Thüringen: Kurz notiert

Saalveranstaltung diesen Samstag in Kirchheim, ein Fackelmarsch anlässlich des sogenannten Volkstrauertags nächste Woche Sonntag in Friedrichroda. Der öffentliche Terminkalender für Thüringer Neonazis ist für die nächsten beiden Wochenenden gut gefüllt.

Erlebnisscheune Kirchheim – beliebter Veranstaltungsort für Neonazis

Bereits seit Mitte Oktober wirbt die Jugendorganisation der NPD, die JN, auf ihrer Homepage für eine Saalveranstaltung in Kirchheim. Unter dem Motto „Aufbruch in die Zukunft – Raus aus dem Euro“, sollen hier Holger Apfel und Scharfmacher Pastörs dem geneigten Publikum klarmachen wie das vonstatten gehen könnte. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sich Holger Apfel hier gerne als Erneuerer der NPD präsentieren möchte um sich als kommender Parteivorsitzender der NPD zu empfehlen. Dass Apfel gerne Udo Voigt als NPD –Parteivorsitzenden beerben möchte ist ja hinlänglich bekannt.

Einen ausführlichen Artikel gibt es dazu bei Publikative.org


v.li.n.re. Kevin Schulhauser, Holger Apfel und Frank Schwerdt bei einer NPD Wahlkampfveranstaltung 2009 in Greiz.

Irgendwie skurril mutet an, dass die JN in Thüringen laut Verfassungsschutz nur 10 Mitglieder hat. Unbedeutend ist die Wahl des Veranstaltungsortes und der Redner auch nicht im Hinblick auf die im August angelaufene Mitgliederkampagne der Thüringer NPD. Bei den Landtagswahlen 2009 scheiterte die NPD nur knapp an der 5-Prozenthürde und verfehlte so den Einzug in den Thüringer Landtag. In etwa 3 Jahren wird der Thüringer Landtag neu gewählt und dann will die NPD einziehen.

In den letzten Jahren fanden im Hotel „Romantischer Fachwerkhof“ unzählige Neonaziveranstaltungen statt, zuletzt im Juni 2011 der Landesparteitag der NPD Thüringen. Heute berichtete der MDR darüber, dass auch das Bundeskriminalamt während des Papstbesuches in Thüringen Ende September 2011 das besagte Hotel als Unterkunft für Beamte nutzte.

Jeden weiteren Kommentar sparen wir uns dazu.

Neun Mal ein kalter Schauer – Friedrichroda

Dieses Jahr dient die Westthüringer Kleinstadt Friedrichroda bei Gotha Neonazis bereits zum neunten Mal als Aufmarschort am sogenannten Volkstrauertag. Zum martialischen Fackelmarsch rufen NPD und Freie Kräfte gemeinsam auf. Einen sehr interessanten Artikel zum im Nazigargon genannten „Heldengedenken“ findet sich bei der Infothek Dessau.

Zum thüringenweiten Termin konnte sich der Fackelumzug noch nicht etablieren. Denn auch in anderen Thüringer Städten nutzten Neonazis in der Vergangenheit den Volkstrauertag für ihre Hetze. Letztes Jahr nahm der Thüringer NPD Vorsitzende Frank Schwerdt lieber an einer Veranstaltung in Gera teil.

Die Gefahr, dass Friedrichroda zum thüringenweiten neonazistischen Wallfahrtsort wird, zumindest einmal im Jahr, besteht. In den letzten Jahren versammelten sich regelmäßig bis zu 150 Neonazis am Volkstrauertag. Ob andere Thüringer Neonazis ihre Veranstaltungen zugunsten Friedrichrodas absagen ist nicht sicher, perspektivisch aber sicherlich nicht unmöglich.