Archiv für Juli 2011

Wunsiedel: Drei Stunden stehen – für eine Stunde marschieren

„Nationaler Sozialismus – Jetzt, jetzt, jetzt“ hallte es durch die Innenstadt von Wunsiedel, in die heute 250 Neonazis aus Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt am frühen Nachmittag kamen.

„Fremdarbeiterinvasion stoppen“ – das Motto der Demo, wenn auch nicht offiziell wollten NPD und Freies Netz Süd so gegen die Auflösung des Grabes von Rudolf Heß vor wenigen Tagen protestieren. In den Auflagen der Stadt Wunsiedel wurde darauf hingewiesen, dass jeglicher Bezug zum ehemaligen Bruchpiloten und Hitlerstellvertreter zu vermeiden sei. Kein Problem für die Neonazis Themen gibt es ja genug.

„Nie wieder Israel, Ruhm und Ehre für das deutsche Volk“. Ob mit oder ohne Heß-Grab in Wunsiedel ihre Parolen bleiben die Gleichen – antisemitisch und menschenfeindlich. Ob sich der still gehegte Wunsch, dass wenn das Grab verschwunden ist auch die Neonazis fern bleiben, erfüllt, wer weiß.

Für eine so kurzfristige Anmeldung, nach Auflösung des Grabes am 20. Juli, muss man den Neonazis doch einen Mobilisierungserfolg attestieren. Vertreten war das gesamte braune Spektrum, wobei der Altersdurchschnitt sicherlich bei unter 30 Jahren lag. Auch die neonazistische RNJ Vogtland war mit demselben Transparent wie letzten Sonntag in Rodewisch vertreten.

Bild Eins: Treffpunkt der Neonazis am Busbahnhof Wunsiedel

Bild Zwei: Blick auf die Neonazidemo

Rodewisch/Vogtl. – Spontaner Naziaufmarsch am letzten Wochenende

Etwa 30 mit Masken vermummte Neonazis marschierten am Sonntagnachmittag (24.07.) über die Kirmes in der vogtländischen Kleinstadt Rodewisch. Sie skandierten demokratiefeindliche Parolen und verteilten Flugblätter. Auf einer regionalen Nazihomepage betitelte man den Aufzug als „Die Unsterblichen zu Besuch im Vogtland“.

Die Aktionsform der „Unsterblichen“ ist ein relativ erfolgreicher Versuch von Neonazis in verschiedenen Städten mit kleineren Propagandaaktionen für Furore zu sorgen. Erklärtes Ziel der losen nicht an die NPD gebundenen Gruppe ist der „Kampf zur Erhaltung des deutschen Volkes“. Gerade jetzt nach dem Attentat und Massaker in Norwegen zeigt sich wie groß die Gefahr ist, die von solchen unreflektierten und unkontrollierbaren Propagandafloskeln ausgeht.

Verantwortlich für die Nazidemo in Rodewisch ist die RNJ (Revolutionäre Nationale Jugend), eine relativ neue Neonazigruppierung im Vogtland mit guten Verbindungen zum sogenannten „Freien Netz Süd“. In den letzten Monaten gab es bereits einige öffentliche Aktionen der RNJ.

Unteranderen störte die Neonazigruppe eine öffentliche Gedenkfeier anlässlich der Bombardierung Plauens am 10.04.11 und führte mit etwa 120 Teilnehmern am 16.04.11 einen „Trauermarsch“ in Plauen durch. Weiterhin wurden am 01.05.11 mehrere Transparente in Plauen aufgehangen auf denen gefordert wurde „Fremdarbeiterinvasion stoppen“. Am selben Tag fand in Heilbronn eine Nazidemo unter selbigen Motto statt, an der sich auch einige Mitglieder der RNJ beteiligten. Am 08.05.11 störte die RNJ die Gedenkveranstaltung zum Tag zur Befreiung vom Hitlerfaschismus auf dem Plauener Hauptfriedhof. Auch in Reichenbach tauchten am 08.05.11 Transparente auf die den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus diffamierten.

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