Hannie Schaft – eine Antifaschistin unter Antifaschisten

Geboren wurde sie am 16. September 1920 in Haarlem, Niederlande und ermordet am 17. April 1945 in Bloemendaal, Niederlande. Mit bürgerlichen Namen hieß sie Jannetje Johanna Schaft. Der Name Hannie war ihr Deckname in der holländischen Widerstandsbewegung.

Nach der Annexion der Niederlande durch Nazideutschland 1940, bildete sich nur langsam Widerstand gegen die deutschen Besatzer heraus.

Die Situation in den Niederlanden während der deutschen Besatzung schildert Dr. H. Fühner im Jahr 2007 so:

„Denn auf der einen Seite blieb die niederländische Bevölkerung für die Ideologie des Nationalsozialismus insgesamt unempfänglich. Deutsche Lageberichte aus der gesamten Kriegszeit weisen dies überdeutlich aus. Auf der anderen Seite reichte die Haltung der Mehrheit nicht über Resistenz hinaus. Den meisten ging es darum, die Besatzungszeit unbeschadet zu überstehen und soweit möglich einen halbwegs normalen Alltag aufrecht zu erhalten. Der Widerstand fand erst mehr Anhang, als die Kriegslage sich gegen die Deutschen wendete und die Gefahr in Form des Arbeitseinsatzes auch für die Normalbevölkerung real wurde. Ein Großteil der Juden war zu diesem Zeitpunkt bereits deportiert worden. So müssen für ein Bild der Besatzungszeit zwar durchaus auch Schwarz und Weiß Verwendung finden. Aber dominierend muss, wie von Chris van der Heijden zurecht konstatiert hat, doch Grau sein.“

Hannie Schaft, die zur Zeit des Überfalls auf die Niederlande in Amsterdam Jura studierte, wendete sich von Anfang an gegen den Nationalsozialismus. Ihre Geisteshaltung lässt sich mit der Erziehung im Elternhaus, hier wurde über die Situation in Deutschland aber auch über das erstarken der Nationalsozialisten in der Heimat gesprochen und in ihrer Freundschaft zu niederländischen Juden begründen.

Nach der Besetzung der Niederlande, begannen die Deutschen zügig ihre nationalsozialistische Rassenideologie umzusetzen. Vereinzelter Widerstand, wie der Februarstreik von 1941 in Nordholland, der nach einer der ersten großen Verschleppungsaktionen von Juden in deutsche Konzentrationslager begann, wurde von den Nazis erbarmungslos niedergeschlagen.

Der bewusste Weg in den offenen Widerstand gegen die Besatzer und ihre niederländischen Helfer begann für sie spätestens nachdem sie aufgefordert wurde eine Loyalitätserklärung für die Nationalsozialisten zu unterschreiben.

„Wenn es sein muss mit Waffen und Gewalt “, Hannie Schaft reichte es nicht Juden und andere Verfolgte mit falschen Papieren, Geld, Lebensmittelkarten und halbwegs sicheren Quartieren zu versorgen.

Sie beteiligte sich an verschiedenen Sabotageaktionen. So auch an einer versuchten Sprengung des Elektrizitätswerkes in Velsen, nahe der von der deutschen Wehrmacht zur Festung ausgebauten Einfahrt zum Nordseekanal, der Amsterdam mit dem offenen Meer verbindet. Ihre Widerstandsgruppe liquidierte auch Kollaborateure. „Wir hatten keine Gefängnisse, es gab daher keine andere Lösung.“ berichtete Truus Oversteegen eine Kampfgefährtin.

Jannetje Johanna „Hannie“ Schaft, auch bekannt als das „Mädchen mit den roten Haaren“ wurde kurz vor Kriegsende eher zufällig am 21.03.1945 während einer Routinekontrolle verhaftet – Ihre, zur Tarnung schwarz gefärbten Haare nützen nichts.

Beerdigt wurde sie zusammen mit 372 männlichen Widerstandskämpfern in den Dünen bei Bloemendaal. Insgesamt wurden in den Dünen die Leichname von 422 Widerstandskämpfern gefunden.

Bild 1 und 2: Verzetsmuseum Amsterdam
Bild 3: Eerebegraafplaats Bloemendaal