Naziaktionen zum Volkstrauertag

In vielen Städten der Bundesrepublik gab es gestern Kranzniederlegungen und Veranstaltungen zum Volkstrauertag. Diese Tradition stammt aus der Weimarer Republik, hierbei soll an die Toten der Kriege erinnert werden. Ursprünglich wurde der Gedenktag am 5. Sonntag vor Ostern begangen. Im Dritten Reich wurde der Gedenktag in Heldengedenktag umbenannt und zum staatlichen Feiertag erklärt. Nach Ende der Naziherrschaft entstand dann der heutige Volkstrauertag, der bewusst an das Ende des Jahres gelegt wurde um so eine deutliche Abgrenzung zum nationalsozialistischen Heldengedenktag zu schaffen.


„Heldengedenken“ in Friedrichroda 2009; Quelle: Infothek Dessau

Heute zelebrieren Neonazis den Volkstrauertag wieder als sogenanntes „Heldengedenken“ mit eindeutig positivem Bezug auf den Nationalsozialismus. Bereits kurz nach der deutschen Wiedervereinigung im November 1990 versammelten sich über 1000 Nazis aus Deutschland in Halbe um hier den Gefallenen von Wehrmacht und Waffen-SS zu huldigen. Dieses Schauspiel wiederholte sich 1991 noch einmal am Waldfriedhof in Halbe. In den Folgejahren wurde das „Heldengedenken“ in Halbe verboten. Zwar gab es nach dem Jahr 2000 immer wieder Versuche in Halbe ein „Heldengedenken“ zu installieren, letztendlich nur mit mäßigem Erfolg. Viel erfolgreicher gestalteten sich regional ausgerichtete Heldengedenkveranstaltungen in den verschiedenen Teilen Deutschlands.

Gera und Friedrichroda – „Heldengedenken“ in Thüringen

In beiden Thüringer Städten finden seit Jahren die größten neonazistischen Veranstaltungen im Bundesland am Volktrauertag statt. Am bekanntesten ist wohl der braune Fackelaufmarsch in Friedrichroda im Landkreis Gotha, der jedes Jahr von NPD und Freien Kräften beworben wird. Dieses Jahr nahmen auch wieder rund 130 Neonazis aus dem gesamten Freistaat teil. In Gera versammelten sich bereits am Nachmittag etwa 60 Neonazis. Im Gegensatz zur Veranstaltung in Friedrichroda wird die vom NPD Kreisverband Gera angemeldete Versammlung auf dem Ostfriedhof nicht öffentlich beworben.

Treffen der Generationen

Seit 2010 veranstalten Thüringer Neonazis das sogenannte „Treffen der Generationen“. 2010 gab es drei dieser Veranstaltungen. Im Mai 2011 dann ein weiteres Treffen, welches aber von der Polizei unterbrochen wurde da dem Referenten einem ehemaligen Mitglied der Waffen-SS Volksverhetzung vorgeworfen wurde. Alle Vier Veranstaltungen fanden in Kirchheim statt. Als Initiator gilt Patrick Weber (NPD) der nebenbei noch den „Germania Versand“ betreibt.


Naziaufmarsch Wunsiedel am 13.11.11; Quelle: a.i.d.a. Archiv München

Am 12.11.2011 fand nun das 5. „Treffen der Generationen“ statt. Als Referent war Reinhold Leidenfrost geladen. Leidenfrost gilt heute noch als überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus und fiel in der Vergangenheit auch durch deutlich antisemitische Äußerungen auf. Bereits 2008 referierte Leidenfrost im „Braunen Haus“ Jena. Den musikalischen Teil des Abends bestritt der aus Jena stammende und mittlerweile in Schweden lebende rechtsextreme Liedermacher „Barny“.

Blick nach Bayern

Wunsiedel kommt nicht zur Ruhe. Nach einem Naziaufmarsch Ende Juli 2011, einem angemeldeten und verbotenen Gedenkgottesdienst für Rudolf Heß im August, marschierten am Volkstrauertag wieder die Braunen durch Wundsiedel. Über 200 vorwiegend aus Bayern stammende Neonazis beteiligten sich an dem Aufzug unter dem Motto „Ein Volk ist nur soviel wert, wie es seine Toten ehrt!“. Angemeldet wurde der Marsch durch Wunsiedel vom Uwe Meenen (NPD). Zu den wenigen nicht aus Bayern stammenden Neonazis gehörten Mitglieder der rechtsextremen Kameradschaft RNJ aus dem Vogtland. Wie immer auf Demos, an denen sie teilnehmen, war die RNJ auch in Wunsiedel mit eigenem Transparent vertreten. Als Redner traten unteranderen Olaf Rose und Daniel Weigl auf. Rose arbeitet seit 2006 für die NPD-Landtagsfraktion in Sachsen und veröffentlichte den Propagandafilm „Geheimakte Heß“. 2009 war Rose zu einem Vortrag zum Thema Heß im Vogtland. Damals referierte er im „Drei Mädel Haus“ welches über Jahre von Neonazis als Veranstaltungsort genutzt wurde. Daniel Weigl ist NPD Bezirksvorsitzender in der Oberpfalz und Aktivist des „Freien Netz Süd“. Weiterhin betreibt er den Internetversandhandel „Final Resistance“.


Daniel Weigl beim „Rock für Deutschland“ 2011; Quelle: Medienkollektiv Vogtland