Greiz: Es bleibt verrückt

Letzten Donnerstag (27.03.14) lud Landrätin Martina Schweinsburg zum „traditionellen“ Jahresempfang in der prächtigen Vogtlandhalle in Greiz. Neben einer schier endlosen aber üblichen Schenkelklopferei (Klick) wurden zwei ganz besondere Frauen für ihr Engagement für Flüchtlinge ausgezeichnet.
Als ich das las (Klick) fiel mir fast die Kaffeetasse aus der Hand. Dagmar Pöhland und Martina Högger sind die ausgezeichneten Greizerinnen.

Der Name Högger sollte einigen etwas sagen, manche der geneigten Leserschaft kennen sie wahrscheinlich unter dem Synonym „die Schamanin“. Ja jetzt wird einigen ein eiskalter Schauer über den Rücken kriechen. Fr. Högger ist Chefin, wenn man das so schreiben kann, der BI „Weil wir Greiz lieben“ und gleichzeitig Sprecherin der „Initiative für die Flüchtlinge in Greiz“. Bevor sich Högger der Flüchtlinge annahm, engagierte sie sich vor allen Dingen für mehr Parkplätze in der Greizer Innenstadt und organisierte Parkspaziergänge. Rückblickend muss man sagen Schuster bleib bei deinen Leisten. Dank ihrer Stellung innerhalb der Initiative für die Flüchtlinge in Greiz gelang es ihr immer wieder den Blick weg von der Situation der Flüchtlinge hin zur ach so großen Gefahr für den Ruf der Stadt Greiz zu lenken. Dank ihres Engagements blieb die Initiative für die Flüchtlinge in Greiz ein Papiertiger ohne Biss. Schmückendes Beiwerk im ungemein demokratisch regierten Landkreis.

Wer jetzt denkt, das war schon alles, der irrt. Gestern durfte Fr. Högger und auch die andere ausgezeichnete Greizerin, hochoffiziell eingeladen von Fr. Schweinsburg, dem jährlich fast geheim stattfindenden Bekleidungsverkauf für Flüchtlinge beiwohnen (Klick).
In den letzten Jahren kam es immer wieder zur Kritik von verschiedenen Organisationen an der Art und Weise, wie Flüchtlinge ihre Bekleidung erwerben müssen. Unabhängige Beobachter wurden bisher zum Bekleidungsverkauf nie zugelassen.

Hier noch ein Link zum Redebeitrag der Gruppe „Juri“, der im Rahmen der Antirassistischen Demo am 09.11.13 in Greiz verlesen wurde.

Der folgende offene Brief wurde von Greizer Antirassisten im November 2013 unteranderem auch an die „Initiative für die Flüchtlinge in Greiz“ gesendet.

Sehr geehrte Mitglieder der Solidaritätsgruppe für die Flüchtlinge in Greiz,

es brennt uns unter den Nägeln, Ihnen zum heutigen Treffen diese Worte mitzuteilen. Ein Treffen, das vor Vorurteilen und Diskriminierung nur so strotzte.

Wir engagieren uns seit Jahren gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus. Bei diversen Treffen waren wir dabei, haben die verschiedensten Initiativen und Menschen kennengelernt. Eines ist uns jedoch in all den Jahren nie passiert – eine so offene Anfeindung uns gegenüber. Eine Anfeindung par excellence.

Wir kamen heute zu diesem Treffen um der Initiative die Hand zum Dialog zu reichen, da es im Vorfeld Unstimmigkeiten gegeben hat. Dass man nicht immer einer Meinung ist, damit muss man umgehen können.
Jedoch sahen wir uns schon bei dem Treffen vor ca. 14 Tagen mit einer deutlichen Ablehnung konfrontiert. Es wurde eindeutig klar gemacht, dass eine geplante Demonstration am 09.11.2013, nicht unterstützenswert ist. Zumindest nicht aus der Sicht von einigen Beteiligten. Zu einer Einigung bezüglich der Demonstration kam es nicht. Diese Demo kam auch ohne Unterstützung der Solidaritätsgruppe zustande. Mit einem, wie wir finden, wichtigen Anliegen. Es waren ca. 500 Menschen aus verschiedenen Regionen, aus unterschiedlichsten Kreisen anwesend. Alle kamen um ihre Solidarität mit Flüchtlingen zu demonstrieren. Es war eine Demonstration, die ein klares Zeichen gegen Rassismus setzte.

Heute saßen wir wieder Jenen gegenüber, die die Demonstration am liebsten hätten ausfallen lassen.

Anstatt heute die Chance zu nutzen um gemeinsam den Schwächsten in unserer Gesellschaft eine Stimme zu geben, um geschlossen Außenstehenden zu sagen, in unserer Gesellschaft ist Platz für Alle, wurde lieber die Zeit unserer Anwesenheit genutzt, um das Engagement von Nichtanwesenden in Misskredit zu bringen. Weder an der Anmelderin, noch an den vielen Teilnehmern wurde ein gutes Haar gelassen. Es wurde sich an einem Redebeitrag hochgezogen. An diesen Einem wurde die ganze Demonstration herunter gebrochen. Vor allem diejenigen, die selbst nicht anwesend waren, wetterten am meisten. Aus unserer Sicht ist dies nicht nachvollziehbar und keineswegs solidarisch mit den Menschen, die vor Ort waren

Die eigentliche Problematik wurde vollkommen verkannt. Aufregung gab über Aussagen, die Aufgrund diverser Probleme mit dem Landratsamt (welche schließlich durch eine Klage aus dem Weg geräumt wurden) getroffen worden sind. Man hat in diesen „Kreisen“ keine Probleme mit dem Landratsamt, ist heute Abend gesagt wurden. Natürlich nicht. Man gehört ja auch zu den Anderen. Dies wurde am heutigen Abend ja eindeutig klar gemacht.

Wir werden ihnen aber weiterhin die Hand zum Dialog reichen, da wir möchten, dass Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion und anderem kulturellen Hintergrund in diesem Land leben können, ohne Angst.