Archiv für Dezember 2010

Warum man tut, was man tun muss

Seit einigen Jahren setzen wir uns intensiver mit der neonazistischen Szene im Vogtland auseinander. Früher hat uns das nicht interessiert. Wie viele andere waren wir zwar schockiert, wenn mal wieder was über Neonazis in der Zeitung stand. Fähig zu handeln waren wir jedoch nicht.
Im Laufe der letzten Jahre verstanden wir, dass es nicht reicht nur kein Nazi zu sein. Nichts dagegen zu tun und still zu akzeptieren, dass sich die Geschichte zu wiederholen droht, das wollen wir nicht hinnehmen.

Seit den 90ziger Jahren gibt es bei uns im Vogtland eine stetig wachsende Anzahl von Angriffen auf Andersdenkende, Migranten und politische Gegner durch Neonazis. Immer wieder gab es Schlagzeilen über Brandanschläge auf Asylbewerberheime, Gewalttaten gegen Punks und Andere, die im neonazistischen Weltbild keinen Platz haben. Auch strukturell hat sich die Rechte Szene in den letzten 20 Jahren bei uns in der Provinz weiterentwickelt. Aus den anfänglichen „Skinhead Cliquen“ entstanden gefestigte und ideologisch überzeugte „Braune Kameradschaften“ mit guten Verbindungen zur NPD.

Öffentliche Diskussionen über rechte Gewalt und nationalistische Tendenzen in der Gesellschaft ebben schnell ab, wenn sich das Problem vermeintlich auflöst. Neonazistisches Gedankengut ist keine Randerscheinung mehr. Nationalismus und Rassismus sind gesellschaftliche Probleme, doch darüber machen sich die wenigsten Gedanken.

Uns geht es darum anderen Mut zu machen nicht immer nur Opfer zu sein, sondern auch Gegner. Aber auch um zu zeigen, dass es immer Menschen geben wird die sich nicht von antisemitischen, rassistischen und völkischen Ideen vereinnahmen lassen.

Beeinflusst wird unser Tun und Handeln durch die vielen anderen Antifaschisten, die zum Teil ihr Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus lassen mussten. Ihr Kampf gegen das unmenschliche nationalsozialistische Regime und ihre entschlossene Haltung gegen Imperialismus und Kapitalismus sind unser Ansporn.

Thüringen: Nazikonzert bei Saalfeld

Wir dokumentieren einen Text der Antifaschistischen Aktion Saalfeld.

Am Samstag, den 04. Dezember 2010, fand im Vereinshaus des Motorradclub „Red Devils“ zum wiederholten Male ein Nazi-Konzert statt. Vor ca. 120 Nazis spielten die Bands „Frontalkraft“, „Ostfront“ und „Kinderzimmer-Terroristen“.

Der Veranstaltungsort
Die „Red Devils“ bilden einen Unterstützerclub der „Hells Angels“. Rechte Konzerte im Vereinshaus der „Red Devils“ dem sogenannten „Alten Labor“, Am Silberberg 6 in 07333 Unterwellenborn, sind keine Seltenheit. Am 15. Mai 2010 spielten „Noie Werte“ vor ca. 75 Nazis. Auch gehören „Kategorie C“ seit Jahren zu den Stammgästen der Rocker. Das nächste Konzert der „Hungrigen Wölfe“ im MC ist am 11. Dezember 2010 geplant. Neben den Rechtsrock-Konzerten steht das „Alte Labor“ als Veranstaltungsort für verschiedene Genres wie Elektro, Death Metal, Oi bis hin zu einer Böhse-Onkelz Cover-Band offen. Von der örtlichen Gemeindeverwaltung werden die rechten Konzerte nie verboten oder öffentlich thematisiert. Lediglich die laschen Polizeikontrollen an den Zufahrtsstraßen zum entlegenen Club stören die Nazis und deren Sympathisant_innen bei ihren Veranstaltungen.

Der Anmelder
Steffen Richter meldete das Solidaritätskonzert für das Braue Haus in Jena am 04. Dezember 2010 als seine Geburtstagsfeier an. Organisiert wurde das Konzert von dem aus Gorndorf bei Saalfeld stammenden und inzwischen im „Schützenhaus“ in Pößneck gemeldeten Richter in Zusammenarbeit mit dem „FN Jena“. Seit mehreren Jahren tritt er als Anmelder für Nazi-Konzerte in Saalfeld und Umgebung in Erscheinung. Dieses Jahr meldete er unter Anderem den „Thüringentag der nationalen Jugend“ am 12. Juni 2010 in Pößneck an. Bei den letztjährigen Landtagswahlen kandidierte Richter als Direktkandidat für die NPD im Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt I und erhielt 6,4 % der Erststimmen und 5,9% der Zweitstimmen. Außerdem stellt er einen tonangebenden Teil des FN Saalfeld, welches seit Juli 2010 durch eine Homepage in Erscheinung tritt, dar.

Altenburg: Nazidemo am 18.12.10 geplant

Für den 18.12.10 ruft ein ominöses Bündnis zu einer Demo in Altenburg auf. Selber nennt sich die Gruppe „Vereinigung Kameradschaft und Loyalität“. Weder das „Freie Netz“ noch andere aktive Neonazis unterstützen bisher den Aufruf. Ob es am peinlichen Motto „Kinderschänder sind nicht therapierbar und Todesstrafe für Kinderschänder!“liegt, ist Spekulation.

Die letzte Nazidemo fand am 17.08.10 in Altenburg statt. Wie ja bekannt ist gab es da keinerlei Gegenprotest. Über Gegenaktivitäten zu der in zwei Wochen angekündigten Demo ist bisher nichts bekannt.