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Ein Lebenszeichen

Nach mehr als zwei Jahren soll unserem Blog wieder Leben eingehaucht werden. In unregelmäßigen Abständen werden wir euch hier wieder mit unseren Gedanken versorgen. Gerne veröffentlichen wir auch eure Gastbeiträge, die Mailadresse an die ihr eure geistigen Ergüsse schicken könnt, findet ihr unter „Kontakte“.

Nachgereicht: Verhandlung gegen Nazis

Bereits am 22.11.11 wurde am Geraer Amtsgericht gegen zwei Neonazis der Prozess eröffnet. Ein weiterer Gerichtstermin wird Anfang Dezember stattfinden. In diesem Zusammenhang dokumentieren wir einen Artikel aus der OTZ vom 24.11.11. Wir berichteten 2010 über den Überfall.

Eine Spur der Gewalt zog am Männertag 2010 eine Tätergruppe aus der rechten Szene hinter sich her, die zwischen Waldhaus, Schlötenteich und Nitschareuth unterwegs war. Ins Visier der Rechten geriet auch eine Ausflüglergruppe, die sich mit dem Bollerwagen auf den Weg zu den Schlötenteichen gemacht hatte, um dort zu grillen. Doch statt Männertagsspaß gab es eine brutale Attacke aus der rechten Ecke, die zwei der Ausflügler mit schweren Kopfverletzungen, mit Nasen- und Jochbeinbrüchen ins Krankenhaus brachten und einen weiteren verletzten.

Am Dienstag – also gut anderthalb Jahre nach dem Überfall – begann das juristische Nachspiel des verhängnisvollen Ausflugs vor dem Geraer Amtsgericht. Ein 25-Jähriger aus Mohlsdorf und ein 27-jähriger Greizer sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Beide Männer – in der rechtsradikalen Szene bekannt – machten vor dem Richter weder Angaben zur Person noch zum Tathergang. Eine Praxis, die schon die polizeilichen Ermittlungen erschwert hatte. Richter Siegfried Christ stieg also gleich mit der Befragung der Zeugen ein.

Ein heute 38-jähriger Erfurter, der seinerzeit die schwersten Verletzungen davon trug, trat als Nebenkläger auf. „Wir hatten den Grill am Schlötenteich gerade aufgebaut, als wir unter Gegröle eine größere Gruppe auf dem Waldweg näher kommen hörten“, schildert er. Wegen der Buttons auf seiner Jacke sei er angesprochen worden. Einer fotografierte ihn, während ein anderer badete. Rechte Sprüche machten die Runde, den Ausflüglern war mulmig, sie „Einer trat den Grill um und versuchte mich mit dem Gesicht in die Glut zu drücken.“ Schwerverletzter Erfurter versuchten Blickkontakt zu vermeiden. Als sich die Rechten zum Weitergehen rüsteten, machte sich Erleichterung der Picknickfreunde mit einem Lachen Luft. Was den Aggressionspegel der unbeliebten Meute sprengte. Eine kleinere Gruppe kehrte zurück, trat den Grill um, einer packte den Erfurter am Genick und versuchte ihn mit dem Gesicht in die Glut zu drücken. Er wehrte sich, bekam daraufhin mehrere Kopfstöße ins Gesicht. Später habe ihm ein weiterer Angreifer auch die andere Gesichtshälfte noch zerschlagen. Er landete im Krankenhaus, brauchte insgesamt zehn Wochen zur Genesung. „Ich war froh, überlebt zu haben“, gesteht er im Zeugenstand. Und ist sich mit Blick zur Anklagebank ganz sicher, im Mohlsdorfer Angeklagten seinen Peiniger wiederzuerkennen. Auch als ihn der Verteidiger mit Aussagen bei der Polizei konfrontiert, dass eine beschriebene Halstätowierung und auch Ohrschmuck nicht zutreffen, bleibt er dabei. Sein Freund aus Neumühle (29), der ebenfalls übel zugerichtet war, ist sich sehr sicher, beide Angeklagten zu erkennen.

