Archiv für August 2011

Kurz notiert

Geithain und Roden-Ansbach zwei Orte in unterschiedlichen Bundesländern, doch was beide Ortschaften am 13.08.11 einte ist die Tatsache, dass in beiden Gemeinden eine neonazistische Musikveranstaltung stattfand.

In Geithain/ Sachsen versammelten sich etwa 100 Neonazis zum sogenannten „Tag der Identität“ einem legalen Rechtsrockkonzert mit politischen Hetzreden, ähnlich funktionierte das Prinzip auch im bayrischen Roden-Ansbach, hier versammelten sich zum 4. „Nationalen Frankentag“ bis zu 300 Neonazis.

Bei beiden Veranstaltungen wurden die Erwartungen der Organisatoren nicht erfüllt, die Teilnehmerzahlen blieben weit hinter den Annahmen zurück. Der Trend schwindender Teilnehmerzahlen bei solchen Events zeichnet sich schon länger ab. Auch beim „Rock für Deutschland“ vor wenigen Tagen in Gera bestätigte sich der Teilnehmerschwund. Von den erwarteten knapp 2000 Neonazis kamen nur etwa 500.

In einschlägigen Foren wird derweil heiß diskutiert wo die Ursache der Misserfolge liegt. Galten doch in der Vergangenheit solche neonazistischen Musikveranstaltungen auch als sichere Geldbeschaffungsquelle für rechte Szene und NPD. Eine Ursache dürfte das immense Überangebot an rechtlich nicht zu beanstandenden Neonazievents sein. So beschwert sich ein User in einem solchen Forum, dass man fast jedes Wochenende quer durch Deutschland reisen könnte um irgendein Termin wahrzunehmen. Noch schlimmer sind die Überschneidungen für allgemein in der rechten Szene angesehene Pflichttermine. Wie kürzlich beim „Rock für Deutschland“ und dem Trauermarsch in Bad Nennendorf.

Doch auch Gegenproteste tragen dazu bei, dass immer weniger Neonazis zu solchen Events überregional anreisen. Die Gefahr gar nicht erst zum Konzert zukommen ist in den letzten Jahren gestiegen. Aber alleine an be- bzw. verhinderten Nazifesten sollte man sich nicht messen. Es geht um mehr.

Jena: Wir sind alle „§ 125“

Mehr als 400 Menschen versammelten sich gestern Nachmittag vor der Jungen Gemeinde in Jena. Hintergrund der Kundgebung mit anschließender Demo war eine am Morgen des 10.08.11 stattgefundene Hausdurchsuchung in den Diensträumen des Jenaer Stadtjugendpfarrers Lothar König. Ihm wird von den sächsischen Behörden zur Last gelegt aufwieglerischen Landfriedensbruch während der Gegenaktionen zum Naziaufmarsch am 19.02.11 begannen zu haben. Mittlerweile haben fast alle großen Medienanstalten und auch Zeitungen über den sächsisch/ thüringischen Skandal berichtet. Empfehlen möchten wir die Homepage von Katharina König die Homepage der JG Jena hier sind alle Infos schön aufgelistet. Ebenfalls sehr lesenswert ist ein dazu bei Indymedia erschienener Artikel.


Ersatz-Lauti aus Gera.


Zwischenkundgebung – Alle dachten was die Rednerin aussprach. Die Empörung über die Art und Weise wie Lothar König, stellvertretend für alle NazigegnerInnen, von deutschen Behörden kriminalisiert wird, war den Demonstrierenden anzusehen.


Betroffen ist einer, gemeint sind wir Alle!

Wunsiedel: Es kommt noch schlimmer

Für kommenden Samstag hat der ostthüringer Rechtsextremist C. Bärthel einen Gedenkgottesdienst für Rudolf Heß in der oberfränkischen Stadt angemeldet. Erst vor anderthalb Wochen marschierten etwa 250 Neonazis durch Wunsiedel als Reaktion auf die Entfernung des Grabes von Rudolf Heß auf dem örtlichen Friedhof.

Ob dieser himmlische Einfall reicht, um noch mal an den zweiten Mann der Nazidiktatur zu erinnern, muss die Stadtverwaltung Wunsiedel entscheiden.

Unumstritten ist der Anmelder im Rechten Spektrum nicht aber auch nicht unbekannt. In Neonaziforen wird zurzeit lebhaft über den angekündigten Gedenkgottesdienst diskutiert – kein Parameter für Teilnehmerzahlen.

Bärthel ist „bunt“ wie die Rechte nur sein kann – vom Reichsbürger bis zum Neonazi. Über Jahre engagierte er sich in seiner Geburtsstadt Ronneburg, offiziell arbeitete er zuletzt, 2007, für den sächsischen NPD Landtagsabgeordneten Klose. Dieser ist mittlerweile zwar nicht mehr Mitglied des sächsischen Landtages und der NPD aber immer noch Neonazi.

Update: Die Stadt Wunsiedel hat den von Christian Bärthel auf dem Marktplatz angemeldeten „Gedenkgottesdienst“ für Hitlers Bruchpiloten verboten.