Archiv für Oktober 2011

Alltäglichkeiten: NPD Kundgebung am Wochenende

Für kommenden Samstag (29.10.11) plant die NPD in Plauen eine Kundgebung abzuhalten. Der Kundgebungsplatz befindet sich in der Nähe des Ortes an dem am Freitag, dem 14.10.11, Migranten von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes angegriffen wurden.

Bekannt gemacht hat die Anmeldung einer Infokundgebung in der Innenstadt Plauens, die NPD. Es war auch nicht anders zu erwarten, dass die NPD aus unübersichtlichen Fakten einer Auseinandersetzung zwischen Gruppen, vor einer Plauener Diskothek, Kapital schlägt. Bereits Anfang dieser Woche kündigte die NPD an, ein Flugblatt in Plauen verteilen zu wollen. Inhaltlich setzt sich der Flyer mit sogenannter „Ausländerkriminalität“ auseinander. Zitat: Die NPD fordert eine sofortige Abschiebung der Gewalttäter“. Vorurteilen in der Bevölkerung leistet man natürlich so Vorschub, gewollt.

Ganz glücklich waren die ersten Berichte in der lokalen Presse nicht, dem Zeitungsleser entstand ein Bild welches man eigentlich so nur in der Boulevardpresse zu lesen bekommt. Alltäglich sind solche Situationen nicht, viel alltäglicher ist doch der Rassismus der Flüchtlingen bei uns entgegen schlägt.

Vorsichtig gesagt hat die Polizei mit einer gestrigen Pressemeldung noch Oel ins Feuer gegossen. Neben der NPD hat auch die lokale Presse heute die Meldung aufgenommen. Warum in der polizeilichen Pressemitteilung besonders auf den Täter hingewiesen wurde, der Migrationshintergrund hat, ist unklar. In einem Radiointerview mit Radio Corax berichtete die „Antifaschistische Gruppe Vogtland“ von einem Überfall auf einen jungen Mann mit Migrationshintergrund Ende September. Es gibt zwar eine Polizeimeldung, dass ein junger Mann Ende September überfallen wurde, nur ohne entsprechenden Herkunftshinweis von Opfer und der Tätern. Warum oft auf den Migrationshintergrund hingewiesen wird, wenn es sich um Täter handelt und nicht um Opfer, erscheint uns fragwürdig.

Das öffentlich gezeichnete Bild ist stereotyp und verzerrt. Erinnerungen an eine Zeit in der „Andere“ für Probleme verantwortlich gemacht werden sollen sind gegeben, zumindest geistig.

Gera: Auf zum Ratschlag 2011

In drei Wochen am 04. und 05.11. findet in Gera zum 21. Mal der antirassistische und antifaschistische Ratschlag Thüringens statt. „Wir haben genug – genug zu tun!“, unter diesem Titel kehrt der Ratschlag nach 10 Jahren in die ostthüringer Provinz zurück. Bereits im Jahr 2001 fand ein Ratschlag in Gera statt.

Eine erste Veranstaltung des Ratschlags wird es dieses Jahr bereits am 03.11. geben. Im Rahmen der Bildungsreihe am Donnerstag (bad) wird die Dokumentation „Das Hoyerswerda Syndrom“ gezeigt. Seit etwa einem Jahr bietet das bad-Projekt Gera regelmäßig Vorträge zu unterschiedlichen Themen.

Am 04.11. wird es einen Mahngang geben, beginnen wird dieser 17.00 Uhr am Sachsenplatz. Der eigentliche Ratschlag findet am 05.11. im Geraer Zabel – Gymnasium statt. Workshops und Vorträge zu unterschiedlichen Themen, wie die Unterstützung von Flüchtlingen bei Behördengängen oder der Vorstellung des Konzeptes der medizinischen Selbsthilfe bei Demos bis hin zu einem Vortrag über Nazihardcore in Thüringen, gibt es hier ab 9.00 Uhr. Vollständig lässt sich das Programm auf der Homepage des Ratschlags nachlesen. Seinen Abschluss findet der diesjährige Ratschlag mit einem Hip Hop Konzert im Sächsischen Bahnhof.

Grund genug, einmal bei einem der Mitorganisatoren des 11. Ratschlags der 2001 in Gera stattfand an die Tür zu klopfen und ein paar Fragen zu stellen.

Finden Sie es wichtig, dass der Ratschlag nach 10 Jahren wieder nach Gera kommt?

Ja, ich finde es wichtig, dass der Ratschlag wieder in Gera ist.

Was hat Sie als einen der Mitorganisatoren des Ratschlags 2001 veranlasst, den Ratschlag damals nach Gera zu holen?

Es wäre zu viel der „Ehre“ zu sagen ich hätte den Ratschlag nach Gera geholt. Gute Gründe ihn nach Gera zu holen gibt es allerdings allemal. Gera ist nach wie vor im Fokus von Rechtsradikalismus, von Ausländerfeindlichkeit, von rassistisch geprägter Gewalt und von antisemitischer Haltung. Deutlich wird dies u.a. durch die vielen Angriffe von Rechtsextremisten auf das bürgergesellschaftliche Engagement.

Haben sich Dinge in den 10 Jahren zum Positiven hin verändert?

Natürlich haben sich in den 10 Jahren einige Dinge zum Guten entwickelt, dazu gehört sicher der bessere Zusammenhalt der Zivilgesellschaft, dazu gehört auch, dass mehr für politische Bildung investiert wird und dazu gehört, dass die öffentliche Verwaltung (Stadt) mehr Engagement zeigt als früher.

Welche Hoffnungen setzten Sie in den diesjährigen Ratschlag?

Ich hoffe sehr, dass sich die vorab genannten positiven Entwicklungen fortführen lassen und dass wir im Jahr 2012 es erstmals schaffen, den seit 10 Jahren bestehenden jährlichen Aufmarsch der Nazis in Gera (Rock f. Deutschland.) zu verhindern – noch besser ihn endgültig zu verbannen, noch besser ihn auch in anderen Städten zu verhindern suchen!!

Glauben Sie, dass der Ratschlag für Gera eine nachhaltigere Vernetzung von Engagierten bedeuten könnte?

Nachhaltigkeit und Vernetzung sind Begriffe, die in der Gefahr sind, zu Sprechblasen zu verkommen. Der Ratschlag hat dennoch eine gute Chance, bei sach- u. themenbezogener Arbeit in den Workshops die Konzentration und Wirksamkeit von theoretischer und praktischer Arbeit zu fördern.

Danke für das Gespräch.

Plauen: Gewalttätige Auseinandersetzung

Am letzten Freitag kam es vor einer Plauener Diskothek zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Migranten und Türstehern . Die Presse sprach bereits in ersten Berichten von Ausländergewalt ohne Hintergründe zu recherchieren.

Nach einer Häufung rassistischer Übergriffe auf AsylbewerberInnen kam es am Abend des 14.10.2011 zu einer Konfrontation zwischen MigrantInnen und dem Sicherheitsdienst einer Disco in der Plauener Innenstadt. Presse, BetreiberInnen und Nazis waren sich schnell einig – es handelt sich um einen Fall von „Ausländerkriminalität“. Weiterlesen bei der Antifaschistischen Gruppe Vogtland