Mahngang Täterspuren in Plauen

Am Samstag den 12.04.2014 folgten mehr als 100 Menschen dem Aufruf des Aktionsbündnis „Vogtland gegen Rechts“ und der Antifaschistischen Gruppen des Vogtlands (AGV) zum Mahngang Täterspuren. Mit dieser Aktion im Nachgang des 69. Jahrestages der schwersten Bombardierung Plauens durch Alliierte Bomberverbände und im Vorfeld der bevorstehenden Neonazidemonstration in Plauen am 1. Mai, sollten die Spuren der Naziherrschaft sichtbar gemacht werden.

Ausgehend vom Oberen Bahnhof, hier wurde in einem Redebeitrag auf die nach Plauen verschleppten Zwangsarbeiter_innen eingegangen, liefen die Teilnehmer_innen über die Friedensstraße zu einem scheinbar unbedeutenden Garagenkomplex. Hier befand sich bis 1945 das sogenannte „Braune Haus“, welches seit 1922 Sitz der NSDAP Ortgruppe- und Kreisleitung war. In einem weiteren Vortrag wurde auf die Wichtigkeit Plauens im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in ganz Deutschland aufmerksam gemacht. Nicht nur Sachsens Gauleiter Mutschmann war ein Bürger der Stadt, auch stammt der erste Reichsführer der HJ, Kurt Gruber, aus Plauen. In Plauen wurde außerhalb Bayerns eine der ersten NSDAP Ortsgruppen gegründet.

Eine weitere Station war der Standort der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde. 1930 eingeweiht, galt sie als eine der modernsten Synagogen in Deutschland. 1938 wurde das Meisterwerk des Architekten Fritz Landauer während der Reichspogromnacht, wie viele andere Symbole jüdischen Lebens in Deutschland, von den Nationalsozialisten und ihren Schergen zerstört. Heute erinnert nur ein unscheinbarer Gedenkstein an den Auftakt zur Vernichtung jüdischen Lebens und Kultur in Deutschland und Europa.

Von hier aus ging es weiter zu den „Ghetto Häusern“ in denen nach 1938 Plauener und jüdische Mitbürger_innen aus umliegenden Gemeinden zusammengepfercht wurden, um auf ihre Deportation in deutsche Vernichtungslager zu warten. Waltraud Schmidt, die sich seit vielen Jahren mit dem Leben jüdischer Bürger beschäftigt, berichtete über die Geschichte der „Ghetto Häuser“ und dem damit verbundenen Schicksal ihrer Bewohner_innen.

Auf den teils langen Wegen zwischen den einzelnen Stationen des Mahnganges wurden immer wieder vom Begleitfahrzeug Erzählungen von Zeitzeugen wiedergegeben, um so akustisch auf die Spuren der Täter aufmerksam zu machen.

Angekommen am einstigen Eingangsbereich der VOMAG Werke, eines riesigen Areals welches sich links und rechts der „Weißen Elster“ ausbreitete, wurde an der Uferstraße bei einem weiteren Halt auf der Spur der Täter von der wechselhaften Geschichte der 1881 als „Vogtländische Maschinenfabrik J.C. & H. Dietrich“ gegründeten Firma berichtet. Die Kriegswaffenproduktion begann mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Für die kaiserliche Armee produzierte man LKW’s aber auch verschiedene Munitionstypen.

Zwischen den Weltkriegen wurde wieder auf zivile Produktion umgestellt. Erst mit Beginn des Zweiten Weltkrieges begann wieder die Kriegswaffenproduktion. Bis zum Ende des Krieges wurden hier mehr als 1000 Panzer und andere Kettenfahrzeuge sowie Flakgeschütze für den deutschen Aggressionskrieg gefertigt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren die VOMAG Werke eine der letzten intakten Rüstungsbetriebe Nazideutschlands.
Egal ob VOMAG oder andere kriegswichtige Güter produzierende Unternehmen in Plauen bzw. in Deutschland, man setzte dazu, aus ihren Heimatländern verschleppte, Zwangsarbeiter_innen ein. Alleine in Plauen wurden hunderte Zwangsarbeiter_innen ausgebeutet. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Entrechteten und Versklavten arbeiten, ihr Lohn oftmals der Tod.

Nach über zwei Stunden endete der Mahngang auf dem Altmarkt mit bedrückenden Worten von Fr. Waltraud Schmidt. In den letzten Jahren nutzen Neonazis und Geschichtsrevisionisten die Bombardierung Plauens um öffentlich einen deutschen Opfermythos zu zelebrieren.

Aber kann eine Stadt, in der die Spuren der Täter deutlich sichtbar sind, nur eine Stadt der armen deutschen Opfer sein, so wie es Neonazis heute immer wieder behaupten oder ist es eben nicht doch die Stadt der Täter und deren Mitläufer.