Archiv für August 2010

Altenburg: Naziaufmarsch konnte ungehindert stattfinden

Gestern, am frühen Abend, versammelten sich etwa 100 Neonazis aus dem Umfeld des „Freien Netz“ zum jährlich stattfindenden „Protestmarsch“ in Altenburg. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gestand man den Neonazis dieses Jahr nur eine recht unattraktive Strecke durch Altenburg-Nord zu. Ob dies im direkten Zusammenhang mit in den Vorjahren stattgefundenen Angriffen von Neonazis auf ihre Gegner und die Polizei steht, kann nicht bestätigt werden.

Ein Protest gegen den Neonaziaufmarsch fand nicht statt. Man bekam eher das Gefühl das dieser Aufmarsch mittlerweile zum Alltag gehört. Nur eine Frau regte sich über die Neonazis auf, was sicherlich auch ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit an diesem Abend im Plattenbaugebiet geschuldet ist.

Unser persönlicher „Dank“ gilt der Thüringer Bereitschaftspolizei, die mit beherztem Eingreifen, sprich einer endlos Personenkontrolle, eine Dokumentation des braunen Mummenschanzes zu verhindern wusste.

Zum Schluss ein Zitat vom Freien Netz Altenburg

„Dem Dauerregen trotzend marschierten heute nationale Sozialisten ohne Gegenwehr für die Meinungsfreiheit durch Altenburg!“

Dieses Zitat findet man unter dem Tag „hesswochen“. Soviel dazu wem ganz legal in Altenburg gedacht werden kann.

Quelle Foto: Recherche Ost – 2009

Altenburg: Normalzustand in Thüringen

Ein weiterer brauner Fleck in Thüringen ist Altenburg.

2008 sah das noch ganz anders aus. Das 2005 erstmals in Jena stattgefundene „Fest der Völker“ zog nach Altenburg und das Medien wirksam. Auf einmal bekam die halbe Welt mit was in Altenburg los und wie nazifiziert doch die ostdeutsche Provinz ist.

2010 – der Kalender steht auf vor 2008.

Wer ganz aktuell Infos über Naziaktivitäten oder dazugehörigen Gegenaktivitäten haben möchte, findet keine.
Auf der MySpace Seite des Altenburger Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus heißt es in der Kurzinfo über das Bündniss:

„Das Altenburger Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus bereitet weitere Aktionen vor. Wer Interesse an einer Mit- oder Zusammenarbeit hat kann sich jederzeit an den Kreisjugendring wenden!“

Auch auf der offiziellen Homepage des Altenburger Aktionsbündnisses gibt es keine Hinweise auf eine Tätigkeit. Weder eine Stellungnahme zum Neonaziaufmarsch am 17.08.10, noch einen Aufruf zu Gegenaktivitäten. Auch die telefonische Nachfrage bei einem Mitglied des Aktionsbündnisses „Ob man was gegen den Naziaufmarsch am 17. unternehme“ wurde verneint. Geplant ist nichts, so die Stimme am anderen Ende der Leitung.

Ebenso beim KUK (Kontakt- und Koordinierungsstelle gegen politischen Extremismus im Altenburger Land), auch hier stehen alle Räder seit Anfang 2010 still. Die Kontakt- und Koordinierungsstelle wurde Ende 2008 aufgrund steigender neonazistischer Aktivitäten in der Region ins Leben gerufen. Anfang 2009 wurde das Büro eröffnet.

Auf eine Chronik bisher öffentlich gemachter extremistischer Straftaten möchten wir an dieser Stelle verweisen.

Beenden möchten wir den Blogeintrag mit einem Zitat von der Homepage des KUK:

„Da die Förderung für das Haushaltsjahr 2010 nicht bewilligt wurde ist die KUK personell zur Zeit unbesetzt.
Wir bedauern dies und sind enttäuscht über die Nichteinhaltung der Versprechen aller im Kreistag vertretenen Parteien, die KUK auch nach der Wahl 2009 finanziell zu unterstützen.“

Altenburg: Nazidemo am 17.08.2010 geplant

Für den 17.08.10 rufen das Freie Netz Altenburg, sogenannte „Nationale Sozialisten Altenburger Land“ und die NPD zu einer gemeinsamen Demo in der Ostthüringer Stadt Altenburg auf.

Der vordergründige Anlass im Abriss

In der Nacht vom 16.08. auf den 17.08.2004 klebten Neonazis in Altenburg Plakate auf denen Rudolf Heß verherrlicht wurde. Während der Festnahme löste sich ein Schuss aus einer Polizeiwaffe und verletzte einen der Neonazis am Oberarm.
Bereits wenige Stunden nach dem Vorfall marschierten mehr als 100 Neonazis durch die Stadt.

Abriss Ende.

Der versehentlich gelöste Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizisten wird instrumentalisiert – aus einem Märtyrer werden Zwei.

Für die Neonazis eindeutig ein Glücksfall. Denn so kann man ganz legal an einem brisanten Datum marschieren ohne dabei den Namen Rudolf Heß überhaupt in den Mund nehmen zu müssen. In der Vergangenheit traten schon mehrere bundesweit bekannte Neonazis als Redner auf.

2004, 2005, 2006, 2007, 2008 und 2009 marschierten Neonazis durch Altenburg. Auch 2010 wird es wohl wieder so sein.

Zu größeren Gegenprotesten wird es wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht kommen.