Gera: Nazifest nicht verhindert

So oder ähnlich dürfte wohl die extrem verkürzte Bilanz zu den Gegenaktivitäten des NPD Spektakels am 10.07.10 in Gera ausfallen.

Daher auch erst mal die nüchternen Fakten.

Bis zu 1000 Nazis, mehr als 1000 Gegner und weit mehr als 1000 Polizisten. In Gera galt kategorisch der Ausnahmezustand. Die Geraer die sich für den ganzen „Rummel“ nicht interessierten, mussten viel Geduld mitbringen. Nicht vergessen möchten wir die arme Polizei, deren Ausrüstung inklusive Helm und Schutzpanzer bis zu 20 Kilo wog.

Viele angemeldete Kundgebungen, wenige Infos und leider zu wenig Menschen um erfolgreich zu blockieren.

Insgesamt gab es 6 angemeldete Kundgebungen und eine Veranstaltung. Der Ticker funktionierte leider recht spät. Da standen bereits die ersten Blockaden, am Schlachthofsteg und der Heinrichsbrücke. Sicherlich ist das Nazifest nicht verhindert worden – aber es ging ja auch um mehr.

Das Bild von „Randalierenden Linken Horden“, ist wohl nicht haltbar.

So viele Menschen, egal ob aus Gera oder nicht, haben Geras Straßen schon lange nicht mehr gesehen, wenn es darum geht Nazifeste zu verhindern.
Auch nicht die Verkäuferin am Bäckerstand im Baumarkt in der Nähe des Schlachthofsteges. Verständnis hatte sie schon dafür, dass die Leute gegen die Nazis auf die Straße gehen oder sich einfach mal hinsetzen. Nur leider blieben ihr die Kunden aus.

Dass das aber zum taktischen Konzept der Polizei gehörte, konnte sie nicht wissen.
Nicht das man ihr die Kunden „ausspannen“ wollte, es ging eher viel mehr darum Nazigegnern den legalen Zugang zu den angemeldeten Kundgebungen zu verwehren.

Eigentlich ein Grundrecht in Deutschland, in Gera aber nur für Nazis gültig. Die Antwort auf die Frage, „Ob Sie sich hingesetzt hätte“, müssen wir schuldig bleiben.

Das Problem sind nicht die Nazis, in etwa so hieß es vor dem 10.07. in der Gefahrenprognose der Polizei und im offiziellen Auflagenbescheid. Ein Witz – kein Guter.

Der Objektivität folgt oft ein subjektives Bild.

Wer nicht aus Gera kommt, für den dürfte der „Schlachthofsteg“ wohl kein Begriff sein. Außer es verschlug einen am Samstag dahin.
Für die die sich nichts darunter vorstellen können, der „Schlachthofsteg“ ist eine aus Beton gefertigte Überquerung für Fußgänger, über die „Weiße Elster“. Am letzten Samstag ein strategisch wichtiger Punkt.

2009 wurde hier ein Großteil der Nazis zur Spielwiese geleitet.

Nervöse Polizei, Entspannung auf der Blockade.

In den späten Morgenstunden schien es so, als ob der „Schlachthofsteg“ abgeräumt werden sollte. Starke Polizeikräfte wurden um die Blockade zusammengezogen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehrere Hundert Menschen auf und um die Blockade. Zu einer Räumung kam es nicht, sicherlich auch der Entschlossenheit der Blockierer geschuldet.

Abgeschirmt von der Polizei, war es nahezu unmöglich andere Blockaden effektiv zu unterstützen. Von uns geht keine Gewalt aus. Ein Grundkonsens an diesem Tag.

Für Spaß auf der einen und Anspannung auf der anderen Seite sorgte das am Schlachthofsteg gegründete „Antifa-Schwimmteam“. Man nutzte den einzigen, nicht durch die Polizei blockierten, Weg – den über die „Weiße Elster“. Symbolisch, durch die Übergabe der Antifa-Fahne, wurden Antifaschisten und Blockierer an der Heinrichsbrücke unterstützt.

Am Nachmittag, nach Auflösung aller Blockaden gab es noch einen Sternenmarsch in die Geraer Innenstadt.

Es geht um mehr!

Eine Gesellschaft verändert sich nicht nur durch das Verhindern von Nazifesten.