut MDR, nichts was einen Aufregen sollte.

In Kirchheim in der Nähe von Erfurt war ein Konzert mit mehreren Bands angekündigt. Naja auch die nächsten Wochenenden im Terminkalender der „Erlebnisscheune“ für Nazis sind gut gefüllt. Nächstes Wochenende NPD Landesparteitag, am 03.07.10 wiedermal ein „Treffen der Generationen“, für eine „würdevolle“ musikalische Untermalung werden Sleipnir sorgen.

Und und und, die Auftragsbücher der neonazistischen Erlebniskultur sind gut gefüllt.

Noch mal schnell zurück zum Wochenende, auch in Greiz, um nicht die Regionalität des Blogs zu vergessen, wurde letztes Wochenende ein Mensch während des Park und Schlossfestes von Nazis schwer verletzt.

Prognose: Weiterhin konstant hohes Niveau neonazistischer Aktivitäten und kollektiven Wegschauens.

Pößneck: Nazifest schlecht besucht

Gestern fand der 9. Thüringentag der nationalen Jugend in Pößneck statt. Während in den Vorjahren die eher regional ausgerichtete Musik- und Propagandaveranstaltung im Schnitt um die 300 Besucher hatte, stagnierten die Besucherzahlen in Pößneck bei ca. 100 Teilnehmern.

Von Anfang an stand der diesjährige sogenannte „Thüringentag der nationalen Jugend“ unter keinem guten Stern. Aber nicht, dass uns das Leid tun würde.

Ursprünglich in Ilmenau angemeldet, wurde im April die Anmeldung von den Organisatoren zurückgezogen. Anfang Mai gab es eine Neuanmeldung in Pößneck. Aber auch hier wurden die Veranstalter nicht glücklich. Schnell gab es innerhalb der Naziszene erste Querelen über die angekündigte Band Oidoxie, Redner und andere Gruppen sprangen ab. Fast dachte man das Braune Spektakel löse sich von selbst auf. Naja ganz so einfach ging es dann doch nicht.

Pfeifen gegen Rechts, Antifademo durch die Stadt.

Insgesamt beteiligten sich knapp 300 Menschen am Protest gegen das Nazifest am Rande der Stadt auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände.

Zu Konfrontationen zwischen Nazis und Gegnern kam es gestern wohl nicht. Einzig und alleine die Polizei sorgte kurzzeitig für eine Konfrontation mit den Teilnehmern der Antifademo. Fadenscheinige Gründe wie das Tragen eines Good Night White Pride T-Shirts und die damit angeblich verbundene Verherrlichung von Gewalt oder das zu hoch halten des Fronttranspis der Antifademo ließ einige Ordnungshüter zu altbekannter Hochform auflaufen. Es gab mehrere Anzeigen gegen Teilnehmer der Demo.

Auf Wurfweite eines guten Steineschmeissers entfernt, in Pößnecks Innenstadt, traf man noch einige Nazis die in Ruhe ihren Döner genossen. Auf Nachfrage beim Betreiber des Imbisses ob das immer so wäre, kam die kurze knappe Antwort: „Wenn ich die nicht dulde schlagen sie alles kurz und klein“.

Es bleibt viel zu tun – packen wir es an. Nationalismus und Rassismus bekämpfen, immer und überall.

Immer wieder Pößneck

Seit Jahren nutzen Neonazis Pößneck als Ort für Veranstaltungen. Dass dies nicht von ungefähr kommt, ist mittlerweile ja bekannt. Dass es für Deutschtümelei und latenten Nationalismus, eine hohe Toleranzgrenze gibt ist auch bekannt und das nicht nur in Pößneck.

Unzählige rechte Veranstaltungen gab es seit der „feindlichen“ Übernahme des Pößnecker Schützenhauses 2003. Genaue Zahlen oder ausführlichere Fakten zu erwähnen, ist wohl an dieser Stelle nicht angebracht.
Erstmals für überregionale Schlagzeilen sorgten Pößneck und das Schützenhaus 2005, als eine NPD Veranstaltung außer Kontrolle geriet.

Gerne könnte man sagen, mit Rieger kamen die Nazis. Doch schon vor Riegers besten „Immobilienkauf“ gab es in Pößneck eine aktive Naziszene.

An sich nichts Spektakuläres, deutscher Alltag.

Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende und der militärischen Vernichtung des Naziregimes, fragt man sich dann doch schon, wie es dazu kommt das Nazis in Pößneck den „9. Thüringentag der nationalen Jugend“ feiern können.

Militärisch besiegt, heißt nicht gleich Ideologisch.

Schlecht war damals nicht alles, wer den Preis für die „deutsche Treue“ heute weiterhin ausblendet, kann gut leben mit der Lüge, der Lüge vieler Generationen. Totschweigen, Ignorieren und Wegschauen helfen nicht Nationalismus und Rassismus zu bekämpfen. Es muss klar werden, dass solche Attribute nicht Teil einer Gesellschaft sein sollten.

Zurück nach Pößneck.

Am 12.06.10 dürfen Nazis mal wieder geschützt durch deutsches Recht, ihre unrechte Ideologie zelebrieren.

Gerichtlich verhindern lässt sich die Veranstaltung nicht, doch Protest dagegen muss es geben. Immer und immer wieder.

Das Recht der Nazis in Deutschland, ihre Menschenverachtende Ideologie öffentlich ausleben zu können, sollte teuer mit Steuergeldern und unserer Freizeit erkauft sein.

Am 12.06. auf nach Pößneck, die Tristesse provinziellen Alltags beleben.

Antifaschistische Demo am 12.06.10, 11.00 Uhr in Pößneck, Treffpunkt: Oberer Bahnhof