Was allerdings der Staatsanwalt seinerseits ungewöhnlich fand: „So sehen doch viele aus.“ Die sichere Identifikation der Täter kristallisierte sich während der Verhandlung immer mehr als Knackpunkt des Prozesses heraus. Recherchen der Opfer im Internet, Lichtbildmappen der Polizei, Erinnerungen der Geschädigten, die verständlicherweise nach anderthalb Jahren nicht mehr taufrisch sind – die zweifelsfreie Beweisführung, woher die Erkenntnis kommt, das hier die richtigen Männer auf der Anklagebank sitzen, wird die Sache entscheiden. Nach dem eintägigen Zeugen- Befragungsmarathon erlitt schließlich der dritte Verletzte, ein 27-Jähriger, einen Kreislaufzusammenbruch. Er musste vom Notarzt behandelt werden. Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.

„Euer Untergang – Unsere Verpflichtung“* – Die Wiking-Jugend** in Greiz-Obergrochlitz

Ein Gespräch mit einer Augenzeugin.

Was wissen sie noch über die Ereignisse vom Dezember 1992 in Obergrochlitz?

Um Weihnachten 1992 wurde das Kriegerdenkmal in Greiz Obergrochlitz gereinigt, wir wunderten uns, da es längere Zeit schon nicht mehr gepflegt wurde. Wir wussten das zu diesem Zeitpunkt Gäste in der Jugendherberge waren, teils mit ausländischen (Niederlande) Kfz-Kennzeichen. Es hieß, dass sie Silvester feiern wollen. Sie bewegten sich auch im Dorf. Wir wunderten uns über ihre eigenartige Kleidung und über die Frisuren. Die meisten Frauen und Mädchen hatten Zöpfe so wie es auch im Dritten Reich beim „Bund Deutscher Mädel“ üblich war.

Woher wussten Sie, dass es sich um Nazis handelt?

Das Gerücht machte die Runde, dass es Nazis aus dem Ausland wären und sie am Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges Kränze niederlegen wollen. Ein Bekannter aus dem Dorf stellte dann am Silvestertag seinen Bus quer auf den Dorfplatz, hinter diesem befindet sich das Kriegerdenkmal. Wir schenkten den Gerüchten aber keinen Glauben, da sich die Leute ja unauffällig verhielten.

Was passierte dann?

Am Neujahrstag, ich war gerade damit beschäftigt das Mittagessen vorzubereiten, hörte ich Trommelschläge. Da ich von unserem Küchenfenster in Richtung Dorfplatz schauen konnte beobachtete ich etwas für mich unvorstellbares.

Was sahen Sie?

Die Gäste aus der Jugendherberge. Sie marschierten in Formation und mit Uniformen bekleidet in Richtung Dorfplatz zum Kriegerdenkmal. Sie führten Hakenkreuzfahnen und Fahnen mit dem Wiking Jugend Symbol mit sich. Leider kann ich mich an das Symbol der Roten Fahnen mit weißem Kreis nicht mehr genau erinnern. Es könnte aber eine Rune gewesen sein. Hier hielten sie dann, vom abgestellten Bus ließen sie sich nicht stören, einen Fahnenapell ab und legten Kränze am Mahnmal nieder. Auf einem der Kränze stand die Losung: „Euer Untergang – Unsere Verpflichtung“.

Was dachten Sie als Sie die Kundgebung sahen?

Ich habe Angst bekommen und konnte nicht glauben was ich sah. Wie kann so etwas möglich sein.

Haben auch noch andere Menschen diesen Aufmarsch gesehen?

Auf jeden Fall, es standen auch Einwohner unseres Ortes auf der Straße und schauten dem Treiben zu. Reagiert hat keiner, ich glaube die meisten waren fassungslos. Eine Bekannte rief dann doch die Polizei, diese erschien jedoch noch nicht mal in Obergrochlitz.

Was passierte nach dem Aufmarsch?

Eigentlich nichts mehr. In Obergrochlitz waren sie nicht noch mal, obwohl sie noch einige Tage in der Jugendherberge gewesen sein müssen.

Danke für das Gespräch.

*Inschrift am Gebinde (Augenzeuge)

** Die Wiking Jugend wurde 1994 vom Bundesinnenminister verboten. Weitere Infos hier Wiking Jugend

Eine Bestätigung des Treffens der Wiking Jugend gibt es in der Antwort (Drucksache 2/1075) auf die Große Anfrage der PDS Fraktion Thüringens an dieLandesregierung im Januar 1996.